Nukleartechnik und nachhaltige Entwicklung: Wie friedlich das iranische Atomprogramm ist

Nukleartechnik und nachhaltige Entwicklung
Wie friedlich das iranische Atomprogramm ist

Es war wirklich nicht einfach, nach Teheran zu kommen: Der lange teure Flug, die Rennerei wegen des Visums, doch jetzt ist Joseph Cirincione, einer der Direktoren am Carnegie Endowment for International Peace richtig froh, dass er den Weg von der amerikanischen in die iranische Hauptstadt gemacht hat.

HB TEHERAN. Das wichtigste politische Institut des Iran, das Center for Strategic Research, hat zu einer Konferenz geladen. Es geht um das derzeit international wohl brisanteste Thema - in leichter Verpackung: „Nukleartechnik und nachhaltige Entwicklung“ haben die Organisatoren die Veranstaltung getauft. Doch dahinter steht die offene Frage – wie friedlich ist das iranische Atomprogramm?

Ciricione weiß das auch nicht. Gerade hat er eine Podiumsdiskussion hinter sich gebracht zur Frage: „Die Politik der großen Mächte und die internationalen Nuklearverträge“. Amerika kam nicht wirklich gut dabei weg. Die Leitung hatte Sirus Nasseri, ein geschliffener Diplomat aus dem iranischen Außenministerium. Kurz vorher hat Hassan Rohani, der iranische Chefunterhändler in der Atomfrage mit den Delegierten diskutiert. Am Nachmittag werden Top-Wissenschaftler der Atombehörde Irans die Konferenzteilnehmer auf den letzten Stand des umstrittenen Nuklearprogramms bringen.

„Das ist die bisher beste Gelegenheit, mit den Verantwortlichen auf der iranischen Seite ins Gespräch zu kommen“, sagt der amerikanische Wissenschaftler begeistert. Nach den Wahlen im Irak und den palästinensischen Gebieten, nach den Protesten der Libanesen gegen die syrische Truppenpräsenz ist Cirincione überzeugt, dass auch in den Fall Iran Bewegung kommen kann. Diplomatisch selbstverständlich. Er steht im Vorraum des mit Blumen und den allgegenwärtigen Khomeini-Portraits geschmückten Tagungssaals und muss wieder einem iranischen Journalisten ein Interview geben über seine Sicht des Atomkonflikts.

Schwierigkeiten der Regierung mit Sorge registriert

Hochrangige US-Experten sind rar in Teheran. Keine Zeit für Tee und Kuchen. Nachdem Fernsehen will auch noch das Radio an ihn ran und dann wartet eine Reihe von Kollegen aus der schreibenden Zunft. Er nimmt sich für sie alle Zeit.

Mit der Konferenz gehen die Iraner zu einem entscheidenden Zeitpunkt in den Verhandlungen mit den Europäern in eine Informationsoffensive: Die Welt soll sehen, dass ihr Atomprogramm friedlich ist, dass der Iran den nuklearen Strom braucht, um seinen rasant steigenden Energiebedarf zu decken. Über Powerpointfolien wandern Zahlenkolonnen: Irans Strombedarf wachse im Jahr um 8,5 Prozent, führt Asadullah Sabouri von der iranischen Atombehörde aus. Selbst ein so rohstoffreiches Land wie der Iran schaffe es nicht, diese Nachfrage mit fossilen Brennstoffen zu decken. Er rechnet vor, dass der Iran im Jahr 2021 nur um die Stromversorgung am Laufen zu halten, täglich ein Millionen Barrel Öl bräuchte – das ist rund ein Viertel der aktuellen Tagesproduktion des zweitgrößten Ölförderers der Opec.

Tatsache ist: Die Bevölkerung hat mit Sorge die Schwierigkeiten ihrer Regierung registriert, in diesem extrem kalten und schneereichen Winter die Energieversorgung aufrecht zu halten. Auch heiße Sommer können bisweilen eine Qual sein – wenn in der 15 Millionen Metropole Teheran ganze Stadtteile vom Netz gehen müssen. Die Infrastruktur ist veraltet, seit der Revolution vor einem Vierteljahrhundert hat sich die Bevölkerung mehr als verdoppelt, die Wirtschaft wächst kräftig. Das Nuklearprogramm ist nicht nur ein Symbol des nationalen Stolzes, des Fortschritts, die iranischen Experten sehen darin die Patentlösung für die Energieprobleme des Landes. Kritiker weisen aber darauf hin, dass der sonnenreiche Iran auch die Möglichkeiten alternativer Energien noch nicht ausgelotet habe.

Lesen Sie auf Seite 2: Geschickte Gegenpropaganda

Seite 1:

Wie friedlich das iranische Atomprogramm ist

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%