Obama-Rede in Berlin
Freiheit mit Gerechtigkeit

Gespannt haben viele Deutsche am Brandenburger Tor auf den US-Präsidenten Barack Obama gewartet. Weil die Teleprompter ausfielen, las er seine Rede vom Blatt. Hier die übersetzte Fassung im Wortlaut.
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BerlinHallo Berlin! Vielen Dank, Bundeskanzlerin Merkel, für Ihre Führungsstärke, Ihre Freundschaft und Ihr beispielhaftes Leben – vom Kind aus dem Osten zur führenden Politikerin eines freien und geeinten Deutschlands.

Wie ich schon sagte, Angela und ich sehen nicht unbedingt wie frühere deutsche und amerikanische Regierungschefs bzw. Präsidenten aus. Aber die Tatsache, dass wir heute hier entlang der Verwerfungslinie stehen können, die die Stadt einst teilte, spricht für eine immerwährende Wahrheit: Keine Mauer kann dem Drang nach Gerechtigkeit, dem Drang nach Freiheit, dem Drang nach Frieden, der in den Herzen der Menschen brennt, widerstehen.

Bürgermeister Wowereit, sehr verehrte Gäste und vor allem liebe Berlinerinnen und Berliner und Bürger Deutschlands – vielen Dank für diese außergewöhnlich warmherzige Begrüßung. In der Tat ist es so warm, und ich fühle mich so wohl, dass ich mein Jackett ausziehen werde und jeder, der dies auch tun möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Unter Freunden darf man ruhig etwas zwangloser sein.

Wie Ihre Bundeskanzlerin bereits erwähnte, hatte ich vor fünf Jahren die Ehre, als Senator eine Rede in dieser Stadt zu halten. Heute bin ich stolz darauf, als Präsident der Vereinigten Staaten hierher zurückzukehren. Ich bringe die dauerhafte Freundschaft der amerikanischen Bevölkerung sowie meine Frau Michelle, und Malia und Sasha mit. Sie haben vielleicht bemerkt, dass sie nicht hier sind. Das Letzte, was sie gerne tun würden, ist, sich eine weitere Rede von mir anzuhören. Deshalb sind sie unterwegs und genießen die Schönheit und Geschichte dieser Stadt. Diese Geschichte spricht heute zu uns.

Über Jahrtausende hinweg haben sich die Menschen in diesem Land auf den Weg gemacht und sich von einer Stammesgesellschaft über Fürstentümer zum Nationalstaat entwickelt und die Reformation und Aufklärung durchlebt. Deutschland ist bekannt als das „Land der Dichter und Denker“. Dazu gehört auch Immanuel Kant, der uns lehrte, dass Freiheit „dieses einzige, ursprüngliche, jedem Menschen kraft seiner Menschheit zustehende Recht“ ist.

Dieses Tor steht seit zwei Jahrhunderten aufrecht, während die Welt um es herum erschüttert wurde: durch den Aufstieg und Fall von Imperien, durch Revolutionen und Republiken und durch Kunst, Musik und Wissenschaft, die das höchste menschliche Streben widerspiegeln, aber auch durch Krieg und Gemetzel, die die Abgründe der Grausamkeiten der Menschen offenlegen.

Hier haben die Berliner trotz größter Widerstände eine Insel der Demokratie geschaffen. Wie bereits angesprochen, wurden sie durch eine Luftbrücke der Hoffnung unterstützt, und wir haben heute die Ehre, den 92-jährigen Colonel Halvorsen – den Original-Rosinenbomber – bei uns zu haben. Wir könnten nicht stolzer auf ihn sein. Ich hoffe übrigens, dass ich mit 92 Jahren auch noch so gut aussehe.

Während dieser Zeit hat der Marschallplan die Saat für ein Wunder bereitet und das Nordatlantik-Bündnis hat unsere Bürger geschützt. Diejenigen in der Nachbarschaft und den Ländern im Osten zogen Stärke aus dem Wissen, dass Freiheit hier in Berlin möglich war – dass die Phasen des Niederschlagens von Widerstand und der Unterdrückung eines Tages überwunden werden könnten.

Kommentare zu " Obama-Rede in Berlin: Freiheit mit Gerechtigkeit"

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  • Obama: teils erfreulich fair – teils unsensibel unfair


    Ich finde es prima, wie Obama sich für Gleichbehandlung aussprach, z.B. ausdrücklich zwischen Hetero- und Homosexuellen.

    Jedoch zeigte er sich im Weltanschauungsbereich erschreckend unsensibel, unfair und spaltend, als er zum Schluss sagte:
    "Gott segne die Deutschen und die Amerikaner". Mit diesen Worten diskriminierte er die sehr vielen Nicht-Gottesgläubigen in Deutschland und USA – genauso wie er andersherum Gottesgläubige diskriminiert hätte, wenn er sich nur an Nicht-Gottesgläubige gewandt hätte!

    Weltanschauungsneutral, menschenrechtskonform und alle Menschen zusammenführend wäre z.B. gewesen:
    "Ich wünsche allen Deutschen und Amerikanern eine recht `Gute Zeit`" (eventuell noch ausdrücklich mit dem Zusatz: – ob sie nun an einen Gott glauben oder nicht).

  • Diese Rede war hohl, voller Allgemeinplätze und Ankündigungen, die er ohnehin wieder nicht erfüllt.
    In die Geschichtsbücher wird diese Rede nicht eingehen.
    Diese Rede hätte Obama überall halten können.
    Was hat das mit Deutschland und vor allem Berlin zu tun?
    Man merkte schon, dass er zu Europa, zu Deutschland keinen Bezug hat
    An die früheren Präsidenten bis einschl. Bush sen. kommt er nicht ran

  • Oliver42
    Ist das Satire oder muß ich das ernst nehmen?
    Dann sind Sie offenbar mit Kleinigkeiten zufrieden, wenn Sie das ernst meinen

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