Obama bei Buzzfeed
Mr. President, der Politmaster im Netz

Er twittert, er ist bei Facebook und jetzt lässt sich Barack Obama von dem trashigen Nachrichtenportal Buzzfeed interviewen. Er ist der Präsident der jetzigen Generation. Werbung für ihn und ein großer Coup für Buzzfeed.
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Buzzfeed hat einen Coup gelandet: Der Journalist Jon Premosch hat den wohl begehrtesten Interview-Partner der Welt gesprochen: Barack Obama. Das ist nicht deshalb so besonders, weil der US-Präsident sonst keine Interviews gibt, sondern weil Buzzfeed alles andere als ein traditionelles Nachrichtenmedium ist. Kein Vergleich zu Obamas üblichen Gesprächspartnern, zum Beispiel der New York Times. Der Fokus des Portals liegt eher auf bunten Themen wie der Vorbereitung auf den Valentinstag oder welt-verändernden Nutella-Rezepten.

Will Buzzfeed mit dem Interview etwa einen Kurswechsel, einen Wendepunkt erreichen? Jedenfalls ist es nicht allzu überraschend, dass Obama sich jetzt auch alternativen Nachrichtenportalen zuwendet. Schließlich ist der gebürtige Hawaiianer im Internet mehr als bewandert. Seinem Twitter-Profil folgen 54,7 Millionen Menschen, er twittert über alles Mögliche. Mal über politische Angelegenheiten, mal über seine Serienvorlieben – seit 2013 gehört vor allem „House of Cards“ dazu. Obama ist bekennender Fan von Kevin Spacey und seiner Figur Frank Underwood.

Insgesamt hat er bereits mehr als 13.000 Tweets abgesetzt. Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt ihren Regierungssprecher Steffen Seibert für sich twittern. Sein Account hat bisher 333.000 Follower, Seibert hat circa 6000 Mal getwittert. Dass Angela Merkel demnächst der deutschen Ausgabe von Buzzfeed, unter der Leitung von Juliane Leopold, ein Interview gibt – unwahrscheinlich. Leopold selbst hat ihren Stolz auf ihre amerikanischen Kollegen getwittert:

Nicht genug, dass der US-Präsident Buzzfeed einige Erklärungen zu seiner derzeitigen Politik geliefert hat. Auch Vox, eine News-Website (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Fernsehsender der RTL-Gruppe) hatte in dieser Woche ein Interview mit Barack Obama gezeigt. Der Ex-„Washington Post“-Redakteur Ezra Klein, der Vox gegründet hatte, führte unter anderem das Gespräch. Während Buzzfeed „nur“ das Interview online stellte, arbeiteten Ezra und seine Kollegen für das Gespräch mit Obama eine eigene Seite in der Art eines Newsfeeds aus.

Geäußert hat sich der wichtigste Mann der Welt in den Interviews zur Geiselnahme von Kayla Mueller durch die IS-Miliz, Hillary Clinton sowie natürlich der Ukraine-Krise. Zudem waren die USA als Reichenstaat Thema sowie die Homo-Ehe.

Eine Aussagte machte im Netz ganz besonders die Runde: Und zwar sagte Obama, dass der Pariser Terrorist in dem jüdischen Supermarkt „willkürlich ein paar Leute“ erschossen hätte. Zu entspannt formuliert, nicht respektvoll genug, lautete die Kritik prompt. Max Fisher, Redakteur bei Vox, twitterte: „11.000 Worte von Obama über seine Sicht auf die Welt und das einzige, worüber DC reden kann, ist ein offensichtlich minimaler Fauxpas. Deshalb hasst jeder die DC-Presse.“

Seit der Interview-Veröffentlichung wurde zu Obama und Buzzfeed laut dem Analyse-Tool „Topsy“ knapp 3000 Mal getwittert.

Annika Reinert
Laura Waßermann
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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