NS-Opfer
Polen prüft Klage gegen Deutschland

Das Oberste Gericht in Polen soll die Entschädigungsklage eines polnischen NS-Opfers gegen Deutschland prüfen. In dem Fall geht es um Winicjusz Natoniewski, der von Deutschland umgerechnet 238 000 Euro verlangt, weil er durch eine Militäraktion der Nazis schwere Verbrennungen erlitt. Noch ist allerdings nicht abschließend geklärt, ob es wirklich zu der Klage kommen wird.
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HB WARSCHAU. Die Richter hätten den Fall für eine "wesentliche Rechtsfrage" befunden, sagte Gerichtssprecherin Teresa Pyzlak am Dienstag in Warschau auf Anfrage. Sie bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung "Polska", wonach das Oberste Gericht vor einer Woche eine Klage von Winicjusz Natoniewski zur Prüfung angenommen hat. Das sei aber noch keine Entscheidung in der Sache, betonte die Sprecherin. Der Termin der Verhandlung wurde noch nicht festgelegt. Gerichte niederer Instanzen hatten sich zuvor als nicht zuständig erklärt.

Natoniewski fordert von Deutschland eine Entschädigung von einer Million Zloty (rund 238 000 Euro). Der heute 71-Jährige hatte im Februar 1944 während einer Aktion deutscher Polizei- und SS-Kräfte, bei der sein Dorf Szczecyn in Südosten Polens niedergebrannt worden war, schwere Verbrennungen erlitten. Sein Gesicht wurde durch Brandnarben für immer entstellt.

Laut "Polska" stellt die Entscheidung der Richter einen "Durchbruch" bei den Bemühungen polnischer NS-Opfer um eine Wiedergutmachung dar. Bisher wiesen die Gerichte in Polen solche Klagen ohne Prüfung wegen Immunität der Staaten ab. Der polnische Völkerrechtler Mariusz Muszynski sagte der Zeitung: "Ein Staat, der Verbrechen begangen hat, sollte sich nicht hinter Immunität verstecken." Er verwies auf ähnliche Rechtsfälle in Italien.

Die Zwangsarbeiterstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" hatte in den vergangenen Jahren rund 4,48 Mrd. Euro an insgesamt 1,7 Mio. NS-Opfer gezahlt, darunter 500 000 Geschädigte aus Polen. Weil Natoniewski nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden war, konnte er diese Finanzhilfe nicht in Anspruch nehmen.

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  • ich dachte immer das Handelsblatt wäre eine seriöse Zeitung!? Wer von der Redaktion läßt solche Kommentare wie die von Tom zu? Unglaublich!

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