Obama
Neue US-Regierung plant den großen Wurf

Die größte Krise seit Jahrzehnten zwingt die Amerikaner zu drastischen Maßnahmen. Der künftige Präsident Obama will die Wirtschaft umbauen. Die Erwartungen sind hoch, der 47-Jährige soll die USA aus der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression ziehen.

WASHINGTON. Die Zeitschrift „Newsweek“ leistete sich neulich die historische Analogie, Barack Obama auf dem Titel als Franklin Delano Roosevelt abzubilden. Das berühmte Foto: Nun sitzt Obama am Steuer eines Cabriolets, lacht übers ganze Gesicht, eine Zigarettenspitze zwischen den Zähnen, die linke Hand lässig am Steuer, die rechte ruht auf der Rückenlehne. Überschrieben ist die Optimismus ausstrahlende Fotomontage mit der Zeile: „Der neue New Deal“. Die Botschaft: Obama wird es richten wie einst FDR in den 30er-Jahren.

Und tatsächlich: Nicht weniger hoch sind die Erwartungen an den künftigen Präsidenten der USA. Der 47-Jährige soll die USA aus der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression ziehen, er soll die Reputation des Landes wiederherstellen – und für die Demokraten soll er ein goldenes Zeitalter einläuten. Dies wird im Rückblick zumindest Roosevelt gutgeschrieben, auch wenn in Wahrheit nicht alles so sehr glänzte, wie heute darüber historisiert wird. Eines allerdings stimmt an dem Vergleich: Damals wie heute versuchen die Amerikaner, in der Krise auch die Chance zum Aufbruch, zur notwendigen Veränderung zu erkennen. Und Barack Obama soll jene Persönlichkeit sein, die dies ins Werk setzt.

Dass ausgerechnet dem ziemlich unerfahrenen Senator aus Illinois dies zugetraut wird, hat viel mit dessen Bild in der Öffentlichkeit zu tun. Wann immer in den Wochen vor der Wahl in den Fernsehdebatten der beiden Kandidaten die Rede auf die Lage der Wirtschaft kam, wirkte Obama cool, unaufgeregt, souverän – ja manchmal schon aufreizend gelassen. Doch während sein Kontrahent John McCain mal von einer Idee zur anderen sprang und vermeintlich Schuldige an der Krise wortgewaltig geißelte, prägte sich von dem jungen Aufsteiger das inzwischen so geläufige Wort des „No Drama Obama“ ein. Und genau das wünscht sich ein Volk in einer solchen Situation. Einen, der bei allen Turbulenzen die Ruhe bewahrt. Obamas Reaktion auf die Krise hat ihm zu einem Gutteil den Wahlerfolg beschert. Jetzt muss die Realität nur noch der Projektion folgen.

Doch das ist einfacher gesagt als getan. Denn das Team Obamas ringt mit der Frage, wie er die vielfältigen Herausforderungen angehen soll. Dabei genießt der kommende 44. Präsident der USA nicht einmal mehr die Schonfrist der Übergangszeit. De facto führt Obama die Amtsgeschäfte bereits seit dem 23. November 2008 – das waren keine drei Wochen nach den Wahlen. An diesem Tag stellte er sein ökonomisches Team vor. Seither richten sich die Blicke vor allem auf Chicago und nicht so sehr auf Washington. Denn in der Hauptstadt wird derzeit nur der Ist-Zustand verwaltet. Entscheidungen jedoch, die über den Tag hinausreichen, werden in Chicago, am Wohnort des nächsten Präsidenten, vorbereitet.

Wenn es stimmt, was Austan Goolsbee, Obamas enger Wirtschaftsberater von der Universität Chicago sagt, dann plant der neue Präsident nach seiner Vereidigung am 20. Januar tatsächlich den großen Wurf, die „grand strategy“. „Wir starten mit einem Knall“, prophezeite Goolsbee kürzlich in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS. Mit anderen Worten: Statt zu zaudern, will Obama die Gelegenheit beim Schopf packen. Drei Millionen Jobs, so hieß es am vergangenen Wochenende, sollen gesichert oder neu geschaffen werden. Dafür soll Geld ausgegeben werden, Defizit hin oder her. Und nicht nur das.

Die Krise soll die Chance sein, die US-Wirtschaft an zentralen Punkten umzubauen. Gemeint sind das Gesundheitssystem, das Bildungssystem, die Umstellung auf eine grüne Volkswirtschaft und die Stärkung der Mittelklasse. Statt aus lauter Vorsicht nur eines dieser Großprojekte anzupacken, will Obama angeblich alles auf einmal – zumindest in der ersten Hälfte seiner Amtszeit – anschieben. Nutzen will er dabei den Reformdruck, der sich durch die tiefe Krise aufgebaut hat. Der soll politisch den Weg für seine kühnen Vorhaben ebnen.

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