Obama trifft Hu
Keine Spur von Harmonie

Zwischen den Weltmächten China und USA herrscht ein rauher Ton, Herzlichkeit und Harmonie waren beim Treffen der Staatschefs in Peking nicht erkennbar. Und das, obwohl die beiden Ländern bei vielen Themen besser an einem Strang ziehen sollten.
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PEKING. Herzlichkeit ist etwas anderes. Auch strahlende Sieger treten anders auf. Als Barack Obama und Hu Jintao am Dienstagmittag auf das Podium in der Großen Halle des Volkes schritten, hatte man nicht das Gefühl, dass die beiden Staatsmänner sich zuvor beim rund zweistündigen Gespräch auch nur ein Stückchen nähergekommen waren. Der US-Präsident, der bis morgen zu Besuch in Peking weilt, und Chinas Staatschef betraten deutlich getrennt die Szene, die in der nächsten Stunde eher unterkühlt blieb.

Welch eine Wandlung über Nacht: Tags zuvor war Obama vor chinesischen Studenten in Schanghai wie ein lockerer TV-Moderator aufgetreten, hatte gelassen und gekonnt sogar für Chinesen heikle Themen angesprochen. Doch vielleicht war es die Last der Geschichte, die in der pekinger Halle des Volkes sein Gemüt drückte. Oder es war einfach nur sein Gegenüber, der kommunistische Politiker Hu Jintao, der sein Statement emotionslos und mit starrem Blick ablas. Freidenker und Freiredner Barack Obama hielt sich diesmal fest an sein Skript – und an das Rednerpult.

Kurz bevor die beiden Staatschefs auf das mit drei chinesischen und drei amerikanischen Fahnen dekorierte Podium kamen, hatte bereits US-Außenministerin Hillary Clinton beim Betreten des Saals mit ihrer Körpersprache einen Hinweis gegeben, dass die Gespräche für die amerikanische Seite nicht ganz so glatt verlaufen zu sein schienen – ihre säuerliche Miene sprach Bände. Dennoch war es natürlich die Pflicht von Obama, vor der Weltpresse das Treffen und die Ergebnisse zu loben. Die Beziehungen zwischen China und den USA seien für die Zukunft „nie wichtiger gewesen als heute“, erklärte Obama. Gerade die Partnerschaft mit dem Reich der Mitte helfe den USA auf ihrem Weg aus der tiefen Rezession. Beide Seiten wollten die „positiven, kooperativen und umfangreichen“ Beziehungen ausbauen, das Fazit des zuvor schon als „historisch“ gefeierten Treffens. Ein Satz, der irgendwie zu jedem Staatsbesuch passt.

Weder zu den akuten Handels- und Währungsstreitereien noch zu den umstrittenen Atomprogrammen von Iran und Nordkorea konnten die beiden mächtigsten Männer der Welt konkrete Vereinabrungen präsentieren. Immerhin, nach gut einer halben Stunde, gab es zum Thema Klimagipfel dann doch noch Neuigkeiten: Beide Staaten streben nach den Worten von Obama auf dem Klimagipfel in Kopenhagen Anfang Dezember ein umfassendes Abkommen an. Dort müsse eine Einigung erzielt werden, die unmittelbar umgesetzt werden könne, sagte der US-Präsident. Und die beiden größten Energieverbraucher müssten eine Schlüsselrolle in Kopenhagen übernehmen.

Ein wohlwollendes Nicken von Hu Jintao? Ein aufmunternder Blick in Richtung seines Fürsprechers? Fehlanzeige. Wie zur Gipsbüste erstarrt ließ der chinesische Staatschef die US-Agenda scheinbar unbeteiligt neben sich ablaufen. Mit versteinerten Gesicht ließ er auch die erneute Mahnung des US-Präsidenten nach Einhaltung der Menschenrechte und nach einem Dialog mit dem Dalai Lama abperlen. So imprägniert gegen jede Art der Kritik hatte er zuvor in seiner Ansprache auch auf ein Kompliment für den wichtigen Gast aus Amerika verzichtet. Nicht mal ein auflockerndes chinesisches Sprichwort gab es für Obama. Kein gutes Zeichen im dilpomatischen Peking.

Fragen der geladenen Journalisten wurden darum gar nicht erst zugelassen. Und nach einem kurzen und lieblosen Händedruck entschwand der US-Präsident in Windeseile dem Saal. Von der Halle der Volkes zog es ihn in die „Halle der höchsten Harmonie“, die zur nahen Verbotenen Stadt gehört. Der Besuch des alten Kaiserpalastes stand nach dem politischen Treffen mit Hu Jintao auf dem Programm. Und vor der Harmonie-Halle soll Barack Obama in der kalten Nachmittagssonne schon wieder entspannt gelächelt haben.

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