Nordkoreanischer Atomtest
„Mehr ein Zischen als ein Knall“

Russland hat den nordkoreanischen Atombombentest bestätigt. Die russischen Überwachungssysteme haben „den Test einer Atomwaffe in Nordkorea entdeckt", hieß es aus Moskau. Auch der amerikanische geologische Dienst USGS bestätigte seismologische Aktivitäten. Doch die US-Regierung zweifelt.

HB MOSKAU/WASHINGTON. „Es ist hundert Prozent sicher, dass es eine unterirdische Atomexplosion war", zitierte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass Generalleutnant Wladimir Werchowzew aus dem Verteidigungsministerium. Die USA wollten einen Atomtest zunächst noch nicht bestätigen.

Es habe ein „seismisches Ereignis“ in einem möglichen nordkoreanischen Atomtestgelände gegeben, erklärte das Weiße Haus. „Im Moment können wir einen Atomtest nicht bestätigen“, erklärte Sprecher Tony Snow. Die USA erwarteten, dass der Sicherheitsrat nun schnell handele.

Ein Regierungsmitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, die Erschütterung sei so klein gewesen, dass es schwierig sei, sie genau einzuschätzen. Ein anderer Experte erklärte, es habe sich wohl „mehr um ein Zischen als um einen Knall gehandelt.“ Es wird vermutet, dass Nordkorea Plutonium für mindestens vier, vielleicht aber auch Dutzende Atombomben hat.

US-Medien berichteten, Nordkorea habe China weniger als eine Stunde vor der Zündung über die bevorstehende Aktion informiert. Die Regierung in Peking habe dann die dortige US-Botschaft unterrichtet, die sofort US-Außenministerin Condoleezza Rice kontaktiert habe.

Die Bekanntgabe Nordkoreas, den umstrittenen Test ausgeführt zu haben, löste in der Region unmittelbare Protest aus. Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun wollte noch am Montag mit US-Präsident George W. Bush über die neue Lage sprechen. Regierungssprecher Yoon Tae Young erklärte, Südkorea werde diesen Test nicht tolerieren und eine scharf formulierte Antwort an Nordkorea senden. Die Regierung in Pjöngjang müsse sofort wieder dem Atomwaffensperrvertrag beitreten.

Hilfslieferung ausgesetzt

Südkorea setzte eine geplante Hilfslieferung an das kommunistische Land aus. Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Quellen im Vereinigungsministerium, der Süden habe am morgigen Dienstag 4000 Tonnen Zement über die Grenze liefern wollen. Angesichts der Umstände werde diese Lieferung jedoch nicht stattfinden.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, der sich zu Gesprächen mit Roh in Seoul aufhielt, nannte den Test unverzeihlich, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Sein Kabinettssekretär Yasuhisa Shiozaki sagte auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Tokio, die Berichte Nordkoreas über einen erfolgreichen Atomwaffentest seien eine Provokation und eine ernsthafte Bedrohung der Stabilität in der Region.

Nordkorea hatte in der vergangenen Woche angekündigt, es werde zur Abschreckung einer möglichen Invasion der USA erstmals eine Atomwaffe testen. Die Ankündigung hatte weltweit Besorgnis ausgelöst. Neben zahlreichen Staats- und Regierungschefs hatte auch der Uno-Sicherheitsrat an die Regierung in Pjöngjang appelliert, auf den Test zu verzichten.

Der nordkoreanische Atomtest hatte nach Angaben aus Südkorea eine Sprengkraft von 550 Tonnen TNT. Das erklärte ein Sprecher des staatlichen Koreanischen Instituts für Geowissenschaften, Park Chang Soo. Die Atombomben, die die USA im Zweiten Weltkrieg auf Japan abwarfen, waren weit größer. Die am 6. August 1945 über Hiroshima gezündete Bombe hatte eine Sprengkraft von 12 500 Tonnen TNTTonnen TNT, die am 9. August 1945 über Nagasaki abgeworfene Bombe entsprach 22 000 Tonnen TNT.

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