Obama Rede an die Nation

„Die USA sind keine Weltpolizei, aber ...“

Unter Politikern und in der Bevölkerung hat US-Präsident Obama an Rückhalt für seine Syrienpläne verloren. In seiner Rede an die Nation greift er Vorbehalte auf - und beharrt auf der Schlagkraft seines Militärs.
Update: 11.09.2013 - 07:02 Uhr 39 Kommentare

Obama: Kongress soll Syrien-Abstimmung verschieben

WashingtonDie US-Regierung hat laut Präsident Barack Obama eindeutige Beweise, dass das Regime von Baschar al-Assad für den Giftgasangriff in Syrien am 21. August Hunderten Toten verantwortlich ist. Das Regime habe die Raketen auf Gebiete abgefeuert, die von den Rebellen kontrolliert wurden.

Obama bezeichnete den Giftgasangriff gegen die syrische Bevölkerung als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. In dieser Nacht habe die Welt die grausamen Details eines Chemiewaffenangriffs gesehen.

Weil solch ein Angriff nicht unbeantwortet bleiben dürfe, habe er sich für einen begrenzten Militärschlag entschieden, sagte Obama. Da keine unmittelbare Gefahr für die nationale Sicherheit der USA bestand, habe er aber zuvor den US-Kongress um Zustimmung gebeten.

Obama gestand ein, dass ein Militäreinsatz beim Volk nicht populär sei. „Es ist kein Wunder, dass Sie schwierige Fragen stellen“, sagte der Präsident dem Fernsehpublikum. Er bekräftigte, dass bei einem Militärschlag keine Bodentruppen zum Einsatz kämen. Außerdem werde es sich nicht um einen langen Konflikt wie etwa in Afghanistan handeln.

Doch Assad solle auch nicht denken, dass ein Angriff harmlos wäre. „Das US-Militär macht keine Nadelstiche. Selbst ein eingeschränkter Schlag sendet eine Nachricht, die keine andere Nation liefern kann.“ Das syrische Regime hingegen habe keine Mittel, das US-Militär ernsthaft zu bedrohen.

Um den diplomatischen Weg weiter zu beschreiten, habe er den Kongress gebeten, eine Abstimmung über die Autorisierung eines Militärschlages zu verzögern, sagte Obama. Zugleich habe er aber die Streitkräfte angewiesen, ihre Bedrohungshaltung gegenüber Syrien aufrecht zu halten.

„Die USA sind keine Weltpolizei, aber die Ideale, Prinzipien und die nationale Sicherheit der USA stehen in Syrien auf dem Spiel“, resümierte er. Seit fast sieben Jahrzehnten seien die USA der „Anker der globalen Sicherheit“, sagte Obama in ernstem Ton. Das bedeute, internationale Abkommen nicht nur zu schmieden, sondern auch durchsetzen zu müssen.

Obama habe US-Außenminister John Kerry gebeten, gemeinsam mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow einen Weg aus dem Konflikt um Syriens Giftgas zu suchen. Auch weiterhin wolle Obama die Unterstützung anderer Staaten suchen und darauf hinarbeiten, dass UN-Waffeninspekteure sich von den Fortschritten in Syrien ein Bild machen. Das Ziel sei, dass Syrien seine Chemiewaffen aufgibt und letztlich vernichtet, sagte Obama.

Die Mehrheit der Amerikaner ist Umfragen zufolge gegen einen US-Angriff auf syrische Ziele. Die Zahl der Gegner eines Militärschlags stieg einer neuen Umfrage des Pew-Centers zufolge um 15 Prozentpunkte auf 63 Prozent. Dagegen stehen 28 Prozent der US-Bürger, die eine US-Intervention unterstützen.

Nutzen und Gefahren einer Militärintervention
huGO-BildID: 32534147 Columns of smoke rising from heavy shelling in the Jobar neighborhood in west Damascus, in Cairo, Syria, Thursday, Aug. 22, 201
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Das Leid der Zivilbevölkerung in Syrien bewegt die Welt seit zweieinhalb Jahren. Mehr als 100.000 Syrer kamen im Bürgerkrieg ums Leben. 6,8 Millionen Menschen sind laut Vereinten Nationen auf der Flucht, darunter rund drei Millionen Kinder. „Es steht nicht weniger auf dem Spiel als das Überleben und das Wohl einer ganzen Generation Unschuldiger“, mahnt Flüchtlingskommissar António Guterres. Dem Weltsicherheitsrat sind jedoch die Hände gebunden: Russland und China verhindern mit ihrem Veto jede Resolution gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad.

huGO-BildID: 32520627 US President Barack Obama walks from Marine One after arriving on the South Lawn of the White House in Washington, DC on August
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PRO: Nun müsse endlich etwas geschehen, sagen Befürworter einer Militärintervention nach Hinweisen auf ein Massaker mit Giftgas in der Nähe von Damaskus. US-Präsident Barack Obama warnte Damaskus vor einem Jahr, mit einem Giftgaseinsatz werde eine „rote Linie“ überschritten – und drohte mit einem Militäreinsatz der USA. Nun sagt er: „Das berührt langsam Kerninteressen der USA.“ Das US-Militär prüft Optionen für Luftangriffe, die Flottenpräsenz im östlichen Mittelmeer wurde verstärkt.

John McCain
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Für den einflussreichen US-Senator John McCain geht es um die Glaubwürdigkeit Amerikas. Wenn Obama jetzt nicht handele, könnte das Wort des US-Präsidenten in der gesamten Region nicht mehr ernst genommen werden, warnt er. „Wir können die Start- und Landebahnen und 40 oder 50 Flugzeuge zerstören“, die die syrische Luftwaffe einsetze, sagt McCain. Die USA könnten Raketen einsetzen, die Kosten wären gering, Soldaten würden nicht gefährdet.

huGO-BildID: 32543251 French Foreign Minister Laurent Fabius speaks during a press confrence in Jerusalem on August 25, 2013. Fabius was in Jerusalem
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International werden Rufe lauter, eine härtere Gangart gegen Assad einzuschlagen. Mehrere Staaten, allen voran Frankreich, verlangen ein entschiedenes Vorgehen. Der französische Außenminister Laurent Fabius fordert, sollten Giftgas-Angriffe der Regierungstruppen bewiesen werden, sei mehr als eine internationale Verurteilung notwendig. Dann müsse es eine „Reaktion der Stärke“ geben.

huGO-BildID: 32522872 Lebanese look at burnt vehicles on August 24, 2013 on the site of a bombing outside Al-Taqwa mosque the day before in the north
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KONTRA: Gegner einer Militärintervention wie Bundeskanzlerin Angela Merkel dringen auf eine politische Lösung, um das Blutvergießen in Syrien zu beenden. An diesem Mittwoch soll es in Den Haag erneut um die Einberufung einer Friedenskonferenz gehen.

huGO-BildID: 32518550 A picture taken through a hole in a wall on August 22, 2013 shows a devastated street in the Salaheddine district of the northe
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Ein Militäreinsatz ohne UN-Mandat gilt als äußerst schwierig. Eine Koalition wie zuletzt in Afghanistan dürfte sich im Fall Syrien kaum finden, meinen Experten.

An activist wearing a gas mask is seen in Zamalka area, where activists say chemical weapons have been used by forces loyal to President Bashar Al-Assad in the eastern suburbs of Damascus
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Hinzu kommt, dass noch nicht abschließend geklärt ist, ob und durch wen Chemiewaffen eingesetzt wurden. In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sollen nach Rebellenangaben am Mittwoch Hunderte Menschen durch einen Giftgaseinsatz der Regierungstruppen getötet worden sein. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtet von 3.600 Patienten mit Vergiftungssymptomen, 355 seien gestorben. Assads Regime weist die Vorwürfe der Rebellen zurück und beschuldigt die Aufständischen. UN-Inspekteure, die seit Tagen im Land sind, waren bislang nicht am Ort des Geschehens. Nun will Syrien ihnen Zugang gewähren.

Obamas Ansprache in Auszügen, Teil 1
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39 Kommentare zu "Obama Rede an die Nation: „Die USA sind keine Weltpolizei, aber ...“"

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  • Das nimmt kein gutes Ende mit der Menschheit wenn der Dollar crasht........und damit sie noch mehr wachstum erzeugen und somit Geld drucken können ,müssen wir jetzt noch schnell Syrien,Iran,Russland und China einnehmen,sonst geht hier alles vor die Hunde.Viel Glück bei den letzten beiden......

  • Schon fuer das Planen des Militairschlages sollte man Obama den NobelFriedensPreis wegnehmen.USA werfen schon 2 Jahre Oel ins Feuer in Syrien mit Trainierung von Aufstaendischen,Bewaffnung,Finanzierung,Unterstuetzung mit Geheimagenten (Elitetruppen),das stolze Resultat 6mio Opfer an Toten,Verwundeten,Invaliden,Fluechtlingen.Jetzt muss Obama einen Rueckzieher machen weil das amerikanische Volk will keine Kriege mehr.Auch Papst Franziskus hat schon einen Weltbettag organisiert fuer den Frieden in Syrien,seine Klooster als Fluechtlingauffang bereitgestellt und zeigt hiermit Format fuer Moral+Etik was bei den Politikern in USA+EU so sehr fehlt

  • Kurz und prägnant!
    Praktisch den Nagel auf den Kopf getroffen!
    Seit genau 100 Jahren, als die jüdische Hochfinaz die FED gründete (1913) hat in Amerika kein Amerikaner mehr etwas zu bestellen!
    Nur scheinen das die meisten Leute irgendwie nicht in ihren Kopf kriegen zu wollen.


  • Mensch "Eddierechner" , bewahre Haltung, Deine globale Kriegsmaschine ängstigt.

    Was hat denn der CIA Resident mit Deiner, insbesondere mit Deiner "Weltanschauung" am Hut? .

    Zeit für Dich, zur Nachsaison mal Krisenländer wie Portugal und Griechnalnd zu bereisen.

  • @Fragender123: Zitat: "Ihr Hinweis dass es in Ihrer Schule so unterrichtet wurde ist zu wenig. Es könnte durchaus der Fall sein, dass Sie einer Dodelschule zu Opfer fielen." - Wenn wir schon einmal dabei sind, dann wäre es auch schön, die Kommata richtig zu setzen. Dann müsste es heißen: "Ihr Hinweis, dass es in Ihrer Schule so unterrichtet wurde, ist zu wenig."

  • 'Fragender123' sagt
    ----------------------
    @Rechner

    Wenn es nirgends geschrieben steht (Duden, Wahrig, etc.) bleibt eine leere Behauptung ihrerseits übrig.
    ----------------------

    Offensichtlich haben Sie meine weiterführenden Bemerkungen zur Sprachlogik von Dativ und Akkusativ nicht zur Kenntnis genommen oder nicht verstanden.

    +++

    'Fragender123' sagt
    ----------------------
    Ihr Hinweis dass es in Ihrer Schule so unterrichtet wurde ist zu wenig. Es könnte durchaus der Fall sein, dass Sie einer Dodelschule zu Opfer fielen.
    ----------------------

    Selten so gelacht.

    Meinetwegen können Sie im besten Verblödungsdeutsch weiter auf DEN Akkusativ mit "beharren auf" beharren.

    Weil es ja nirgendwo "steht".

    ...

    Das Beharren auf Authoritäten in Verbindung mit nahezu vollständiger Unfähigkeit selbst zu denken ist ein kennzeichnendes Merkmal von Bildungskatastrophenopfern.

  • @Rechner

    Wenn es nirgends geschrieben steht (Duden, Wahrig, etc.) bleibt eine leere Behauptung ihrerseits übrig. Ihr Hinweis dass es in Ihrer Schule so unterrichtet wurde ist zu wenig. Es könnte durchaus der Fall sein, dass Sie einer Dodelschule zu Opfer fielen. Nehmen Sie´s leicht. Halten Sie sich ans Rechnen; dort sind die Regeln gut dokumentiert.


  • Das Theater der USA um Chemiewaffen ist nichts weiter als Propaganda - die Gasangriffe Saddam Husseins haben nicht weiter gestört, solange dieser im Auftrag der USA einen Krieg gegen den Iran geführt hat.

    Sowohl Irak wie auch Syrien stehen auf der Liste derjenigen Länder, die die USA ihrer Kontrolle unterwerfen wollen um Rußland einzukreisen und letzlich ihrer Kontrolle zu unterwerfen als vorletzen Schritt zur Weltherrschaft.

    Und in beiden Fällen wurden/werden Vorwände für einen Angriffskrieg gefälscht.

    Der bevorstehende erste Schlag gilt nur der moralischen Abstumpfung der eigenen Bevölkerung - dafür mußte der Giftgaseinsatz her.

    Dehumanisierung des Gegners durch Dämonisierung ist schon immer ein wichtiger Bestandteil westlicher Kriegspropaganda gewesen.

    Damit enthemmt man die eigene Bevölkerung und die eigenen Truppen, damit diese dann mitleidslos Bomben auf Nazi-Frauen und Nazi-Kinder regnen lassen.

    Dann geht's weiter - erst Syrien, dann Iran.

    Das Ziel der USA ist nach wie vor den Nahen Osten zu kontrollieren - wegen seiner Ölvorkommen und wegen seiner geostrategischen Relevanz.

    Die Planung des Pentagon 2001 sah die Erlangung von Kontrolle über Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und Iran innerhalb von 5 Jahren vor, erklärte US-General Wesley Clark 'Democracy Now':

    http://www.youtube.com/watch?v=r8FhZnFZ6TY

    Offensichtlich mußten - nicht zuletzt dank der improvisierten Explosionskörper im Irak - Zeitplan und Zugfolge seitdem geändert werden.

    Aber immer noch ist das geostrategische Ziel der USA die Einkreisung und eventuelle Kontrolle Rußlands.

    Island-Hopping auf dem Festland.

    ...

    DESHALB hat man über Saudiarabien und Irak (dort vermutlich an der Regierung vorbei) die Destabilisierungs- und Terrorkampagne in Syrien gestartet.

    Nachdem die nicht mehr wie gewünscht läuft, müssen jetzt andere Mittel eingesetzt werden.

    ========================================

    Kommentar wiederveröffentlicht, da Erstveröffentlichung vom CIA-Residenten gelöscht

  • 'Fragender123' sagt
    ------------------------
    Eine Frage:

    Wo steht geschrieben dass "beharren auf" den Dativ erzwingt?

    In anderen Fällen passt doch der Akkusativ; zum Beispiel "Ich zeige auf DICH" (und nicht "auf DIR").

    Bitte um Antwort.
    ------------------------

    Das Verb erzwingt den Casus.

    Daraus, daß "zeigen auf" mit dem Akkusativ steht folgt also nicht, daß "beharren auf" auch mit demselbem stehen müßte.

    ...

    Der Dativ - "Fall der Gegebenheit" steht normalerweise dann mit Verben mit "auf", wenn die Verbindung zwischen Subjekt und Objekt bereits gegeben ist:

    "Ich sitze auf dem Sofa".

    Der Akkusativ - "Fall der Anklage" steht normalerweise dann mit Verben mit "auf", wenn die Verbindung zwischen Subjekt und Objekt durch die im Verb bezeichnete Aktivität erst hergestellt werden soll:

    "Ich gehe auf den Ball".

    Das überträgt sich dann allerdings auf Fälle, in denen das "gehen" nur im übertragenen Sinn gemeint ist, und die Verbindung tatsächlich bereits besteht:

    "Ich gehe auf das Gutenberg Gymnasium".

    ...

    "Ich gehe auf DEM Gutenberg Gymnasium" würde bedeuten, daß ich auf dem Dach desselben spazieren gehe, und nicht daß ich ein Schüler der Lehranstalt bin.

    ...

    Wo das steht weiß ich leider nicht.

    Zu meiner Zeit hat man sowas in der Schule gelernt.

  • Freidenker: Ich bin froh das sie mit ihren Rot-Grünen Faschisten immer mehr Stimmen verlieren. Und ich bin froh, dass es Menschen wie Sarrazin gibt, die Mut zur Wahrheit haben um Menschen die Augen zu öffnen. Sie sind gegen alles und jeden, sie bieten keine Lösungen an und sind sehr wahrscheinlich eine wirtschaftlich und privat gestrandete Person, die verbittert auf alles schimpft. Lassen sie sich doch helfen.

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