Nordkoreas Diktator ist wieder einmal verschwunden
Wo ist Kim Jong-Il?

Um Nordkoreas Diktator Kim Jong-Il ranken sich zahlreiche Gerüchte: Einige besagen, dass er schon längst nicht mehr lebt und Doppelgänger den Schein bewahren. Geflüchtete Dissidenten beschreiben ihn als eitlen, paranoiden und ewig Alkohol trinkenden Playboy. Eine Schwäche für Blondinen soll er haben – und für amerikanische Pornos. Jetzt gibt es neuen Stoff für Spekulation.

DÜSSELDORF. Schon das Äußere von Kim Jong-Il ist filmreif. Der etwas dickliche, 1,60 Meter kleine Mann trägt Schuhe mit dicken Gummisohlen und richtet sein Haar mit Gel auf, um größer zu wirken. Seine grauen, blousonartigen Anzüge tragen ebenfalls nicht zu einem ernst zu nehmenden Eindruck bei. Von US-Präsident George W. Bush wurde der Chef des kommunistischen Staates Nordkorea schon einmal als "Pygmäe" verspottet.

Viel ist nicht bekannt über die „Große Sonne der Nation“, wie sein Volk Kim nennen muss. Dafür ranken sich umso mehr Legenden um den Diktator: Alles nur Show, ist er tatsächlich schon lange tot? Sind immer neue Doppelgänger im Einsatz? Oder liegt er seit Monaten schwerkrank im Bett?

Jetzt, zur 60-Jahr-Feier Nordkoreas, wird die Gerüchteküche erneut angeheizt. Kim war am Dienstag nicht bei der pompösen Parade in Pjöngjang erschienen. Nur sein Bildnis trugen die Massen auf riesenhaften, holzgerahmten Tafeln an der der Ehrentribüne vorbei. Doch ER war nicht da. „Der Große Führer“, „der Himmelgeborene“ hatte es vorgezogen, zu Hause zu bleiben.

Südkoreanische und japanische Medien reagierten sofort. Kim Jong-Il habe vermutlich einen Zusammenbruch erlitten, hieß es. „Es ist sicher, dass Kim Jong Il krank ist“, zitierte am Mittwoch die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Regierungsbeamten in Seoul. Es sei aber auch sicher, dass er nicht gestorben sei. Es gebe Informationen über „ungewöhnliche“ Vorgänge in Nordkorea, die auf einen Zusammenbruch Kims hindeuteten, sagte ein anderer Beamter.

Auch die auflagenstärkste südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ zitierte am Dienstag einen Diplomaten aus Südkorea in Peking mit den Worten, Kim sei am 22. August zusammengebrochen. Der 66-jährige Machthaber solle herzkrank sein und an Diabetes leiden. Auch von einem Gehirnschlag war die Rede.

Nordkorea vermutet Verschwörung

Nordkorea ist pikiert, winkt ab - wie erwartet. Der Botschafter für die Wiederherstellung der Beziehungen zu Japan, Song Il Ho, erklärte in der ersten offiziellen Reaktion Nordkoreas, die Medien hätten schon früher Unwahrheiten verbreitet. Ihre Berichte seien wertlos. Die Nummer Zwei in der Machthierarchie des kommunistischen Landes, Kim Yong Nam, ließ verlauten, die Berichte über den angeblich gesundheitlich schwer angeschlagenen Machthaber seien „nicht nur wertlos, sondern Teil einer Verschwörung“.

Es ist nicht das erste Mal, das Kim Jong-Il untertaucht. Zuletzt brachen 2006 wilde Spekulationen los, als er angeblich im gepanzerten Zug zu einer Herz-Operation nach China reiste.

Nordkorea und sein skurriler Machthaber bleiben ein Rästel. Wer ist dieser Mann, der sein Land abschottet wie kein anderer und mit seinem Atomprogramm regelmäßig für Unruhe sorgt?

So beliebt wie sein Vater, der von den Nordkoreaner verklärte Kim Il-Sung, ist er im eigenen Land lange nicht. Es dauerte lange, bis der Sohn aus dem Schatten des Vaters hervortreten durfte. Offiziell wurde Kim Jong-Il 1991 zum Parteichef gewählt und übernahm dann nach und nach das politische Tagesgeschäft von seinem Vater, der drei Jahre später starb. Kim Jong-Il tritt kaum in der Öffentlichkeit auf. Berichte über ihn stammen meist aus südkoreanischern Quellen.

Fasziniert von westlichen Blondinen

Sie stellen Kim als eitlen, paranoiden und ewig Cognac trinkenden Hypochonder dar. Weitere Hobbies des Chefunterdrückers aus Nordkorea: Filme. Der Kino-Fanatiker soll bis zu 20 000 Filmkassetten und -rollen gehortet haben, meist westliche Werke. Um die Qualität der heimischen Produktionen zu verbessern, ließ er angeblich südkoreanische Filmemacher in den Norden verschleppen. 1978 soll er sogar eine Entführung eines bekannten südkoreanischen Regisseurs samt dessen Freundin geplant haben. Am liebsten, so sagt man, widmet er sich aber amerikanischen Pornos, denn er ist fasziniert von westlichen Blondinen.

Privat soll Kim den eitlen Playboy geben. Er ist aber auch Feinschmecker. Auf Reisen in seinem Panzerzug lässt er sich täglich frischen Hummer einfliegen, die er dann mit silbernen Essstäbchen geniesst. Im Übrigen reißt Kim Jong-Il nie mit dem Flugzeug, denn er leidet schrecklich unter Flugangst.

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