Obama und Syrien
Der Einzelkämpfer

Die Briten gehen von der Fahne, die Uno ist blockiert, zu Hause meutern die Abgeordneten: Ausgerechnet Bush-Kritiker und Friedensnobelpreisträger Obama sieht sich gezwungen, notfalls alleine gegen Syrien loszuschlagen.
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Düsseldorf„Krieg“, sagte Barack Obama einmal im Jahr 2010, „Krieg ist Hölle”. Seien die „Hunde des Krieges“ einmal von der Leine, so der US-Präsident, könne man nicht mehr absehen, wo das alles hinführt. Es ging in dem Interview um Irak und Afghanistan, und Obama sprach über die Fehler seines Vorgängers George W. Bush. Doch schneller als gedacht steht der aktuelle Präsident nun vor einer ähnlich folgenschweren Entscheidung: Sollen die USA ein souveränes Land angreifen oder nicht?

Der Fall liegt heute anders, in diesen Tagen geht es um Syrien und einen Machthaber, der offenbar sein eigenes Volk mit Giftgas massakriert. Und doch es ist eine historische Pointe: Obama, der Gegner des Irak-Krieges und Friedensnobelpreisträger, könnte sehr bald den Befehl für Luftschläge gegen Syrien geben. Und zwar möglicherweise unilateral, also im Alleingang. Ohne Uno-Mandat, und vor allem ohne die eng verbündeten Briten, die am Donnerstag überraschend einen Rückzieher gemacht hatten.

Obama hat im Augenblick weniger Mitstreiter als seinerzeit Bush vor dem Irak-Einmarsch im Jahr 2003, der eine Koalition von 43 „Willigen“ – darunter viele Zwergstaaten – zusammengeschmiedet hatte. Eine Begebenheit, die bereits Bushs ehemaligen Sprecher Ari Fleischer höhnen ließ: „Bushs Angriff war multilateral. Obama, der Bush einen Unilateralisten schimpfte, wird eine unilaterale Attacke gegen Syrien starten“, twitterte er.

Auf Großbritannien jedenfalls kann das Weiße Haus nicht mehr zählen. Nach einer hitzigen Debatte hatte das Unterhaus in London Premierminister David Cameron die Gefolgschaft verweigert. Mit knapper Mehrheit lehnte es das Parlament ab, dem Regierungschef die Vollmachten für einen Militärschlag zu geben. Zu sehr stehen das Volk und viele Abgeordnete offenbar noch unter dem Eindruck der bedingungslosen Gefolgschaft von Ex-Premier Tony Blair zu Bush.

Als Reaktion auf die Abstimmung ließ die US-Regierung umgehend klarstellen: Obama habe sowohl die Entscheidungsgewalt als auch die Entschlossenheit, notfalls allein zuzuschlagen. Dabei werde er sich von den Interessen Amerikas leiten lassen, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden. Und für Syrien gelte das Interesse, dass jede Regierung Konsequenzen spüren müsse, die internationale Regeln über chemische Waffen verletze.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel betonte aber am Freitag noch einmal, dass Obama ein gemeinsames Vorgehen gegen Assad vorziehen würde. „Welche Entscheidung auch immer getroffen wird, sie soll auf internationaler Zusammenarbeit und Bemühung basieren“, sagte Hagel in Manila. Die Uno kann der Präsident aber schon mal vergessen: Gespräche der Botschafter der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat blieben bisher ohne Annäherung zwischen den USA, Großbritannien und Frankreich auf der einen sowie China und Russland auf der anderen Seite. Frankreich zeigte sich bislang zurückhaltend, Deutschland wäre bei einem möglichen Militärschlag laut Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ohnehin nicht dabei.

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  • Generalmajor Adnan Sillu war unter Präsident Baschar al-Assad verantwortlich für das syrische Chemiewaffenprogramm. Im Juli lief er zu den Aufständischen über und flüchtete in die Türkei ins Exil. In einem Interview mit dem US-Sender «National Public Radio» warnte Sillu vor einem «letzten Verzweiflungsakt» Assads. Er ist überzeugt, dass der syrische Präsident den Einsatz von Senfgas, Sarin will. (RIA NOVOSTI)

    Es ist unumstritten daas Vater und Sohn Assad mehrere konventionelle Massaker an der Bevölkerung begangen haben, ob da noch Chemiewaffen benutzt werden ist nebensächlich..
    Saddam ein Baas wie Assad, hat im Inland und Ausland zehntausende Leute vergasen lassen,
    und dass ist ein Fakt. Wo er den Rest der C-Waffen verschickte, vielleicht nach Syrien ?
    Syrien ist deklarierter Verbündeter von Iran
    Die Massaker an der syrischen Bevölkerung, die das Assad Regime und seine Schergen zu verantworten haben, erinnern in auffälliger Weise an die Vorgehensweise des russischen Militärs in Tschetschenien. In den beiden Tschetschenienkriegen wurden unter der Verantwortung von Boris Jelzin und Wladimir Putin völkermordartige Verbrechen an der tschetschenischen Bevölkerung verübt.

  • Der Chef der syrischen Militärpolizei ist zu den Rebellen übergelaufen. In einem Video beschimpft Abdelasis al-Schalal die Soldaten als marodierende und mordende Banden. Die Freie Syrische Armee umfasste im Juni 2013 etwa 80.000 bewaffnete Kämpfer.[5] Im Dezember 2011 gab es nach Angaben der Aktivisten etwa 15.000 bis 25.000 Überläufer von den syrischen Streitkräften


    Generalmajor Adnan Sillu war unter Präsident Baschar al-Assad verantwortlich für das syrische Chemiewaffenprogramm. Im Juli lief er zu den Aufständischen über und flüchtete in die Türkei ins Exil. In einem Interview mit dem US-Sender «National Public Radio» warnte Sillu vor einem «letzten Verzweiflungsakt» Assads. Er ist überzeugt, dass der syrische Präsident den Einsatz von Senfgas, Sarin will.

    Es ist unumstritten daas Vater und Sohn Assad mehrere konventionelle Massaker an der Bevölkerung begangen haben, ob da noch Chemiewaffen benutzt werden ist nebensächlich..
    Saddam ein Baas wie Assad, hat im Inland und Ausland zehntausende Leute vergasen lassen,
    und dass ist ein Fakt. Wo er den Rest der C-Waffen verschickte, vielleicht nach Syrien ?

  • Die Massaker an der syrischen Bevölkerung, die das Assad Regime und seine Schergen zu verantworten haben, erinnern in auffälliger Weise an die Vorgehensweise des russischen Militärs in Tschetschenien. In den beiden Tschetschenienkriegen wurden unter der Verantwortung von Boris Jelzin und Wladimir Putin völkermordartige Verbrechen an der tschetschenischen Bevölkerung verübt.
    Es ist unumstritten daas Vater und Sohn Assad mehrere konventionelle Massaker an der Bevölkerung begangen haben, ob da noch Chemiewaffen benutzt werden ist nebensächlich..
    Saddam ein Baas wie Assad, hat im Inland und Ausland zehntausende Leute vergasen lassen,
    und dass ist ein Fakt. Wo er den Rest der C-Waffen verschickte, vielleicht nach Syrien ?
    Syrien ist deklarierter Verbündeter von Iran
    Mich wundert einfach wenn die Rebellen schon soviel C-Waffen in Damaskus abschussbereit hatten, dann warum haben die das Zeug nicht ins Regierungsviertel abgeschossen und beschiessen sich selbst mit alles möglichem...Es hat immer noch sinnvolle Verschwörungstheorien und sinnlose. Die Kommentare hier sind sehr aufschlussreich, die Wurzeln von Nazismus zu studieren...

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