Nordkorea
Zweifel an Atomtest-Stopp

US-Außenministerin Condoleezza Rice sieht keine Bereitschaft Nordkoreas, auf weitere Atomtests zu verzichten. Das Land sei vielmehr auf eine Eskalation des Atomstreits aus, sagte Rice in Moskau.

HB MOSKAU/SEOUL. Sie traf am Samstag in Moskau mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammen. Im Vorfeld des Gesprächs rief Lawrow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge die USA und Nordkorea zu mehr Flexibilität im Atomstreit auf. Zum Abschluss ihrer fünftägigen Asien-Reise hatte Rice gesagt, der chinesische Sondergesandte Tang Jiaxuan habe ihr bei Gesprächen in Peking nichts über ein Einlenken Nordkoreas bei angeblich geplanten Atomtests berichtet. Auch von einer Entschuldigung des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il für den bereits erfolgten Test sei nicht die Rede gewesen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte am Freitag unter Berufung auf chinesische Diplomatenkreise gemeldet, Nordkorea habe China den Verzicht auf weitere Atomtests zugesagt. Dies war als möglicher Durchbruch der diplomatischen Bemühungen Chinas im Atomkonflikt mit Nordkorea gewertet worden.

Lawrow richtete vor dem Gespräch mit Rice einen Appell an die USA und Nordkorea, ihre gegenseitigen Beziehungen zu verbessern. Die Beilegung der finanziellen Konflikte zwischen den beiden Staaten könnte ein wichtiger Schritt zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche sein, sagte Lawrow Interfax zufolge der Kuwaitischen Nachrichtenagentur Kuna. Nordkorea ist Medienberichten zu erneuten Gesprächen bereit, sollten die USA ihre im November beschlossenen finanziellen Restriktionen gegen das international isolierte Nordkorea aufheben. Rice stellte am Samstag den Willen Nordkoreas in Frage, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. An den Verhandlungen sind neben den beiden koreanischen Staaten China, Japan, Russland und die USA beteiligt.

Kim Dae Jung befürchtet Vergeltungsmaßnahmen

Der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung hat unterdessen vor Vergeltungsmaßnahmen Nordkoreas gegen die vom Weltsicherheitsrat verhängten Wirtschaftssanktionen gewarnt. Militärische Gewalt des Nordens sei nicht auszuschließen, sagte Kim am Samstag im Interview der Nachrichtenagentur AP. Diese Gefahr bestehe insbesondere, wenn die Nachbarländer gemäß den Vorgaben der Vereinten Nationen tatsächlich versuchen sollten, die Ladung nordkoreanischer Schiffe zu kontrollieren.

„Wir können nicht sicher sein, ob da ein relativ kleiner Konflikt nicht in Zukunft eskalieren könnte“, warnte Kim. Er erneuerte seine frühere Kritik an den Sanktionen, die wegen des nordkoreanischen Atomwaffentests am 9. Oktober verhängt wurden. Stattdessen plädierte er für direkte Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang, um den Konflikt zu entschärfen.

Kim Dae Jung reiste als Präsident im Jahr 2000 zu Gesprächen mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il nach Pjöngjang. Es war das bislang einzige Gipfeltreffen zwischen dem Süden und dem Norden seit der endgültigen Teilung der koreanischen Halbinsel im Jahre 1953. Für seine Bemühungen um Entspannung wurde Kim Dae Jung im Oktober 2000 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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