Obama und die Afroamerikaner
„Schwarzes Maskottchen der Wall Street“

Barack Obama weiht heute das Denkmal für den Bürgerrechtler Martin Luther King ein. Zeit für eine Rede, die Hoffnung macht. Denn der US-Präsident hat bei den Afroamerikanern dramatisch an Rückhalt verloren.
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WashingtonBarack Obama wird oft kritisiert für sein unterkühltes, professorales Auftreten. Dass dem US-Präsidenten trotzdem auch mal der Kragen platzt, zeigte er Ende September beim Galadinner des Congressional Black Caucus, einer afroamerikanischen Interessensvertretung. „Hört auf euch zu beschweren, hört auf zu motzen, hört auf zu heulen“, rief er von der Bühne herab. „Streift eure Hausschuhe ab und zieht die Marschstiefel an“.

Eigentlich wollte Obama an jenem Abend seine zuverlässigste Anhängerschaft für den Wahlkampf aufpeitschen, die Afroamerikaner. Doch seine scharfen Worte kamen gar nicht gut an. „Was erlaubt er sich, so etwas zu einer Gruppe Schwarzer zu sagen?“, ereiferte sich der prominente schwarze Talkshow-Gastgeber Travis Smiley.

Nur Tage später moserte Obama zurück. Er sehe „nur eine Handvoll Afroamerikaner, die kritisch ist“, sagte er in einem Interview mit dem Sender Black Entertainment Television (BET). Es gebe eben immer jemanden, dem die Politik des Präsidenten nicht passt.

Es ist kompliziert geworden im Verhältnis zwischen dem ersten farbigen Präsidenten und der Black Community. Während Obama Rassenfragen öffentlich peinlichst vermeidet, fühlen sich die Afroamerikaner zunehmend von ihm im Stich gelassen. In einer Umfrage von ABC News und „Washington Post“ sehen 58 Prozent der befragten Farbigen Obamas Arbeit als „sehr positiv“. Immer noch eine Mehrheit – allerdings waren es vor fünf Monaten noch 83 Prozent.

Keine gute Ausgangslage für die Einweihung des monumentalen Denkmals für den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King am heutigen Sonntag. Dort, am Rande der Prachtmeile National Mall zwischen den Tempeln von Abraham Lincoln und Thomas Jefferson, wird Obama eine lang erwartete Rede halten.

Und die Black Community, die bereits am Samstag zu Tausenden angereist ist, wird gut hinhören, ob ihr der Präsident neue Hoffnung geben kann. Schließlich war es King, der von einem Amerika geträumt hatte, in dem es keine Ungleichheiten mehr gibt.

Doch die Ungleichheit ist 48 Jahre nach jener berühmten Rede immer noch deutlich zu messen. Die Arbeitslosenquote bei Farbigen ist von 11,5 Prozent bei Obamas Amtsantritt auf 16,7 Prozent geklettert – unter Weißen steht sie bei 7,1. Afroamerikaner verdienen mit einem Durchschnitts-Familieneinkommen von knapp 40.000 Dollar deutlich weniger als Weiße (rund 61.000). Und in den Gefängnissen ist jeder Dritte Insasse farbig – dabei liegt der Anteil der Schwarzen an der Gesamtbevölkerung bei nicht einmal einem Zehntel. Die Wirtschaftskrise hat die Lage noch verschlimmert.

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  • Treffender als diese Überschrift kann man Barack Obama wohl kaum beschreiben.

    Mit der Ernennung des unsäglichen Tim Geithner´s zum Finanzminister und der Bestätigung Bernankes als Chef der FED, beides hartgesottene Goldman Sachs Alumni, hat er klar gemacht, das die Parole " Yes, we can" nur als zynischen Werbegag gemeint war.

    Schlechter hätte man es kaum machen können, mit eingebauter 1 Term Garantie.

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