Obama in Berlin
„Irgendwie hat die Emotion gefehlt“

Die Erwartungen vor Obamas Rede waren groß. Doch die Zuschauer vor der Absperrung am Brandenburger Tor sind sich überwiegend einig: Obama gibt keinen zweiten Kennedy ab – das muss er aber auch gar nicht.
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BerlinDie großen Szenen, Menschen, die sich in den Armen lagen, Plakate, Sprechchöre – all das gab es nicht zu sehen in Berlin, als Barack Obama – als dritter US-Präsident überhaupt – am Nachmittag vor dem Brandenburger Tor sprach. Stattdessen, Zufriedenheit, müde Gesichter, gerötet vom stundenlangen Warten in der Sonne – am bisher heißesten Tag des Jahres. Obama hatte an diesem Mittwoch ein leichtes Spiel. Denn die meisten Passanten und Fans, sie hatten gar keine besonderen Erwartungen an den US-Präsidenten. Der Satz, der immer wieder fiel: Obama wird Kennedy nicht kopieren können.

„Das muss er auch gar nicht.“, sagt Matthias Brenner, ein Berliner Hobbyfotograf, der ganze drei Speicherkarten seiner Spiegelreflexkamera nur damit gefüllt hat, Obamas Rücken – das einzige, das von der Absperrung an der Straße des 17. Juni zu sehen war – so nah wie möglich heran zu zoomen. Denn Brenner glaubt, dass die Probleme heute andere sind als damals. „Es gibt keinen Krieg mehr“, sagt er. Da sei es doch verständlich, dass Obama die ganz große Emotion für sich behalten habe.

Auch Vili, einem 26-jährigen Studenten aus Finnland, ist aufgefallen, dass Obamas Rede „irgendwie die Emotion gefehlt“ habe, die Vision einer ewigen Freundschaft zwischen den USA und Europa. „Stattdessen wendet er sich neuerdings öffentlich auch dem Pazifik zu“, ein Radler auf seinem Weg quer durch den Tiergarten ist auf Obama nicht so gut zu sprechen.

Wenn auch nicht verärgert, ist Richard Pettifer zumindest ernüchtert. „Obama kann sich gewählt ausdrücken“, sagt der Australier, der gerade für einen Monat an einem Berliner Theater mitwirkt. „Er wird seine Versprechen ohnehin nicht halten können, ist gebunden durch Opposition und Lobby“, ruft ein Zaungast von der Seite herüber, sein Kopf vor Hitze hochrot. Er ist gerannt, um noch etwas mitzubekommen.

Doch die Rede ist vorbei. Vier große, schwarze Limousinen beziehen Stellung auf der Rückseite des Brandenburger Tors. Hobbyfotograf Brenner hofft, dass Obama noch einmal die Straße des 17. Juni entlang fährt. Immer mehr Schaulustige ziehen sich in den nahen Tiergarten zurück, unter einen Baum, in den Schatten. „Ich war gerade in Berlin, da wollte ich mal gucken“, sagt ein junger Ire. Auch zwei Studentinnen aus Großbritannien geben unumwunden zu: „Politik interessiert uns eigentlich nicht, aber Obama ist cool.“

„Dass Mr. President ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres nach Berlin kommen muss“, entfährt es dem Zaungast. Dann ist es vorbei. Die Limousinen verschwinden im Handumdrehen, Richtung Reichstag.

Tatsächlich war Obamas Besuch in Berlin nur ein Arbeitstreffen. Aber ganz ohne Emotion? „Das ist nicht wahr“, sagt André Lumme, der in der Hauptstadt groß geworden ist. Obama habe mit seiner Rhetorik begeistert, seiner starken Körpersprache, Gestik und Mimik – und mit Visionen  eines modernen Kennedy: „Die Berliner Mauer ist nun Geschichte. Auch wir müssen Geschichte schreiben.“

Sara Zinnecker
Sara Zinnecker
Handelsblatt online / Redakteurin

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  • Die EU betrachtet als NATO geschützter Handelsraum. Warum nicht. Es erlaubt die Tür für dei Türkei udn damit die arabsiche Welt einen Spalt breit Richtung Europa geöffent zu lassen.

  • Wir müssen Russalnd stärker an die Nato binden wegen des Anteil der Asiaten (Chian/Indien) an der Weltbevölkerung. Ein Rückkehr zur sozialistischem Blockstaatendenken Russland/China wie zu Zeiten des Vietnam oder Korea Krieges - sie denken imme nur an unsere überwundene Teilung in Deuschland - in Vietname und Korea existiert sozusagen "die DDR" immer noch als Folge des kalten Krieges muß vermeiden werden wenn Europa in Zukunft sichr leben will. Die Nato Staaten zsuammen haben vom Anteil an der Weltbevöklkerung villeicht soviel Bürger wie Indien. Darauf wurde auch hingewiesen.

    Schauen Sie mal in etwas ältere Handelsblatt Kommmentare mit dem Thema Russland und Nato von mir (auch unter dem Pseudonym mon_yburns@central.banktunnel.eu). Ich bin sehr zufrieden.

    Arbeit: An der § 1626 a Reform auch vor dem Hintergrund der hiervobn betroffenen "BESATZUNGSKINDER"!

    ICH BIN MEHR ALS ZUFRIEDEN!

  • Wenn er die Russen strärker an Amerika binden will durch einen neuen Abrüstungsvertrag wird die Parnerschaft zu Europa innerhalb der NATO eventuell leicht gelockert aber eben zu unserem Schutz. Denn wenn die Gromaächte USA und Russland sich verstehen ist daß die beste Sicherheits-garantie für das geggraphisch ind er Mitet liegende Europa.

    http://www.youtube.com/watch?v=YT2ytuqa8W8&list=PL527D2777DB8E8570&index=4

    Die NATO-Grenzen zu denen machen welche die Maximalsuasdehung freien Handels in der wlat ausmachen ist vor dem Hintergrund der durchsetzbarkeit von Recht - siehe Schengen - eine logische Konsequenz. Vor dem Hintergund der Bedrohungen im Internet ist klar daß wir Gerichtsurteile auch vollstrecken können müssen. Udn das geht im Ausland wo kein Zwang ausgeübet werden kann sehr schlecht. Versuchen Sie beispislweise mal per Rechtshilfeersuchen die Chinesen zu zwingen ihre Polizei gegen einen Hacker der das Internet von China aus nutzt aktiv werden zu lassen denn Gewaltandrohung scheidet hier aus. DAß die Grenzen der Nato die Grenzen freien Handels bestimmen wird auch Erdogan für dei Türkei gefreut haben.

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