Nordkoreanische Raketentests
Was will Pjöngjang?

Die ersten nordkoreanischen Raketentests seit acht Jahren haben in aller Welt scharfe Proteste ausgelöst. Der Weltsicherheitsrat will noch heute mit einem Resolutionsentwurf protestieren. Die Nato verlangt eine "harte Antwort" und selbst der wichtigste Verbündete Nordkoreas ist besorgt. Eine Frage macht die Runde: Was will Pjöngjang?

HB SEOUL. Der Weltsicherheitsrat wird sich nach den Worten des amerikanischen UN-Botschafters John Bolton noch an diesem Mittwoch mit einem Entwurf für eine Resolution zu den nordkoreanischen Raketentests beschäftigen. Japan, das derzeit nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat ist, bereite den Entwurf vor, sagte Bolton in New York. „Das ist eine sehr ernste Angelegenheit“, erläuterte er. „Genau für solche Sachen ist der Sicherheitsrat gedacht.“

Frankreich, in diesem Monat Präsident des Sicherheitsrates, verurteilte die Raketentests. „Frankreich ruft Nordkorea mit größtem Nachdruck dazu auf, sich an das Moratorium zu halten, das es 1999 selbst ausgerufen hatte“, teilte die französische UN-Mission mit.

Auch die Vereinigten Staaten warnten Nordkorea eindringlich vor weiteren Provokationen. Der amerikanische Präsident George W. Bush sagte, mit dem Vorgehen isoliere sich das kommunistische Land weiter. Präsidialamtssprecher Tony Snow kündigte an, die Regierung werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das Land und seine Verbündeten zu schützen. Auch der Nationale Sicherheitsberater Stephen Hadley bezeichnete die Tests als Provokation, versicherte aber zugleich, dass von einer Langstreckenrakete, die schon nach 40 Sekunden abstürze, keine Gefahr für die Vereinigten Staaten ausgehe.

Japan versetzte sein Militär in höhere Alarmbereitschaft, erklärte nordkoreanische Diplomaten zu unerwünschten Personen, untersagte bis auf weiteres Charterflüge und unterbrach eine Fährverbindung nach Nordkorea. Regierungssprecher Shinzo Abe nannte die Tests „ein schwerwiegendes Problem“ für den Frieden und die Stabilität der Region. Japan werde dafür sorgen, dass der UN-Sicherheitsrat geeignete Maßnahmen ergreife. Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi betonte aber zugleich, den Dialog mit Pjöngjang fortsetzen zu wollen. „Nichts kann ohne Dialog gelöst werden“, sagte Koizumi in Tokio.

Nordkoreas Führung in Pjöngjang ließ am Mittwoch anscheinend mindestens sieben Raketen testen, darunter eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2. Diese Rakete kann möglicherweise US-Territorium erreichen. Die Tests schlugen nach Angaben der USA und Japans fehl. Taepodong-2 sei schon 40 Sekunden nach dem Start ins Meer gestürzt. Ein Vertreter des japanischen Verteidigungsministeriums erklärte, mehrere Stunden nach der ersten Testserie sei eine siebte Rakete abgefeuert worden. Nach Angaben des russischen Generalstabschefs Juri Balujewski wurden insgesamt sogar zehn Raketen getestet. Der australische Außenminister Alexander Downer erklärte, er rechne mit weiteren Tests in den kommenden Tagen.

Das Nordatlantische Bündnis (Nato) verurteilte die Raketentests als „ernste Bedrohung der Region und der gesamten internationalen Gemeinschaft“ verurteilt. „Wir bedauern und verurteilen diese Raketenstarts“, heißt es in einer Erklärung des NATO-Rats. „Nordkoreas Raketenprogramm und provozierendes Handeln erfordern eine harte Antwort der internationalen Gemeinschaft“, erklärten die Vertreter der 26 NATO-Mitgliedstaaten. Die NATO sei „zutiefst besorgt“ über die Raketentests. „Diese Aktionen werden Nordkorea weiter von der internationalen Gemeinschaft isolieren und den Interessen seines Volkes schaden.“

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