Obama versus Romney
Büffeln für das große Duell

Der Kampf um die US-Präsidentschaft geht in die heiße Phase. Am Mittwoch treffen Barack Obama und Mitt Romney beim ersten von drei TV-Duellen aufeinander. Für den Republikaner geht es bereits um Alles oder Nichts.
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New YorkEs ist ein bisschen wie damals an der Uni. In jeder freien Minute studieren sie ihre Unterlagen, lernen Fakten und Zitate auswendig und üben dann, das Gelernte frei und schlagfertig vorzutragen. Wenige Tage vor dem ersten Fernsehduell am Mittwoch sind US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney mitten in den Vorbereitungen für ihren großen Auftritt. Nach den Parteitagen sind die drei angesetzten Fernsehduelle die letzten Großereignisse vor dem Urnengang, die die Wahlchancen stark beeinflussen können. Beim TV-Duell könnte die Vorentscheidung für die Wahl fallen. Und in einem knappen Rennen will sich niemand Fehler erlauben. Also wird gepaukt.

Obama nutzt lange Flüge zu Wahlkampfveranstaltungen, um sich vorzubereiten. Wenn er im Weißen Haus ist, packt er nachts seine Unterlagen aus, nachdem seine Töchter zu Bett gegangen sind. Der Präsident, so räumen seine Berater ein, hat zwei große Schwächen: „Er muss lernen, sich kürzer zu fassen“, sagt sein Chefstratege David Axelrod. „In den letzten vier Jahren musste er das nicht.“ Außerdem sei Obama, was das Debattieren angeht, etwas aus der Übung gekommen. Sein letztes Fernsehduell ist vier Jahre her. Romney dagegen hatte in den Vorwahlen 23 Debatten vor laufender Kamera gegen republikanische Konkurrenten wie Newt Gingrich und Rick Perry.

Nach den neuesten Umfragen liegt Obama vorn. Doch das Rennen, heißt es aus beiden Lagern, sei noch längst nicht entschieden. „Jede Kleinigkeit kann die Stimmung kippen“, warnt Obamas Manager Jim Messina. Fünf Wochen vor der Wahl geht es für beide Parteien vor allem darum, die noch unentschlossenen Wähler für sich zu gewinnen. „Das sind vielleicht nur fünf bis sechs Prozent der Wahlberechtigten, aber das reicht aus, um die Entscheidung in die eine oder andere Richtung zu kippen“, sagt Peter Hanson von der University of Denver, in der das Duell am Mittwoch stattfindet. Für Ende der Woche haben Obamas Berater ein dreitägiges „Debate Camp“ angesetzt.

Der Präsident wird sich in einem kleinen Ort in Nevada zurückziehen, um sich ganz auf die Vorbereitungen zu konzentrieren. Der Herausforderer hat meist bessere Chancen, die erste Debatte zu gewinnen. Oft reicht es, wenn er besser abschneidet als erwartet, um in den Augen der Kommentatoren die Debatte zu gewinnen. Und Romney ist gut vorbereitet. Seit Juli trainiert der ehemalige Chef der Private-Equity-Firma Bain Capital für seinen Auftritt am Mittwoch.

Während des Parteitags der Demokraten hat er Medienberichten zufolge eine ganze Woche lang nur für das Duell geprobt. Anders als Obama hat der Republikaner mehr Zeit zur Verfügung, weil er sich neben dem Wahlkampf nicht noch um die laufenden Regierungsgeschäfte im Weißen Haus kümmern muss.

Auch Romney hat Schwächen: Er kommt bei den Wählern weniger sympathisch an als der Präsident und hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit flapsigen Äußerungen selbst geschadet. In einer Debatte während der Vorwahlen etwa wollte er mit Rick Perry um 10.000 Dollar wetten - und musste danach Kritik einstecken, dass er als Multimillionär nicht volksnah genug sei.

Beide Kandidaten haben feste Sparringspartner, mit denen sie Duelle simulieren. Senator John Kerry spielt den Romney für den Präsidenten. Senator Rob Portman mimt Obama in Romneys Trainingsdebatten. Wie es darin zugeht, ist geheim. Portman hatte vor ein paar Tagen lediglich eine Floskel für Journalisten übrig: Romney, versicherte er, „schlägt sich großartig“.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

Kommentare zu " Obama versus Romney: Büffeln für das große Duell"

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  • Danke für den Link auf die Spiegel Online Seite.

    Billonen machen Sinn und ein Denkfehler kann immer mal passieren. Bleibt nur noch der Hinweis, daß es lt. Spiegel Online im Jahr 2008 ca. 10.6 Billionen USD waren, und "um die Wahrheit zu sagen" die Angabe 1950 waren es 11 Trillonen im Kommentar von "SayTheTruth" wirklich unsinnig ist.

  • Im US-Englisch gibt es kein Wort für Milliarde, die wird billion genannt. Und die Billion (deutsch) heißt daher trillion (US-English).
    Aber wenn man in Deutschland postet, sollte man die deutschen Bezeichnungen verwenden.

  • Come on Mitt. Allen transferabhängigen und Leute unter 250.000 $ Jahreseinkommen sollte das Wahlrecht entzogen werden. Dann hätten wir die absolute Mehrheit. Thumbs up for Romney. Romney for President.

    Mein Lebensmotto: Selektion, und survival of the fittest. Punkt aus !

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