NSA-Affäre in Frankreich
„Diese Enthüllungen machen Angst“

Die NSA hat Frankreichs Präsident ausgespäht – und auch Gespräche über Kanzlerin Merkel belauscht. Paris ist empört und nennt das Vorgehen „inakzeptabel“. Die Regierung spricht von einer „schwerwiegenden Krise“.
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ParisFrankreich ist empört seitdem bekannt wurde, dass mehrere französische Präsidenten, darunter François Hollande, vom US-Geheimdienst NSA abgehört wurden. Hollande hatte nach den Berichten von Wikileaks, Mediapart und Libération schnell reagiert – und für morgens um 9 Uhr ein Krisentreffen seines Verteidigungsrates einberufen. Der Verteidigungsrat sollte „zweckdienliche Schlussfolgerungen“ ziehen. An dem Verteidigungsrat nahmen unter anderem der Präsident, der Premierminister, der Außen-, Verteidigungs- und Innenminister teil, sowie Vertreter des Geheimdienstes.

Der Rat nannte die Abhörpraktiken „inakzeptabel“. Hollande kündigte außerdem an, gegen Mittag eine Delegation der Parlamentarier im Elyséepalast zu empfangen, um über das Thema zu beraten. „Frankreich toleriert keine Handlungen, die die Sicherheit des Landes in Frage stellen“, hieß es aus dem Elyséepalast. Die US-Botschafterin in Paris, Jane D. Hartley, wurde im Außenministerium vorgeladen.

Die sozialistische Partei kritisierte die mutmaßlichen NSA-Methoden als nicht tolerierbar. Regierungssprecher Stéphane Le Foll betonte im Fernsehsender iTélé: „Es ist inakzeptabel von unseren Verbündeten.“ Anne Hidalgo, sozialistische Bürgermeisterin von Paris, erklärte: „Es ist eine schwerwiegende Affäre, es sind unsere Verbündeten, unsere Freunde. Diese Enthüllungen machen Angst und verlangen nach einer Erklärung der USA und Garantien, dass es heute nicht mehr der Fall ist.“

Auch die Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und Jacques Chirac sollen ausspioniert worden sein. Abhört wurde mindestens von 2006 bis 2012, im Mai 2012 löste Hollande Sarkozy ab. Mittlerweile hat das Weiße Haus erklärt, dass Hollande nicht ausspioniert wird, sagte aber nichts über die Vergangenheit.

Einige Enthüllungen zeigen, dass Hollande zu Beginn seiner Amtszeit über einen möglichen Grexit beunruhigt war und Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer harten Haltung zu Griechenland kritisierte. Pikant: Hollande soll nach seinem Amtsantritt von Merkel den Eindruck gewonnen haben, dass die Kanzlerin Griechenland „fallengelassen“ habe und „sich nicht mehr bewegen wird“. Dass habe Hollande „sehr beunruhigt“.

Während Hollande sich heute noch ziemlich zurückhielt, redeten die anderen Parteien schon Klartext. Ein Berater von Sarkozy erklärte, der frühere Präsident betrachte die Methoden als „generell inakzeptabel“, besonders, wenn es sich um einen politischen Verbündeten handele. Michèle Alliot-Marie, Außenministerin unter Sarkozy, gab sich realistisch: „Wir wissen seit langem, dass die USA die technischen Mittel haben, um uns abzuhören. Wir sind nicht naiv.“

Kommentare zu " NSA-Affäre in Frankreich: „Diese Enthüllungen machen Angst“"

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  • „Diese Enthüllungen machen Angst“

    Ach?!

  • Spionage wird doch von allen betrieben. Aber die AMIS haben wieviele Geheimdienste ?? Diese Drecksbande aus Nordamerika will die Welt beherrschen und wir machen den Bückling. Peinlich , charakterlos, rückgratlos unsere Politiker, allen voran diese verlogene Frau Merkel!!
    "... wir haben die sichersten Kraftwerke der Welt"... Fukuchima (richtig geschrieben ?) wird vorgeschoben und schwupps...
    "... unter meiner Regierung ... keine Autobahngebühr".... und nu? Könnte man noch fortführen...

  • wenn die Informationen des Abhörens bei der NSA bleiben habe ich kein Problem aber wenn diese Informationen weitergegeben worden sind dann Gute Nacht.
    Also wenn ich immer vorab gewußt hätte welche Maßnahmen in Bezug auf die Euro-Krise getroffen werden dann wäre ich jetzt Multi Millionär.
    Ich habe schwere Bedenken ob nicht mit diesen Informationen gearbeitet wurde wenn ich die gigantischen Gewinne von Großbanken in Amerika mit den mickrigen in Europa vergleiche.

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