Notoperationen
Mit Steuergeldern aus der Misere

Japans große Bankenkrise dauerte die gesamten 90er-Jahre über an. Sie begann sich erst Anfang des Jahrtausends aufzulösen, als die Regierung mit strengeren Gesetzen und kräftigen Kapitalzuschüssen nachhalf. Bis 2006 war ein Berg von ursprünglich 40 Bill. Yen (260 Mrd. Euro) an faulen Krediten abgebaut und die Branche weitgehend konsolidiert.

TOKIO. Inzwischen haben so gut wie alle Institute die Staatsmittel sogar wieder zurückgezahlt.

Nach einer Immobilienblase Ende der 80er-Jahre brannte es in Japans Finanzbranche an allen Ecken. Die Banken hatten allzu großzügig Kredite für zum Teil hochriskante Spekulationsgeschäfte vergeben. All diesen Risikogeschäften war gemeinsam, dass die Institute Grundbesitz als Sicherheit akzeptierten. Nach dem Platzen der Blase sanken die Immobilienpreise auf ein Drittel des ursprünglichen Wertes. Die Unternehmen hatten kein Geld mehr, und die Sicherheiten waren nichts mehr wert: Knapp neun Prozent der Kredite wurden uneinbringlich.

In den folgenden zehn Jahren hoffte die Regierung auf eine Selbstheilung des Finanzsektors. Nachträglich gilt das als Fehler. Die Banken vergaben bis Mitte der 90er- Jahre weiter problematische Kredite und rutschten selbst große Institute immer tiefer in die Misere. Positive Folge: In einer Reihe von Fusionen konsolidierte die Branche.

Ende der 90er-Jahre änderte der Staat seine Strategie. Er nahm die Banken an die kurze Leine und setzte neue Eigenkapitalregeln und strengere Standards für die Risikobewertung durch. 1998 zahlte die Regierung noch insgesamt 1,8 Bill. Yen (10 Mrd. Euro) direkt an notleidende Institute - was verpuffte. Dann gründete sie mit der "Resolution and Collection Corporation" (RCC) eine Institution, die faule Kredite aufkaufte und Banken auf dem Weg zur Gesundung unter die Arme griff. Die RCC erwarb Anteilsscheine an den Banken, die diese zwischen 2004 und heute wieder zurückkauften.

Als Wendepunkt gilt 2002 der Beschluss des damaligen Premiers Junichiro Koizumi, den Reformexperten Heizo Takenaka zum Chef der Financial Services Agency (FSA) zu machen. Takenaka trieb die Rekapitalisierung des Finanzsektors mit Steuergeldern voran. Von den Banken forderte die Regierung klare Reformen und echte Transparenz.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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