Nukleare Zusammenarbeit
Indiens Premier setzt Atompakt mit USA durch

Der geplante Nuklear-Vertrag zwischen Indien und den USA sorgt für Konflikte in der indischen Regierung. Offenbar ist Premier Singh sogar bereit, einen Bruch seiner Koalition in Kauf zu nehmen. Potentielle Lieferanten reiben sich schon die Hände.

NEU DELHI. Indiens Premier Manmohan Singh drückt das umstrittene Atomabkommen mit den USA durch und nimmt dafür auch den Bruch seiner bisherigen Regierungskoalition in Kauf. Bei seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush beim G8-Gipfel will der Premier den Vertrag endgültig bestätigen. "Sehr bald" werde gehandelt, versprach Singh auf dem Weg nach Japan. In Indien will er den Pakt nun mit neuen politischen Partnern verabschieden.

Beim G8-Gipfel wird Singh auch um die Unterstützung Chinas und noch unentschlossener westlicher Staaten werben. Frankreich, Russland, Großbritannien und Australien stehen bereits fest hinter dem Plan, der ihrer Nuklear-Industrie einen neuen großen Absatzmarkt eröffnet. Das 2005 ausgehandelte Abkommen wertet Indien geostrategisch auf und sichert dem Land Uran-Lieferungen. Es erschließt ihm zusätzliche Energiequellen und verspricht westlichen Firmen Aufträge in Milliarden-Höhe.

Doch bislang hatte das Prestigeprojekt auf Eis gelegen - weil Singh immer wieder Rücksicht auf seinen kommunistischen Koalitionspartner nahm. Am Montag kündigte Singh die formelle Einschaltung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) an und überschritt damit eine rote Linie. Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten), Prakash Karat, kündigte für heute den formellen Rückzug der Linkspolitiker aus dem zwölf Parteien umfassenden Bündnis an. Die Kommunisten kritisieren, dass der Vertrag die unabhängige Außenpolitik Indiens untergraben und das Land zum Handlanger des "US-Imperialismus" machen würde.

Westliche Diplomaten loben den Pakt dagegen als "Meilenstein von globaler Tragweite". Damit rücke der aufstrebende asiatische Riese diplomatisch und wirtschaftlich näher an den Westen, aber ohne seine strategische Unabhängigkeit zu kompromittieren. Der Pakt gibt Indien Zugang zu ziviler Atomtechnik, ohne es auf das Nicht-Verbreitungs-Abkommen zu verpflichten. Das kommt einer impliziten Anerkennung als Atommacht gleich. Der renommierte indische Politologe Raja Mohan wertet Singhs späte Entschlossenheit zur Umsetzung des Deals als "Demonstration politischen Muts", die Indiens Willen zur Macht unterstreiche. Allerdings habe das lange Zögern dem internationalen Image seines Landes als werdende Großmacht geschadet.

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