Obama-Rede in Brüssel
„Die Welt darf das russische Verhalten nicht akzeptieren“

US-Präsident Obama appelliert in einer Grundsatzrede an die Weltgemeinschaft, die Annexion der ukrainischen Krim nicht einfach hinzunehmen. Er sieht die Fortschritte im Völkerrecht in Gefahr – und warnt Russland.
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BrüsselUS-Präsident Barack Obama hat in der Ukraine-Krise die Androhung weiterer Sanktionen gegen Russland bekräftigt. „Wenn die russische Führung auf ihrem jetzigen Kurs bleibt, dann wird sich die Isolation vertiefen. Sanktionen werden zunehmen“, sagte er am Mittwoch in einer Ansprache im Brüsseler Bozar-Kunst- und Kulturzentrum.

In einer feierlichen Grundsatzrede zum Abschluss seines Besuches in der EU-Hauptstadt begründete Obama ausführlich, warum die Welt die Annexion der Halbinsel Krim nicht akzeptieren dürfe. „Russlands Führung greift Wahrheiten an, die noch vor Wochen selbstverständlich waren: dass im 21. Jahrhundert die Grenzen in Europa nicht mit Gewalt neu gezeichnet werden können“, sagte er in Anwesenheit des belgischen Königspaares.

Die Achtung des Völkerrechtes und der freiheitlichen Selbstbestimmung sei auch der Grund, warum sich die USA in dem Konflikt in Osteuropa engagiere. „Ehrlich gesagt – wenn wir unsere Interessen eng auslegen würden, dann könnten wir wegschauen“, sagte Obama. Amerika habe kaum wirtschaftliche Beziehungen zur Ukraine, und US-Bürger seien nicht durch die Invasion bedroht.

„Aber eine solche leichtfertige Gleichgültigkeit würde die Lehren ignorieren, die auf den Friedhöfen dieses Kontinents geschrieben stehen“, sagte der Präsident mit Blick auf die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert. Untätigkeit wäre eine Botschaft, die rund um die Welt gehört würde. „Wir werden mit der Ansicht konfrontiert, dass größere Nationen die kleineren drangsalieren können, um ihren Willen zu bekommen.“

Behauptungen, wonach Amerika die Situation als Rückfall in den Kalten Krieg betrachte, seien falsch. „Anders als die Sowjetunion führt Russland keinen Block von Ländern an, keine globale Ideologie“, sagte Obama. Weder die Vereinigten Staaten noch die Nato suchten einen Konflikt mit Russland.

Es sei ungewiss, was als nächstes in der Ukraine passiere, räumte Obama ein. „Aber ich bin zuversichtlich, dass letztlich die Stimmen für Menschenwürde, für individuelle Rechte und die Macht des Gesetzes triumphieren werden.“ Eine diplomatische Lösung sei weiter möglich.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Obama-Rede in Brüssel: „Die Welt darf das russische Verhalten nicht akzeptieren“"

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  • In der Headline braucht man nur "russische" durch "amerikanische" zu ersetzen. Es wäre ebenso richtig! Wer hat mehr Kriege angezettelt als die USA? Wer hat überhaupt Atombomben kriegerisch benutzt? Wer mischt sich in alle Welt ein? Wer hat Guantanamo immer noch nicht aufgelöst? Wer spioniert seine Freunde maßlos aus? Ich wünschte mir, dass die deutsche Staatspresse mal richtig darüber berichten würde!

  • US-Amerika mischt sich seit ihrem Kriegseintritt in den ersten Weltkrieg in europäische Belange ein.
    Ich meine, dem Selbstbestimmungsrecht sollte absolut der Vorrang eingeräumt werden, die Bevölkerung der Krim muss selbst entscheiden.
    Es geht darum, einen neuen Krieg zu verhindern (man denke an 1914), und es geht um das Selbstbestimmungsrecht der Menschen auf der Krim.
    Die USA sollen aufhören, hier Oberaufseher über europäische Angelegenheiten zu sein.
    Merkel soll den USA sagen, dass ihre Einmischung nur das Potenzial für neues Unheil hat.

  • "„Die Welt darf das russische Verhalten nicht akzeptieren“"

    Ist es nicht bedauerlich, wenn Obama nicht mehr weiß aus welchem Land er kommt?

    Was er gesagt hat, mag man richtig halten oder nicht. Es durfte aber nicht aus seinem Mund kommen.

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