Notenbank zieht Notbremse
Island stolpert über Finanzkrise

Dass auf Island seit jeher die Geysire brodeln, ist bekannt. Doch derzeit erschüttern Eruptionen ganz anderer Art den Inselstaat im Atlantik: Die ohnehin überhitzte Wirtschaft reagiert explosiv auf die internationale Finanzkrise. Und weil der Markt eng und wenig liquide ist, musste die Notenbank in Reykjavik jetzt die Notbremse ziehen.

STOCKHOLM. Die isländische Zentralbank erhöhte die Leitzinsen um 1,25 Prozentpunkte auf jetzt stramme 15 Prozent.

Das ist eine schlechte Nachricht für Islands höchst aktive Finanzinvestoren, die zuletzt einen wahren Kreuzzug durch die nordische Bankenszene gestartet hatten. Auslöser für die Zinskorrektur nach oben war der dramatische Fall der isländischen Krone gegenüber Dollar und Euro.

Allein seit Anfang dieses Monats hatte die Währung rund 17 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro eingebüßt. Eine "sehr straffe Geldpolitik" sei deshalb notwendig, teilte die Bank mit. Das Inflationsziel von 2,5 Prozent wurde deutlich verfehlt, im Februar lag die Inflation bei 6,8 Prozent. Der drastische Schritt zeigte zumindest vorübergehenden Wirkung: Die Krone holte gestern gegen den Euro um knapp fünf Prozent auf.

Die Intervention der Zentralbank ist nur ein weiteres Zeichen, dass es um die isländische Wirtschaft zurzeit nicht zum Besten bestellt ist. Seit mehr als einem Jahr erlebt der kleine Inselstaat immer wieder Turbulenzen. Ursachen sind hausgemachte Probleme wie eine seit vielen Jahren negative Handelsbilanz und ein rekord-hohes Zahlungsbilanzdefizit.

Durch die internationale Krise an den Finanzmärkten wurde die Entwicklung noch verschärft. Ausländische Anleger zogen sich aus Angst vor Verlusten aus der isländischen Krone zurück. Der kleine isländische Markt ist nicht sonderlich liquide und reagiert deshalb deutlich stärker als in anderen Ländern auf Krisen. Die rund 300 000 Isländer erwirtschaften ein Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet 13 Mrd. Euro.

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