0 Bewertungen
13.05.2008 

Michal Harel kann den Wertewandel bestätigen. Die 22-Jährige kümmerte sich bei der Armee als Sozialarbeiterin um Soldaten: „Unsere Generation fühlt sich dem Staat wohl nicht mehr so verbunden wie frühere. Vielleicht liegt es daran, dass der Zionismus als treibende gesellschaftliche Kraft für uns einfach nicht mehr die Bedeutung hat wie für die Gründergeneration.“ Die Statistik unterstreicht das: 26 Prozent eines Jahrgangs werden laut Armee nicht mehr eingezogen. Vor weniger als zehn Jahren waren es 17 Prozent. 2007 wurden so wenig Rekruten wie seit Jahren nicht mehr eingezogen.

Aber es gibt noch andere Zahlen, die Israels Offizieren Sorge bereiten. Knapp 20 Prozent der Rekruten beenden ihren Wehrdienst vorzeitig – wegen psychischer oder physischer Probleme. So wie Amitai aus Tel Aviv: „Ich habe die Tauglichkeitsstufe 21 – laut Armee bin ich damit geisteskrank“, sagt er grinsend. Nach kaum vier Monaten Wehrdienst wurde er entlassen. „Dabei leide ich nur seit meiner Kindheit unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADS. Ein kleines Drogenproblem und die Weigerung, die vom Armeepsychiater verschriebenen Tabletten zu nehmen, reichten, und schon war ich draußen.“ Heute entwickelt er erfolgreich Videospiele für Mobiltelefone. Berufliche Nachteile aufgrund seiner kurzen Militärzeit erwartet er keine: „In der High-Tech-Branche ist das kein Thema.“

Auch Stav, Amitais ältere Schwester, verließ die Armee nach kurzer Zeit. Sie sei Pazifistin, sagt die Studentin der Filmwissenschaften: „Ich habe mich geweigert, eine Waffe zu benutzen. Meine Vorgesetzten versuchten eine Zeit lang, mich zu überreden, aber ohne Erfolg.“ Nach wenigen Wochen wurde sie entlassen und leistete Zivildienst in einer Einrichtung für geistig Behinderte.

Israels High-Tech-Streitkräfte brauchen natürlich nicht mehr jeden, und Null-Bock-Rekruten sind eher eine Belastung für die Truppe. Zudem steht die Mehrheit junger Israelis Umfragen zufolge hinter der Armee. Auch stellt kaum ein Israeli die 9,4 Milliarden Dollar, die das Land pro Jahr für Verteidigung ausgibt – 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts –, angesichts der Bedrohung durch Staaten wie Syrien infrage.

Dennoch hat das Image der Armee stark gelitten – besonders seit dem nicht gerade mit Glanz und Gloria geführten Libanon-Krieg im Sommer 2006. Damals gelang es Israels Armee nicht, die Freischärler der Hisbollah in die Schranken zu weisen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Kritik an der Kriegsführung.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

  • Gift für die Weltwirtscha...

    Gift für die Weltwirtschaft

    Rund um den Globus nehmen die Schreckensnachrichten zu. Ihr Tenor: Die Turbulenzen der vergangenen Wochen haben die Risiken für die Weltwirtschaft deutlich erhöht, die Wachstumsraten der vergangenen Jahre werden sich so schnell nicht wiederholen lassen. Welche Risiken ...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Der Papst und die Bankenkrise 

07.10.2008, 09:42 UhrGlobal Reporting

Auch Papst Benedetto hat sich der Bankenkrise angenommen. Der Kollaps der Banken zeige, dass Geld "nichts" sind. "Das Wort Gottes ist alles, was bleibt". Diese Worte äußerte der Papst am Montag morgen, kurz bevor die Börsen öffneten. Einen passenderen Tag hätte er sich nicht aussuchen können. Blog


weiterMadagaskar

Im Web wächst Widerstand: www.finanzkrise 

24.09.2008Madagaskar

Kein Wunder, dass sich der Kongress weigert, das 700 Mrd. Dollar schwere Finanzpaket unbesehen durchzuwinken. In Amerikas Öffentlichkeit wächst der Widerstand gegen die horrende Rechnung für die Exzesse an der Wall Street. Blog