NS-Verbrechen
Demjanjuk kann nun doch ausgeliefert werden

Der Weg für die Auslieferung des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk ist zumindest vorerst wieder frei. Die Entscheidung eines Richters, der die Abschiebung nach Deutschland vorläufig ausgesetzt hatte, wurde aufgehoben. Allerdings könnten die Anwälte Demjanjuks noch eine Verlängerung des Abschiebestopps beantragen.

HB WASHINGTON/MÜNCHEN. Ein Einwanderungsrichter im US-Staat Virginia hob am Montag den vergangene Woche verhängten Abschiebestopp zum 8. April wieder auf. Demnach könnte der 89-Jährige frühestens von diesem Mittwoch an den Weg nach Deutschland antreten, hieß es aus dem US-Justizministerium. Allerdings könnten bis dahin die Anwälte Demjanjuks auch eine Verlängerung des Abschiebestopps beantragen.

Der Jüdische Weltkongress begrüßte die Entscheidung des US- Gerichts in Arlington. „Staaten haben eine Verpflichtung, Massenmörder und ihre Komplizen der Justiz zuzuführen“, teilte der Präsident der Organisation, Ronald Lauder mit. „Es gibt keine Entschuldigungen für weitere Verzögerungen in dem Fall.“ Dem 89- Jährigen wird Beihilfe zum Mord an 29 000 Juden vorgeworfen.

Demjanjuks Anwalt in den USA hatte am Donnerstag einen Eilantrag bei dem Gericht in Virginia gestellt, in dem es hieß, eine Ausweisung komme für den gebrechlichen Demjanjuk einer Folter gleich. Der Richter in Arlington habe in seiner Entscheidung ausdrücklich auf den verschlechterten Gesundheitszustand Demjanjuks verwiesen, sagte Anwalt John Broadley nach Angaben von US-Medien.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in München hat Demjanjuks deutscher Anwalt die Untersuchung seines Mandanten durch einen deutschen Amtsarzt verlangt. Es liege ein entsprechender Antrag von Verteidiger Jürgen Maull vor, den Arzt des Landgerichts München II in die USA zu schicken. Der Arzt solle Demjanjuk dahingehend begutachten, ob er überhaupt reise- und verhandlungsfähig ist.

Demjanjuk lebt derzeit als Staatenloser in Cleveland im US- Bundesstaat Ohio. Ursprünglich war bereits am Montag mit seiner Abschiebung gerechnet worden. Das Amtsgericht München hatte gegen Demjanjuk Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Ukrainer vor, als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29 000 Juden geleistet haben.

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