Nordkoreas Atomschlagdrohung: „Eine rein rhetorische Provokation“

Nordkoreas Atomschlagdrohung
„Eine rein rhetorische Provokation“

Nordkorea droht den USA mit einem „präventiven Atomangriff“. Asien-Expertin Alexandra Sakaki hält das für ein Zeichen der Unsicherheit. Das Regime isoliert sich weiter – neue Uno-Sanktionen wird es so nicht verhindern.
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DüsseldorfNordkorea hat den USA mit einem Nuklearangriff gedroht. Ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang sagte: „Solange die USA einen Atomkrieg anstreben, haben unsere revolutionären Streitkräfte das Recht auf einen präventiven Atomschlag.“ Grund für die Drohung sind die Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats. Handelsblatt Online hat mit der Asien-Expertin Alexandra Sakaki über die Entwicklungen gesprochen. Die promovierte Politikwissenschaftlerin ist Mitglied der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik und beobachtet das politische Geschehen in Japan und Korea seit Jahren.

Frau Sakaki, wie ernst ist die Drohung Nordkoreas zu nehmen? Zieht das Regime tatsächlich ernsthaft in Erwägung, einen atomaren Erstschlag zu unternehmen?
Derartige Drohungen hat Nordkorea auch in der Vergangenheit öfter geäußert. Schon in den 1990er-Jahren hat Nordkorea gedroht, Seoul in ein Flammenmeer zu verwandeln, also ist das keine völlig neue Entwicklung. Die Absicht des Regimes ist, mit dieser Provokation die USA zu zwingen, Nordkorea zu einer ihrer außenpolitische Prioritäten zu machen und in Verhandlungen einzutreten. Im Grunde genommen ist es eine rein rhetorische Provokation eines doch sehr unsicheren und verarmten Landes, das versucht, die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Einen tatsächlichen atomaren Schlag halten Sie also für ausgeschlossen?
Eine tatsächliche Attacke auf Washington, wie angedroht, ist für Nordkorea höchst unwahrscheinlich beziehungsweise sogar unmöglich. Das Regime ist noch Jahre davon entfernt, Raketen mit Atomsprengköpfen zu besitzen, die tatsächlich die USA erreichen können.

Könnte es zu einem nicht-atomaren Angriff kommen?
Es ist nicht völlig auszuschließen, dass noch irgendeine Art von Aggression folgt. Es hat ja in den letzten Jahren durchaus militärische Zwischenfälle zwischen Nord- und Südkorea gegeben – wie das Versenken des südkoreanischen Schiffes Cheonan im Jahre 2010. Was die Vergangenheit aber auch gezeigt hat, ist, dass Nordkorea die Situation nie soweit eskalieren lässt, dass es tatsächlich zu einem Krieg kommt.

Wie verändert sich die Sicherheitslage generell in der Region durch solch eine Drohung?
Politiker und Strategen in allen Hauptstädten, die näher mit der Nordkorea-Frage beschäftigt sind, blicken natürlich mit Sorge auf diese Entwicklung. Denn zumindest auf rhetorischer Ebene handelt es sich um eine Eskalation. Weit größere Besorgnis hat jedoch der Raketentest vom Dezember und der Atomtest im letzten Monat ausgelöst. Sie haben gezeigt, dass die Nordkoreaner klare technologische Fortschritte verzeichnen können.

Bisher war China häufig eher zurückhaltend was Sanktionen gegen Nordkorea angeht. Nun scheint Einigkeit mit den USA zu herrschen. Ist Nordkorea mittlerweile komplett isoliert?
Der Wandel der chinesischen Haltung hat sich über die letzten Jahre schon angedeutet. Seit den Atomtests von 2006 und 2009 hat China gezeigt, dass es härter durchgreift und Sanktionen mitträgt, wenn auch nicht in dem Maße, wie die USA es sich wünschen. Auch hinter den Kulissen hat China schon versucht, Druck auf  Nordkorea auszuüben, zum Beispiel indem es Öllieferungen gestoppt hat. Die Drohung des Regimes ist sicherlich auch eine Reaktion darauf, dass China nun stärker durchgreift.

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„Eine Öffnung ist nicht in Sicht“

Kommentare zu " Nordkoreas Atomschlagdrohung: „Eine rein rhetorische Provokation“"

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  • Im Prinzip also stärke demonstrieren, damit auch die eigene Bevölkerung an den Himmel im Führersohn glaubt und dann wieder stark auftrumpfen, wenn die bösen Mächte verhandeln wollen. Dabei so tun, als würde man großzügig Größe zeigen und sich auf Verhandlungen einlassen. Erinnert mich an uneinsichtige, meinungsversessende Kommentatoren, bei denen man auch nie weiß, wie man einen anderen Standpunkt nahe bringen kann und sie am besten ignoriert. Leider funktioniert letzteres nicht in der Beziehung mit Nordkorea. Schade.

  • Atomwaffen in den Händen von Psychophaten und Fundamentalisten.
    Unterstützt von Staaten wie die, Russland-Mafia, da kann man nur noch Angst vor dem Weltuntergang haben.

  • „Eine rein rhetorische Provokation“
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    Ich glaube ja nicht, dass dieser nordkoreanische, [...] weiß, was unter Rhetorik zu verstehen ist. Ich glaube eher, dass der Mann (womöglich die ganze Familie) an einer schizoaffektiven bipolaren Psychose leidet, die dringend in einer geschlossenen Abteilung behandelt werden sollte.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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