Michal Harel kann den Wertewandel bestätigen. Die 22-Jährige kümmerte sich bei der Armee als Sozialarbeiterin um Soldaten: „Unsere Generation fühlt sich dem Staat wohl nicht mehr so verbunden wie frühere. Vielleicht liegt es daran, dass der Zionismus als treibende gesellschaftliche Kraft für uns einfach nicht mehr die Bedeutung hat wie für die Gründergeneration.“ Die Statistik unterstreicht das: 26 Prozent eines Jahrgangs werden laut Armee nicht mehr eingezogen. Vor weniger als zehn Jahren waren es 17 Prozent. 2007 wurden so wenig Rekruten wie seit Jahren nicht mehr eingezogen.
Aber es gibt noch andere Zahlen, die Israels Offizieren Sorge bereiten. Knapp 20 Prozent der Rekruten beenden ihren Wehrdienst vorzeitig – wegen psychischer oder physischer Probleme. So wie Amitai aus Tel Aviv: „Ich habe die Tauglichkeitsstufe 21 – laut Armee bin ich damit geisteskrank“, sagt er grinsend. Nach kaum vier Monaten Wehrdienst wurde er entlassen. „Dabei leide ich nur seit meiner Kindheit unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADS. Ein kleines Drogenproblem und die Weigerung, die vom Armeepsychiater verschriebenen Tabletten zu nehmen, reichten, und schon war ich draußen.“ Heute entwickelt er erfolgreich Videospiele für Mobiltelefone. Berufliche Nachteile aufgrund seiner kurzen Militärzeit erwartet er keine: „In der High-Tech-Branche ist das kein Thema.“
Auch Stav, Amitais ältere Schwester, verließ die Armee nach kurzer Zeit. Sie sei Pazifistin, sagt die Studentin der Filmwissenschaften: „Ich habe mich geweigert, eine Waffe zu benutzen. Meine Vorgesetzten versuchten eine Zeit lang, mich zu überreden, aber ohne Erfolg.“ Nach wenigen Wochen wurde sie entlassen und leistete Zivildienst in einer Einrichtung für geistig Behinderte.
Israels High-Tech-Streitkräfte brauchen natürlich nicht mehr jeden, und Null-Bock-Rekruten sind eher eine Belastung für die Truppe. Zudem steht die Mehrheit junger Israelis Umfragen zufolge hinter der Armee. Auch stellt kaum ein Israeli die 9,4 Milliarden Dollar, die das Land pro Jahr für Verteidigung ausgibt – 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts –, angesichts der Bedrohung durch Staaten wie Syrien infrage.
Dennoch hat das Image der Armee stark gelitten – besonders seit dem nicht gerade mit Glanz und Gloria geführten Libanon-Krieg im Sommer 2006. Damals gelang es Israels Armee nicht, die Freischärler der Hisbollah in die Schranken zu weisen.
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