Norwegen
Quotenfrauen mischen die Wirtschaft auf

In Norwegen müssen seit Anfang 2008 alle börsennotierten Konzerne mindestens 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen. Gut ein Jahr nach Einführung des Gesetzes, zeigen sich bereits erste Erfolge: Die Unternehmen halten sich an die neue Vorgabe und ihr Engagement geht sogar noch darüber hinaus.

OSLO. Unternehmenschefin, Aufsichtsratsmitglied und Quotenfrau - so beschreibt Elin Karfjell ihre berufliche Situation. Ein Lächeln kann sie sich dabei nicht verkneifen. "Viele meiner Kolleginnen haben Probleme damit, öffentlich zu sagen, dass sie ihre Posten dank der Quote bekommen haben. Ich stehe dazu. Schließlich heißt das nicht, dass ich inkompetent wäre. Im Gegenteil."

Die 44-jährige Norwegerin geht zielstrebig durch die Gänge der Osloer Ölfirma DNO. Die Büros liegen direkt am Hafen. Durch die Fenster sind die kleinen, weißen Jachten zu erkennen. Lange Zeit residierten hier oben in der Chefetage fast nur Männer, aber seit gut eineinhalb Jahren sind in den Aufsichtsrat des Unternehmens zwei Frauen eingezogen. Eine davon ist Elin Karfjell. Sie schüttelt dem CEO die Hand und plaudert mit ihm über das Wetter. Schon vor ihrer Berufung in den Aufsichtsrat war Karfjell als Wirtschaftsprüferin tätig. Sie kennt sich aus in der Männerwelt.

Der Grund für diese neue Frauenpower ist ein Gesetz, das der damalige norwegische Wirtschafsminister Ansgar Gabrielsen 2002 auf den Weg gebracht hat. Damals ließ der konservative Politiker in der größten Tageszeitung des Landes verkünden: Wenn nicht mehr Frauen in die Aufsichtsräte berufen werden, würden die Unternehmen gesetzlich dazu gezwungen.

Seit Anfang 2008 ist das nun Realität: Alle börsennotierten Konzerne müssen seitdem mindestens 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen, sonst dürfen sie in Norwegen nicht weiter agieren. Die deutsche SPD hat die Forderung nach einer solchen Quote ebenfalls in ihr Wahlprogramm geschrieben.

In Norwegen scheint das System ein gutes Jahr nach der Einführung Erfolge zu zeigen: Die Unternehmen halten sich an die neue Vorgabe und das Engagement geht sogar noch darüber hinaus, sagt Marit Hoel. Die Sozialwissenschaftlerin, die selbst eine Consulting-Firma leitet, untersucht seit Jahren die Präsenz von Frauen in der Wirtschaft: "Die Anzahl der Frauen ist seit 2004 auch in den Unternehmen gestiegen, die gar nicht unter die Quote fallen und zwar auf über 30 Prozent. Die Quote hat eine Welle ausgelöst, die sich durch die gesamte Wirtschaft zieht."

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