Notenbanker: Asmussen drängt auf schnelle Hilfe für Zypern

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Asmussen drängt auf schnelle Hilfe für Zypern

Das Rettungsprogramm für die Kriseninsel soll bis Ende März stehen. „Verschleppen geht nicht“, betont EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Auch an die französische Regierung richtet der Notenbanker klare Worte.
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BerlinEZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen drängt bei einer Entscheidung über Rettungshilfen für Zypern zur Eile. „Ich erwarte, dass das Hilfsprogramm für Zypern Ende März steht“, sagte Asmussen dem „Handelsblatt“ (Montagausgabe). Es sei nicht möglich, damit bis nach der Bundestagswahl zu warten. „Damit kein Zweifel aufkommt: Wenn Zypern keine externe Hilfe erhält, rutscht es in die Zahlungsunfähigkeit.“ Asmussen warnte, wenn ein systemrelevantes Land fallengelassen werde, „riskieren wir den Fortschritt, den wir im vergangenen Jahr bei der Bewältigung der Euro-Krise erreicht haben“.

Der Inselstaat leidet unter den Problemen seiner Banken und hat Hilfen in Brüssel beantragt, die sich auf 17,5 Milliarden Euro belaufen dürften. Der Widerstand dagegen ist groß, da das Land vielen als Steueroase gilt. Asmussen dazu: „Ein Hilfsprogramm ist keine Einbahnstraße. Zyperns Regierung wird harte Auflagen erfüllen müssen. Dazu gehört, dass der Bankensektor deutlich verkleinert wird.“

Außerdem forderte Asmussen im Handelsblatt-Interview die französische Regierung auf, die Ziele bei der Haushaltskonsolidierung einzuhalten. „Es ist extrem wichtig, dass Frankreich in diesem Jahr seine Zusage erfüllt, das Defizit bei der Neuverschuldung unter drei Prozent zu senken“, sagte Asmussen.

Er vertraue darauf, dass die Regierung die notwendigen Maßnahmen dafür umsetze. „Und sollten Prognosen darauf hindeuten, dass der Zielwert verfehlt wird, ist es im eigenen Interesse der Regierung in Paris zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen.“

Asmussen betonte, dass Europa ein Interesse an einem wirtschaftlich starken Frankreich habe. „Ich bin froh, dass die französische Regierung die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu ihrem zentralen Thema gemacht hat“, sagte er.

Nach Ansicht des Notenbankers braucht es dafür allerdings kein Wechselkursziel beim Euro, wie die Regierung in Paris es zuletzt ins Spiel gebracht hatte. Im Jahr 1990 habe Frankreichs Exportanteil am Welthandel noch bei 6,5 Prozent, im Jahr 2000 noch bei fünf Prozent und Ende 2012 noch bei 3,3 Prozent. „Der Kern des Problems liegt im Land und nicht beim Wechselkurs“, sagte Asmussen.

„Unsere Grundposition ist unverändert: Wir haben kein Wechselkursziel, Wechselkurse sollen marktbasiert sein“, so Asmussen. Eine solche Debatte dürfe nicht von den notwendigen Reformen ablenken, die die Staaten selber unternehmen müssten. Er glaube nicht, dass das Wechselkursthema entscheidend sei für die Wettbewerbsfähigkeit in Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien. „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Asmussen betonte die Bedeutung der Unabhängigkeit der EZB. „Es ist unbestritten, dass unabhängige Notenbanken besser für Preisstabilität sorgen können – und zwar überall auf dem Globus“, sagte er. „Die Unabhängigkeit einer Notenbank ist ein hohes Gut, das jede Notenbank unbedingt verteidigen muss – egal, ob gerade eine Finanzkrise ist oder nicht.“

Allerdings sei eine Zusammenarbeit mit der Politik deshalb nicht ausgeschlossen. „Die EZB hat zur Bewältigung der Schuldenkrise in Europa ihren Teil im Bereich der Geldpolitik geliefert. Die Politik hat ihrerseits Reformen beschlossen, wie den neuen Fiskalpakt für die Euro-Zone. Beides wirkt zusammen, aber jeder entscheidet das für sich.“

Kommentare zu "Asmussen drängt auf schnelle Hilfe für Zypern"

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  • Dazu passt: "EU will Russland in Zypern zu Milliarden-Verlusten zwingen"

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/11/eu-will-russland-in-zypern-zu-milliarden-verlusten-zwingen/comment-page-1/#comment-88611

  • Da kann sich der Rettungs-Michel mal wieder so richtig austoben. Retten was das Zeug haelt. Klima-Rettung, EURO-Rettung, da ist der Michel in seinem Element. Ueber 80+% der Michels finden das ganz grosse Klasse, deshalb waehlen sie immer wieder die Rettungsparteien von CDUCSUSPDGrueneFDP. Die "Miesmacher" hier im Forum sind klar in der Minderheit, der Michel zum Retten geboren. Alle anderen freuen sich ueber einen nuetzlichen Idioten der sich ohne zu murren immer weiter auspressen laesst und obendrein auch noch meint an allem Unheil in dieser Welt Schuld zu sein. Die Deutschen sind wirklich ein selten daemliches Volk..

  • @Susanne wie lebenswert wird dieses Europa noch für Kinder die ihre Steuern in Deutschland entrichten werden müssen. Ich empfehle jedem sein Kind nach Frankreich zu schicken. Sollen doch die letzten aufrichtigen Deutschen die ganze Welt retten. Ich hoffe ihre Worte waren Zynismus meine waren es nicht. Am Ende darf die Frage gestellt werden. WER RETTET DEUTSCHLAND?

  • @ Neptun, sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Das ganze EU/Euro Konstrukt wurde von französischen und anglo-amerikanischen Anwaltskanzleien ersonnen um Deutschland endlich den wirtschaftlichen Todesstoss zu geben. Nicht umsonst gibt es im Englischen den Begriff des zweiten Dreissigjährigen Krieges.
    Das Szenario wird wie im 1 und 2 WK enden. DEUTSCHLAND ist ALLEINE schuldig an dem Zerbrechen der EU, so soll das Ziel sein, zu lesen im Geschichtsbüchern 2030. Das Deutschland, dann per Target2 auf fast 800 Milliarden Schulden von Griechenland und Co. sitzen bleibt ist doch genial eingefädelt. Dazu wird dann noch ein ewiger Schuldanspruch in unbegrenzter Höhe an Deutschland von allen EU Staaten erhoben - analog dem Versailer Vertrag. Das unsere verantwortlichen Politiker aus reiner Machtgeilheit Kohl/Merkel und auch Gas Gerd, mit sehenden Auges die Deutsche Bevölkerung existenziell vernichtet ist für mich tödlicher Vaterlandsverrat!.

    Ich kann es nicht fassen, das kein Mensch hier mehr auf die Strasse geht, lieber wird für freie Studiengebühren demonstriert als gegen den EUro Terror oder gegen den ESM. Wir sind alle prima konditioniert.

    Jedes noch so kleine Aufmucken von Schäuble und Merkel wird sofort mit systemrelevant und den Einsturz der Eurozone niedergedrückt. Der Euro ist aber nur eine verschi... Währung mehr nicht! Wir müssen es wagen, es ist schon zuviel Recht gebrochen worden. Back to EWG!!!

  • Ist doch gar nicht unwahrscheinlich dass Deutschland Frankreich einmal wird retten müssen. Warum auch nicht? Deutschland hat die Kraft dazu. Man muss lernen in längeren Zeiträumen zu denken als in Monaten oder Jahren. Wir wollen unseren Kindern doch ein lebenswertes Europa hinterlassen?

  • Wer Hilfe braucht und inzwischen ''too big to save''
    geworden ist, das dürfte die EZB sein, so daß der Auf-
    ruf eines Herrn Asmussen nur noch als Ablenkungsma-
    növer verstanden werden kann, da der monatliche Kapital-
    aufwand der EZB über ELA - OTM - LTRO - TargetII ect. für
    die PIIGS+F und jetzt auch noch für Zypern der EZB
    über den Kopf gewachsen sein dürfte und von den freien
    Kapitalmärkten nicht mehr toleriert werden wird!
    Jedes Schneeballsystem hat einmal einen Frühling!

  • Der feine Herr Asmussen soll sich zuerst einmal Gedanken machen
    - wie die Investoren dazu beitragen können, eine Pleite von Zypern zu verhindern
    - wie Zypern dazu gebracht werden kann, nicht mehr Hort von Schwarzgeld und Geldwäsche zu sein
    Dann könnte man ja evtl. ins Auge fassen, Zypern beizuspringen - aber auch wirklich erst dann.

  • @ sons_of_liberty
    "Warum wird der Asmussen eigentlich nicht geteert und gefedert?" http://www.youtube.com/watch?v=ht3ZFKvKkqI

    Dank für den Link.

  • Dalli, dalli Herr Asmussen Sie haben total Recht, denn nach Zypern müssen wir ja auch Frankreich retten. Danach GB, und vielleicht die Rettungswut gen Osten wenden. Ungf. der gleiche Grössenwahn wie '39, nur etwas sanfter, aber der Deutsche wird wohl noch einige Generationen lang für seine cleveren 'Politiker' und 'Banker' blechen müssen. Wir betrachten das ja inzwischen als unsere 'Pflicht'. Gehört also zum 'Deutschsein'.

  • Systemrelevant wäre Herrn Asmussen (und einige andere) von seinem Posten umgehend zu entbinden und einen kompetenten, soliden Staatsmann auf die Stelle zu setzten, der Deutsche (zuvorderst) und zugleich auch Europäische Interessen sinnvoll, mit Intilligenz, Anstand und Stil vertritt. Ich sehe keinen - und die hiesige Bevölkerung wählt wieder vermehrt SPD (Niedersachsen), damit noch mehr umverteilt wird und geht im eigenen Neidwahnsinn unter. Einfach lächerlich: Steuern in D zu erhöhen, damit in einer entlegenen Ecke Europas Schwarzgeld gesichert wird. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, wie man hier verschaukelt wird.

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