Obama in Kuba Castros rote Linien und eine ominöse Liste

Was bringt der Besuch von US-Präsident Obama in Kuba? Viele hoffen auf mehr Freiheit. Doch Präsident Raúl Castro will das Land nicht vom Kapitalismus überrollen lassen – und fordert, Menschenrechte nicht zu politisieren.
Als Castro Obamas Arm zum gemeinsamen Grüßen heben will, lässt der US-Präsident seine Hand nur schlapp herunterhängen. Quelle: dpa
Halbherziger Gruß

Als Castro Obamas Arm zum gemeinsamen Grüßen heben will, lässt der US-Präsident seine Hand nur schlapp herunterhängen.

(Foto: dpa)

HavannaRaúl Castro ist unsicher, so eine Pressekonferenz ist er nicht gewohnt. Er schaut fragend zu US-Präsident Barack Obama: Wer fängt an? Er. Dann referiert Kubas Staatschef einige sozialistische Errungenschaften – und sagt an Obamas Adresse einen klaren Satz: „Alles was sich ändern sollte, ist exklusive Sache der Kubaner.“

Obama beeilt sich zu sagen: „Die Zukunft der Kubaner wird von den Kubanern entschieden, von niemandem sonst.“ Aber er betont auch: „Amerika glaubt an die Demokratie“, dazu gehöre Meinungsfreiheit.

Bemerkenswert ist Castros Disput mit einem US-Journalisten, der ihn nach politischen Gefangenen fragt. „Geben Sie mir die Liste“, sagt er, gestikulierend mit den Händen. Bekomme er so eine Liste, werde er sofort alle freilassen. Es gebe aber keine politischen Gefangenen.

Elizardo Sánchez, Sprecher der verbotenen, aber tolerierten kubanischen Kommission für Menschenrechte, könnte so eine Liste sofort liefern. „In diesem Moment haben wir mindestens 80 Namen“, sagt er. Viele Gefangene sind einfach wegen anderer vorgeblicher Vergehen wie Spionage oder Vaterlandsverrat zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Und so schnell wird Castro die Geister nicht mehr los. Die Cuban American National Foundation (CANF) fertigt schnell auch eine Liste an, sie kommt auf 47 Namen. Aufgelistet mit Namen, Haftdauer und Gefängnis. „Wir haben die Erwartung, dass diese politischen Gefangenen, ohne Auflagen sofort freigelassen werden.“

Mit Schirm, Charme und der Air Force One
Werbung für den historischen Besuch
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Barack Obamas Kuba-Reise sorgte bereits im Vorfeld für Interesse. Überall auf den Straßen der kubanischen Hauptstadt Havanna wurde der historische Besuch angekündigt.

Obama im Anflug
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Ein Spektakel auf den Straßen von Kuba. Menschen beobachten die Air Force One im Landeanflug auf den Jose Marti International Flughafen in Havanna.

Verregnete Ankunft
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Der US-Präsident kam zusammen mit seiner Ehefrau Michelle und den beiden Töchtern Malia Ann und Natasha. Zur Ankunft spielte das sonst meist sonnige Wetter in Kuba nicht mit. Am ersten Tag seiner dreitägigen Reise sorgte anhaltender Nieselregen für eine trübe Atmosphäre.

Historischer Besuch
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Und dann war es soweit. Zum ersten Mal seit 1928 hat mit Barack Obama ein US-Präsident kubanischen Boden berührt. „Que bolá Cuba?“, („Wie geht's, Kuba“), twitterte er in landestypischer Mundart bei seiner Ankunft. Obama Visite gilt als symbolischer Höhepunkt der Annäherung an den früheren Erzfeind.

Begrüßung auf dem Flughafen – ohne Castro
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Am Flughafen wurden Obama von ranghohen Regierungsvertretern Kubas wie Außenminister Bruno Rodríguez begrüßt – allerdings nicht von Staatspräsident Raúl Castro. Dessen Abwesenheit betrachtete das Weiße Haus indes nicht als Affront. Castros Erscheinen sei „nie erwogen oder besprochen“ worden, sagte Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes in Washington. Stattdessen will der kubanische Staatschef den hohen Gast am (heutigen) Montag im Palast der Revolution in Havanna begrüßen.

Spaziergang durch Havanna
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Unmittelbar nach der Landung unternahmen Obama und seine Familie einen Spaziergang durch die Altstadt von Havanna. Doch der inzwischen heftiger gewordene Regen und ein enormes Polizeiaufgebot sorgten für fast menschenleere Straßen.

Begegnung mit Kubanern
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Trotz der wenigen Menschen in der Altstadt von Havanna, ließ es sich Obama nicht nehmen die kubanischen Bürgern persönlich zu begrüßen.

Auch wenn Obama auf spanisch vom „día nuevo“, einem neuen Tag spricht – und Castro betont, man dürfe Menschenrechte bitte nicht politisieren. Die Begegnung auf der Weltbühne (1500 Journalisten sind in Havanna akkreditiert) zeigt massive Differenzen, die auch alles Tauwetter nicht beiseite wischen kann. Als Castro am Ende Obamas Arm packt und zu einem gemeinsamen Gruß nach oben ziehen will, lässt Obama ihn schlapp herunterhängen – bloß keine komischen Verbrüderungsbilder.

Was bedeutet der Besuch für die Menschen? Viele interessiert jetzt schon mehr das riesige, kostenlose Rolling-Stones-Konzernt in der Ciudad Deportiva, ausgerechnet am Karfreitag. Dass für die vielen Dissidenten kein rascher Wandel kommt, zeigen dutzende Festnahmen.

Ein bekannter Ort in Havanna ist das Coppelia, eine der größten Eisdielen Lateinamerikas, von Revolutionsführer Fidel Castro initiiert, jeden Tage mehrere tausend Gäste und lange Schlangen.

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