Nordkoreanischer Botschaftsmitarbeiter taucht ab
Vom Diplomaten zum Überläufer

In London ist Medienberichten zufolge ein hochrangiger Diplomat aus der nordkoreanischen Botschaft untergetaucht. Im Westen und in Südkorea hoffen die Geheimdienste auf einen wertvollen Informanten. Nordkorea schweigt.

London, TokioEin hochrangiger Diplomat von Nordkorea in London ist Medienberichten zufolge geflüchtet. Der Mitarbeiter der Botschaft hat sich mit seiner Frau und seinem Sohn nach Südkorea abgesetzt, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch unter Berufung auf das Vereinigungsministerium in Seoul berichtete. Laut BBC handelt es sich dabei um Thae Yong Ho. Er habe seit zehn Jahren in Großbritannien gelebt und war einer der fünf Mitarbeiter der Botschaft.

Der Sohn des Diplomaten war im Westen Londons zur Schule gegangen, doch Mitte Juli auf einmal weg. „Er war jeden Tag auf Facebook und WhatsApp unterwegs“, sagte ein 19-jähriger Klassenkamerad dem „Guardian“. „Jetzt sind alle seine Social-Media-Accounts weg. Wir haben uns wirklich Sorgen um ihn gemacht, haben alle versucht, ihn anzurufen. Es war geblockt. Er war ein guter Kumpel. Und er ist einfach verschwunden.“

Den Medien gegenüber wollten weder die nordkoreanische Botschaft, noch das britische Außenministerium die Informationen kommentieren. Doch er ist nicht der einzige Überläufer. Seoul statt Pjöngjang, südkoreanische Demokratie statt nordkoreanische Diktatur – in diesem Jahr sind bereits 814 Nordkoreaner nach Südkorea geflüchtet, 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie Reuters unter Berufung auf Angaben des südkoreanischen „Ministeriums für Vereinigung“ berichtet. Meist flüchten sie trotz der Gefahren für sich und die Daheimgebliebenen über die nördliche Landesgrenze nach China ab. Hin und wieder nutzen sie Auslandsaufenthalte, um sich abzusetzen.

Thae ist dabei einer der prominentesten Überläufer. Ihm kam wohl zugute, dass er in seiner Position Ansprechpartner für britische Journalisten war, die nach Nordkorea reisen wollten. Aber höhere Wellen schlugen jüngst 13 Restaurantangestellte, die im April aus der chinesischen Hafenstadt Ningbo flohen.

Nordkorea nutzte die Flucht, um Südkorea mit einem tränenreichen Auftritt der Angehörigen der Entführung zu beschuldigen. Dabei hat Nordkorea in der Vergangenheit Südkoreaner und Japaner entführt. Auch in Südkorea kursierte dieser Verdacht. Normalerweise werden Flüchtlinge in einer Einrichtung drei Monate auf ihr Leben im Süden vorbereitet. Doch Südkoreas Geheimdienst hielt die Gruppe „in seinem Schutz“ wie die Nachrichtenagentur Yonhap schrieb.

Als Grund wurde genannt, dass die Flüchtlinge von Nordkoreas Propaganda instrumentalisiert wurden. Erst am Dienstag gab das Vereinigungsministerium bekannt, dass das Restaurantpersonal bereits begonnen habe, sich in Südkorea an einem ungenannten Ort niederzulassen.

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Interesse der Geheimdienste

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