„Nowaja Gaseta“
Druckausgabe von kremlkritischer Zeitung bedroht

Die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ wird vermutlich ab Mai ihre Druckausgabe einstellen. Als Gründe dafür nannte Chefredakteur Dimitri Muratow den Schrumpfenden Anzeigenmarkt – und politische Motive.
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MoskauDie auch in Deutschland vertriebene kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ muss aus Geldnot Anfang Mai vermutlich ihre Druckausgabe einstellen. „Es wird in zwei Monaten wohl unmöglich sein, die Zeitung in ihrer jetzigen Form herauszugeben“, teilte Chefredakteur Dmitri Muratow in Moskau mit. Als Gründe nannte er etwa das Schrumpfen des Anzeigenmarktes und die wirtschaftliche Lage des Aktionärs. In Russland seien aber „wirtschaftliche Fragen nicht von politischen Fragen zu trennen“, meinte Muratow. Die Zeitung könne nicht mit den staatlich subventionierten Medien konkurrieren.

Die auch von Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow herausgegebene „Nowaja Gaseta“ gilt als wichtige und unabhängige Stimme in einer vom Kreml gelenkten Presselandschaft. Seit der Gründung 1993 mussten zahlreiche Mitarbeiter für ihre Recherchen mit dem Leben bezahlen. Unter ihnen ist auch die Reporterin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober 2006 in Moskau erschossen wurde.

Die „Nowaja Gaseta“ sieht sich in Russland immer wieder behördlichem Druck ausgesetzt. Während das Blatt für seine kritische Distanz zur Macht im Ausland mit Preisen überhäuft wird, findet es in der russischen Öffentlichkeit vergleichsweise wenig Beachtung. Offiziell wird eine Auflage von etwa 250 000 Exemplaren genannt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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