Nukleare Sicherheit
Nordkoreas Raketenpläne überschatten Atomgipfel

Nordkoreas Ankündigung, Mitte kommenden Monats mit einer Langstreckenrakete einen Satelliten ins All zu bringen, verärgert nicht nur die USA und Südkorea. Auch Westerwelle spricht von einem „provokativen Schritt“.
  • 0

SeoulNordkoreas Raketenpläne überschatten den Atomgipfel in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Die USA sehen die Ankündigung Pjöngjangs, Mitte kommenden Monats mit einer Langstreckenrakete einen Satelliten ins All zu bringen, als Versuch, atomwaffenfähige, ballistische Raketen weiterzuentwickeln. Die südkoreanische Regierung teilte mit, sie erwäge, die nordkoreanische Rakete abzuschießen, sollte sie ihren Luftraum verletzen. Außenminister Guido Westerwelle kritisierte den Vorstoß Pjöngjangs als nicht hinnehmbare Provokation.

Trotz internationaler Kritik setzt Nordkorea die Vorbereitung seines umstrittenen Raketenstarts fort. Vor dem für April geplanten Abschuss wurde nach südkoreanischen Angaben eine Langstreckenrakete zu einer Abschussrampe im Nordwesten des Landes gebracht. Der Vorstoß beherrschte am Montag die Gespräche am Rande des Atomgipfels in Seoul. Zu dem Treffen sind Vertreter von mehr als 50 Ländern angereist, überwiegend Staats- und Regierungschefs.

US-Präsident Barack Obama appellierte bei seinem Besuch in Seoul an die nordkoreanische Führung, „den Mut zum Frieden zu haben“. Gemeinsam mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak forderte er China als wichtigsten Verbündeten Pjöngjangs auf, Druck auszuüben, um den Raketenstart zu verhindern. Obama erklärte, die Führung um Kim Jong Un setze mit ihrem Vorhaben US-Zusagen für Lebensmittellieferungen aufs Spiel. Diese wurden als Gegenleistung für ein Atom- und Raketentest-Moratorium in Aussicht gestellt.

Auch Westerwelle kritisierte die Ankündigung aus Nordkorea scharf. Pjöngjang verstoße damit gegen die internationalen Vereinbarungen, sagte der FDP-Politiker nach einem Treffen mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Kim Sung Hwan in Seoul. Das sei ein „provokativer Schritt“, der nicht hinzunehmen sei. Westerwelle vertritt Bundeskanzlerin Angela Merkel bei dem Gipfeltreffen.

Die Zusammenkunft begann am Montag mit einer offiziellen Begrüßung und einem Arbeitsessen der Gipfelteilnehmer. Haupttag der Beratungen ist Dienstag. Die Staats- und Regierungschefs diskutieren bei dem Treffen über Wege, um Nuklearmaterial besser zu schützen und zu verhindern, dass damit Schmuggel betrieben wird und es in die Hände von Kriminellen oder Terroristen gerät.

Bei nuklearer Sicherheit gehe es nicht nur um Atomwaffen, sondern auch um zivil genutzte Strahlenquellen, betonte Westerwelle. Auch diese Quellen, etwa in der Medizintechnik, müssten besser gesichert und das radioaktive Material registriert werden. Deutschland wolle dabei mit seinem Wissen und Know-how helfen.

Die Bundesregierung hat dazu ein Papier in die Gipfelverhandlungen eingebracht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd ist der deutsche Vorstoß in den bisherigen Entwurf für das Abschlussdokument des Gipfels aufgenommen worden.

Darin wird auch der Ort für den nächsten Atomgipfel genannt: Demnach sollen die Niederlande Gastgeber für das Folgetreffen 2014 sein. Den ersten Gipfel hatten die USA 2010 in Washington ausgerichtet. Die Initiative dafür war von Obama gekommen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nukleare Sicherheit: Nordkoreas Raketenpläne überschatten Atomgipfel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%