Notenbank-Geldschwemme
Obama will Aufschwung mit billigem Geld erzwingen

Wundersame Geldvermehrung: Der in Bedrängnis geratene US-Präsident stemmt sich mit Hilfe der Geldpolitik gegen die Krise. Die Notenbank hat bereits 1,75 Billionen Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Am Tag nach der Kongresswahl soll eine weitere Billion folgen.
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DÜSSELDORF. Richard Fisher gilt als loyaler Notenbanker. Doch kürzlich platzte ihm der Kragen. Der texanische Gouverneur der US-Notenbank Fed stellte die Strategie seines Chefs Ben Bernanke öffentlich infrage. „Es ist nicht klar, dass ein ausgedehnter Einsatz der unkonventionellen Geldpolitik effektiv ist“, sagte Fisher.

Die Kritik war für einen Notenbanker ungewöhnlich hart, gefruchtet hat sie nicht. Genau einen Tag nach den Kongresswahlen am kommenden Dienstag wird Bernanke ein neues Hilfspaket verkünden. Wieder wird die Notenbank Staatsanleihen ankaufen, wieder werden einige Hundert Milliarden Dollar zusätzlich in den Geldkreislauf gepumpt. Die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs halten sogar zwei Billionen Dollar für möglich.

„Quantitative Lockerung“ nennen die Experten diese Strategie. Übersetzt heißt das: Die US-Notenbank druckt Geld. Schon auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatte die Notenbank Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 1,75 Billionen Dollar erworben.

Doch weil auch dieser Geldsegen keine neuen Jobs schuf, wächst das Unbehagen in der Bevölkerung. Die Quittung wird US-Präsident Obama an den Wahlurnen bekommen. Jüngste Umfragen sagen seinen Demokraten einen Verlust der absoluten Mehrheit im Repräsentantenhaus voraus. Viele Amerikaner zweifeln an der Strategie Obamas und Bernankes, die Krise mit billigem Geld wegzuschwemmen.

Die Arbeitlosigkeit liegt seit Monaten nur knapp unter der Marke von zehn Prozent – fast doppelt so viel wie vor der Krise. Die Staatsverschuldung hat wegen der milliardenschweren Stützungsprogramme des Präsidenten die Marke von 13,7 Billionen Dollar überschritten. Vor zehn Jahren waren es 5,7 Billionen Dollar.

Wie lange kann Amerika die expansive Geldpolitik noch verkraften? Angesichts eines zweistelligen Staatsdefizits strapazieren die USA schon jetzt die Geduld des internationalen Kapitalmarkts. Der Dollar fällt, das Vertrauen schwindet. „Wenn die Fed jetzt wieder Staatsanleihen kauft, dann ist das ein Verzweiflungsakt“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Interesse an US-Staatsanleihen sinke, und damit die Marktwerte nicht in den Keller rutschen, kaufe die Fed die Papiere selbst.

Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleihefondsverwalters Pimco, warnt angesichts der geplanten Käufe von Staatsanleihen durch die Fed vor einem „Ende des 30 Jahre andauernden Bullen-Markts“ bei Staatsanleihen. Das heißt: Die Kurse der Anleihen werden einbrechen, die Kapitalmarktzinsen schießen in die Höhe. Das könnte teuer werden – nicht nur für die Regierung Obama.

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  • http://www.youtube.com/watch?v=brnuqlQiviU

  • Seit Obama antrat, wurde darauf gewartet, was er gegen die Krise nebst Folgen tun würde. Außer ein paar Keynes`schen Programmen kam von fiskalischer Seite nichts - sie verbrannten und es blieb nichts nach. Dann verließen ihn seine Neo-Keynesianer und nun steht er alleine da - unwissend. bernanke solls richten, kann jedoch außer mehr QE nichts tun, weil die Pfeile verschossen sind. So hält er mit Geldschwemme die Depression auf (geringer) Distanz um den Preis der Deflationierung. Enden kann das nur in einer Katastrophe - und alle wissen es, halten den Mund und hoffen es der GOP nach den Zwischenwahlen in die Schuhe schieben zu können mit dem "Argument" der blockade politischer Entscheidungen und der deswegen still stehenden Fiskalpolitik Obamas. Helfen wird das nicht - nur der schwarze Peter soll geschoben werden. Wer`s dann glaubt.

  • Ja, das möchste:

    Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom badezimmer ist die Zugspitze zu sehn -aber abends zum Kino hast dus nicht weit.
    Das Ganze schlicht, voller bescheidenheit:
    Neun Zimmer - nein, doch lieber zehn! Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn, Radio, Zentralheizung, Vakuum, eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm, eine süße Frau voller Rasse und Verve -(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) -, eine bibliothek und drumherum Einsamkeit und Hummelgesumm.
    im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste, acht Autos, Motorrad - alles lenkste natürlich selber - das wär ja gelacht! Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.
    Ja, und das hab ich ganz vergessen: Prima Küche - erstes Essen - alte Weine aus schönem Pokal - und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal. Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion. Und noch 'ne Million und noch 'ne Million. Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit. Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.

    Ja, das möchste!

    Aber, wie das so ist hienieden: manchmal scheints so, als sei es beschieden nur pöapö, das irdische Glück. immer fehlt dir irgendein Stück. Hast du Geld, dann hast du nicht Käten; hast du die Frau, dann fehln dir Moneten - hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer: bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der becher.

    Etwas ist immer. Tröste dich.

    Jedes Glück hat einen kleinen Stich. Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten. Daß einer alles hat: das ist selten.

    Kurt Tucholsky

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