Notpaket
Russlands Regierung stoppt den Finanzkrach

Moskau spannt die politischen und finanziellen Kräfte an, um die Finanzkrise einzugrenzen und das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Russlands Ministerspräsident Wladimir Putin versprach den Anlegern zukünftig ein gutes Klima; Staatspräsident Dimitrij Medwedjew gab seinerseits grünes Licht, weitere Abgaben zu senken.

MOSKAU. „Es ist in Russlands Interesse, Investoren anzuziehen“, sagte Premier Wladimir Putin im südrussischen Sotschi. Sein Land habe kein Interesse an einer Konfrontation mit den USA, sagte er vor internationalen Bank- und Unternehmenschefs, darunter Shell-Chef Jeroen van der Veer und Deutsche Bank-Chef Josef Ackerman.

Am Donnerstag hatte Präsident Dmitrij Medwedjew ein Notpaket geschnürt, dass mehr als 60 Mrd. Dollar für den Finanzsektor sowie Steuersenkungen für die Ölindustrie vorsieht. Daraufhin beendeten die Börsen ihre Talfahrt und schossen um mehr als 20 Prozent nach oben.

Allerdings leidet Russland derzeit nicht nur unter der internationalen Finanzkrise. Auch der Georgienkrieg, das Vorgehen gegen Konzerne wie TNK-BP oder Mechel sowie der Fall des Ölpreises hatten das Vertrauen vieler Investoren erschüttert.

Allein seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten im Kaukasus zogen Investoren rund 35 Mrd. Dollar ab, die Börsen in Moskau erlebten ihren tiefsten Sturz seit der Finanzkrise 1998. Seit den Höchstständen im Sommer hatten die beiden Indizes, der in Dollar notierte RTS sowie der in Rubel handelnde Micex, bis Ende vergangener Woche mehr als 50 Prozent eingebüßt. Die russische Finanzaufsicht musste den Handel für zwei Tage unterbrechen. Am Freitag wurde der Handel erneut unterbrochen – diesmal aber, weil die Kurse in den Himmel schossen.

Für die Rallye machen Beobachter nicht nur die Maßnahmen der eigenen Regierung verantwortlich: Weltweit reagierten die Börsen erleichtert auf die Stützungsaktionen in den USA sowie der großen Zentralbanken. Aktien von russischen Unternehmen wie Gazprom oder der Sberbank, die profitabel und gut aufgestellt sind, waren in Folge des Börsenabsturzes so billig wie seit langem nicht mehr. Ob der Aufschwung an den Märkten am heutigen Montag weitergeht, mag in Moskau aber niemand vorhersagen. Der Schock nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen steckt den Fondsmanagern noch zu sehr in den Knochen.

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