Notenbank-Vize Viliam Ostrozlik
„So ein Projekt gab es hier noch nicht“

In der Slowakei läuft die Vorbereitung für die Einführung des Euro auf Hochtouren. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Notenbank-Vize Viliam Ostrozlik, wer der Slowakei bei der Vorbereitung geholfen hat und warum das Projekt mit der Währungsreform von 1993 nach der Aufspaltung der Tschechoslowakei nicht zu vergleichen ist.

Handelsblatt: Schlafen Sie noch gut im Moment?

Viliam Ostrozlik: Natürlich ist es eine unruhige Zeit. Aber irgendwie geht es, auch wenn manche Nacht durchaus etwas länger sein dürfte. Das eine oder andere Wochenende hat die Einführung des Euro natürlich auch gekostet. Solch ein Projekt hat es in diesem Land noch nicht gegeben.

Sie sprachen gerade die Größe des Projektes an: Erst 1993 hat es den letzten Wechsel der Währung gegeben, nämlich nach der Aufspaltung der Tschechoslowakei und der Gründung der eigenständigen Slowakei. Also alles nicht so schlimm?

Das stimmt. Aber das Projekt heute ist doch größer und aufwendiger. Bei der Trennung von der Tschechischen Republik hatten wir einen sehr einfachen Wechselkurs, nämlich eins zu eins. Außerdem mussten wir das neue Geld nicht zu einem bestimmten Stichtag wie jetzt zum 1.Januar bereitstellen, sondern hatten über mehrere Monate hinweg Zeit.

Wer hat Ihnen bei der Vorbereitung auf den Euro geholfen?

Viele Länder in Europa, natürlich auch die EZB in Frankfurt. Belgien war beispielsweise auch dabei. Es liegt nahe, mit einer Nationalbank zusammenzuarbeiten, die ein Land ähnlicher Größe versorgen muss. Slowenien stand uns auch zur Seite - fast ein Nachbarland der Slowakei, das nicht allzu weit entfernt ist und erst vor zwei Jahren selbst den Euro eingeführt hat. Und nicht zu vergessen die Österreicher: Die Nationalbank in Wien hat die komplette Versorgung mit den Banknoten übernommen.

Wie ist die Akzeptanz in der Bevölkerung, was die Einführung des neuen Geldes angeht?

Nach den letzten Umfragen sagen 90 Prozent, dass sie ausreichend über den Euro informiert sind. Das ist doch ein guter Wert. Eine große Mehrheit glaubt, dass der Euro mehr Vor- als Nachteile bringt. Und noch ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz in der Zukunft: Mit eins zu dreißig ist der Wechselkurs in der ersten Zeit der Umrechnungen vergleichsweise leicht händelbar.

Und was ist mit den Sorgen, der Euro könnte eine Welle der Preissteigerungen auslösen?

Das hat es ja überall bei der Einführung des neuen Geldes gegeben - auch in Deutschland. Eine unmittelbare Preiskontrolle gibt es in der Slowakei nicht. Aber wir haben andere Instrumente: Schon seit August haben wir verpflichtend eine doppelte Preisauszeichnung in Kronen und in Euro, das schafft Transparenz. Verbraucherorganisationen passen auch sehr gut auf. Bei groben Preiserhöhungen könnten Unternehmen auf eine "Schwarze Liste" gesetzt werden, die natürlich sofort in der Öffentlichkeit wäre. Aber diese Liste ist bislang leer geblieben. Ich denke, dass wir den Menschen damit die Ängste vor zu hohen Preisen genommen haben.

Gibt es ein Stadt-Land-Gefälle, was die Informationen über den Euro angeht?

Natürlich sind die Menschen im Westen und besonders in der Hauptstadt Bratislava besonders gut informiert, weil es nur wenige Kilometer bis nach Österreich sind. Die Menschen dort leben schon seit etlichen Jahren mit dem Euro, sie bekommen diese Währung nun auch als eigenes nationales Zahlungsmittel. Weiter im Osten und auf dem Land sieht das natürlich etwas anders aus. Doch wie ich bereits sagte, 90 Prozent der Slowaken fühlen sich gut über den Euro informiert.

Ist das neue Geld schon überall im Land verteilt?

Weihnachten werden wir fertig sein, und das schaffen wir auch. Die Banknoten zu verteilen, ist auch kein ganz so großes Problem. Die Münzen mit ihrem hohen Gewicht sind da schon eine andere Sache. 188 Millionen Geldscheine mussten wir verteilen, 500 Millionen Münzen. Anfang Dezember haben wir 1,2 Millionen Starter-Sets mit einer Grundausstattung an Münzen verkauft - diese Starter-Sets kennen Sie in Deutschland ja auch noch.

Werden Sie das Geld künftig selbst herstellen?

Die Münzen kommen komplett aus der eigenen staatlichen slowakischen Münze. Beim Papiergeld sieht es anders aus, da ist die Technik viel aufwendiger. Die Erstausstattung kommt aus Österreich, das hatte ich bereits erwähnt. Auch in Zukunft werden wir die Banknoten wahrscheinlich im Ausland drucken lassen.

Das Interview führte Stefan Menzel.

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