Nuklearkonflikt
Bericht: Iran plant Atomtestgelände

Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Der Iran soll nach Informationen der „Washington Post“ Pläne für ein unterirdisches Atomtestgelände angefertigt haben. Sollte sich der Bericht bestätigen, bedeutet dies eine weitere Verschärfung des Nuklearkonflikts.

HB WASHINGTON. Die Zeichnungen zeigten einen rund 400 Meter langen Tunnel, in dem mit ferngesteuerten Sensoren Hitze und Druck gemessen werden könnten, schreibt das Blatt unter Berufung auf Experten. Die als geheim eingestuften Dokumente befänden sich seit 20 Monaten in den Händen des US-Geheimdienstes.

US-Beamte bewerteten die Zeichnungen der bislang ungebauten Anlage zumindest als Bestreben Irans, Kernwaffen zu testen, schreibt das Blatt. Nach Einschätzung der Geheimdienste der USA und der Verbündeten werde es noch ein Jahrzehnt dauern, bis Iran den Status einer Atommacht erreicht.

Zuvor hatte US-Vizepräsident Dick Cheney erklärt, die USA hielten sich im Atomstreit alle Möglichkeiten offen. Cheney sagte am Dienstag dem US-Sender PBS, die USA versuchten weiter mit diplomatischen Mitteln, den Konflikt beizulegen. Doch alle Optionen blieben auf dem Tisch, auch militärische, fügte Cheney hinzu. Dass der Iran ein russisches Angebot ausgeschlagen habe, außer Landes auf russischem Boden Uran anreichern zu lassen, sei bezeichnend. „Da scheint es keinen Zweifel zu geben, was sie im Schilde führen“, fügte Cheney hinzu. Der Stellvertreter von US-Präsident George W. Bush gilt als Verfechter einer harten Linie in der US-Regierung und als einer der Chefplaner des US-geführten Irak-Feldzuges.

Auch die deutsche Regierung bemüht sich um eine diplomatische Lösung. Die Linkspartei warnt jedoch bereits vor einer wachsenden Kriegsgefahr. „Beide Seiten befinden sich in einer Eskalationslogik hin zum Krieg“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Ulrich Maurer. „Der Streit um die Karikaturen ist der Anlass. Die Ursache ist eine andere.“

Es gehe um die gerechte Entscheidung der Palästinenser-Frage, das Existenzrecht Israels, um Sicherheitsgarantien für Iran und um Öl. Nur wenn diese Probleme gelöst würden, sei die „gefühlte Demütigung in der Region“ zu beseitigen, sagte Maurer. Ansonsten könne ein Flächenbrand entstehen. Eine der entscheidenden Fragen sei, ob der Westen bereit sei, auch Iran eine Nicht-Angriffs-Garantie zu geben.

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