Obama vs Romney
US-Wahlkampf wird immer klebriger

Eine gierige Heuschrecke: Das ist das Bild, das Obama von Romney zeichnet. Doch ist er auch ein Krimineller? Während der US-Wahlkampf einen neuen Tiefpunkt erreicht hat, tüftelt das Team Romney an einer Überraschung.
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WashingtonEin guter Wahlkämpfer muss vor allem drei Dinge beherrschen: Er muss gute Ideen haben, gut formulieren und attackieren können, natürlich ein Anführer-Typ sein. Nicht weniger wichtig ist es aber auch, sich jederzeit auf Kommando möglichst glaubwürdig künstlich aufzuregen.

Mitt Romney kann das sehr gut. Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner nutzte in den vergangenen Tagen gleich mehrere Fernsehinterviews, um seine Empörung über Barack Obama in die Welt hinauszurufen. „Lächerlich und unter der Würde eines Präsidenten“, schimpfte Romney. Obama müsse sich gefälligst entschuldigen. Stephanie Cutter, Wahlkampf-Sprecherin des US-Präsidenten und ebenfalls mit viel Talent zum künstlichen Aufregen beschenkt, empfahl dem Romney-Lager dagegen postwendend: „Hört auf zu jammern“.

Was war passiert? Cutter, Obamas Expertin aus der Abteilung Attacke, hatte Romney zuvor indirekt als möglichen Straftäter bezeichnet. Grund: Er habe in seiner Vergangenheit beim Finanzinvestor Bain Capital die US-Börsenaufsicht SEC belogen.

Es sind noch fast vier Monate bis zur Wahl am 6. November, und der Wahlkampf wird immer klebriger. Obama und seine Demokraten sind finanziell deutlich unterlegen, und sie sind froh um jeden Tag, an dem es nicht um die lahme Wirtschaft geht. Deshalb glauben sie ihren Hebel gefunden zu haben: Romneys Vergangenheit als Gründer und Chef von Bain Capital. Das Geschäftsmodell der Bostoner Fima ist es, angeschlagene Firmen zu kaufen, zu restrukturieren und später mit Gewinn wieder zu verkaufen.

Es ist eine Anti-Kampagne, und die Botschaft ist so simpel wie verfänglich: Romneys Erfahrungen in der privaten Wirtschaft, auf die er so stolz ist, bestehen in Wahrheit allein aus hohen Profiten für Bain und seine Investoren – auf Kosten abgegraster und ruinierter Firmen und Tausenden Menschen, die ihre Jobs verloren. Der Multimillionär sei reich geworden auf dem Rücken schuftender Amerikaner, und sollte er die Wahl gewinnen, würden nur die Reichen profitieren. „Wir brauchen keinen Präsidenten, der Jobs nach Übersee verlagert“, sagte Obama am Montag auf einer Wahlveranstaltung in Ohio.Aber Romney als Straftäter?

Der jüngste Streit macht deutlich, wie verbissen die Demokraten auf Romneys Schwachpunkt herumreiten. Es geht es um die Frage, wann der Geschäftsmann Bain verlassen hat. 1999, wie Romney behauptet, oder doch erst 2002? Die Frage ist nicht so harmlos, wie sie klingt: Sollte das spätere Jahr richtig sein, wäre Romney mitverantwortlich für alle Jobs, die unter Bain-Ägide stehende Unternehmen bis dahin gestrichen oder ins Ausland verlagert hat.

Das Romney-Lager besteht darauf, dass der Kandidat ab 1999 nichts mehr mit Bain zu tun gehabt habe. Obamas Team dagegen zitiert genüsslich auch einem Bericht des „Boston Globe“, wonach Romney noch bis 2002 als CEO und Verwaltungsratschef bei der SEC eingetragen gewesen sei. Cutters entwaffnende Logik: Entweder sei man der Chef und verantwortlich, oder man sei es nicht. Beides zusammen sei unmöglich. Folglich, so Obamas Wadenbeißerin, habe Romney vielleicht die SEC getäuscht und damit Gesetze gebrochen. Was Cutter ignoriert: Unabhängige Fakten-Checker geben Romney Recht.

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