Obama besucht Moskau
USA und Russland beenden Eiszeit

Vor dem ersten Besuch von US-Präsident Barack Obama in Moskau in der kommenden Woche wachsen die Hoffnungen auf einen Durchbruch bei den Abrüstungsverhandlungen der beiden Nuklearmächte. Offiziell halten beide Seiten dicht, doch in diplomatischen Kreisen steigt die Erwartung, die USA und Russland könnten sich drauf verständigen, die Zahl der atomaren Sprengköpfe auf je unter 1 700 Stück zu reduzieren.

MOSKAU. Bei ihrem ersten Treffen in London im April hatten sich Obama und Russlands Staatschefs Dmitrij Medwedjew drauf verständigt, zügig eine Anschlussregelung für den Start-1 Abrüstungsvertrag zu finden, der im Dezember dieses Jahres ausläuft. Derzeit verfügen die USA über rund 2 200 und Russland über gut 2 700 Sprengköpfe.

Ob am Ende tatsächlich unterschriebene Abkommen und Verträge stehen, ist keinesfalls sicher. "Wir sollten nicht zu viel erwarten", sagt Andrej Kortunow, Präsident des New Eurasia Funds. Alles, was mehr sei als ein Scheitern, sei ein Erfolg.

So hat sich die Führung in Moskau etwa bemüht, ein neues atomares Abrüstungsabkommen an den Verzicht der USA auf das umstrittene Raketenabwehrsystem in Osteuropa zu knüpfen, das sich nach amerikanischer Lesart vor allem gegen eine Gefahr aus dem Iran richtet. Russland fühlt sich durch den Schutzschirm aber bedroht.

US-Präsident Obama gibt sich beim Thema Raketenschutz zwar offener als sein Vorgänger George W. Bush, er möchte einen Verzicht allerdings mit einer stärkeren Einflussnahme Russlands auf das Atomprogramm Irans verbinden. Moskau hat sich auch wegen der guten wirtschaftlichen Beziehungen zu Iran vor allem in der Frage schärferer Sanktionen bisher sehr zurückgehalten.

Für Irritationen in der US-Hauptstadt hatte auch die russische Haltung zum WTO-Beitritt gesorgt. Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg im Juni hatten die Amerikaner Beobachtern zufolge der russischen Seite ein weitreichendes Entgegenkommen signalisiert - so nah seien sich beide schon lange nicht mehr gekommen, heißt es. Nur wenige Tage später hatte Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin aber mit der Ankündigung, sein Land werde nur im Verbund einer noch zu schließenden Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan der Welthandelsorganisation beitreten, jegliche Hoffnungen auf einen Beitritt in nächster Zukunft zunichte gemacht.

"Russland und die USA können nicht wirklich Partner werden, ohne ihre wirtschaftlichen Beziehungen und vor allem den Handel zu vertiefen", sagt der Moskauer Wirtschaftsexperte Wladislaw Inosemzew. Vor allem, da sind sich die Experten einig, gehe es allen darum, nach einer langen Phase der Eiszeit wieder Vertrauen aufzubauen.

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