„Obamacare“-Webseite
Obama verteidigt sein Pannen-Projekt

Krude Fehlermeldungen, Blackouts, endloses Warten: Viele Amerikaner wollen von Obamas Mammut-Gesundheitsreform profitieren, doch auf der Anmeldungs-Webseite herrscht seit Wochen Chaos. Der US-Präsident gelobt Besserung.
  • 0

New YorkEs passiert nicht gerade häufig, dass ein US-Präsident wegen einer nicht funktionierenden Webseite vor seinem Volk in Sack und Asche geht. Barack Obama tat dies am Montagnachmittag. „Die Seite läuft nicht so glatt wie sie sollte“, sagte er im Rosengarten vor dem Weißen Haus. Zu langsam sei sie, habe Aussetzer und die Nutzer blieben stecken, wofür es „keine Entschuldigung“ gebe. „Niemand ist darüber mehr frustriert als ich“, sagte der Präsident.

Eigentlich ging es bei Obamas Ansprache um die tollen neuen Möglichkeiten seiner Gesundheitsreform. Doch im Mittelpunkt steht seit Tagen eine große Peinlichkeit: Die Webseite Healthcare.gov, Herzstück des Mammut-Projekts, funktioniert nicht richtig. Die Bürger fluchen, inzwischen kümmert sich eine eigens eingesetzte Task Force um das Problem. Für die Gegner sind die Pannen ein unerwartetes Geschenk: Seit Jahren kämpfen die Republikaner mit allen Mitteln gegen die Reform – und sie haben sich noch lange nicht damit abgefunden. Mit den Technik-Problemen haben sie nun einen weiteren Anlass für Kritik am verhassten „Obamacare“ frei Haus bekommen.

„Schickt die Air Force One ins Silicon Valley, holt ein paar schlaue Leute an Bord, bringt sie nach Washington und löst das Problem“, wetterte der republikanische Senator John McCain am Sonntag im TV-Sender CNN. „Es ist lächerlich. Und jeder weiß das“. Die zuständige Behörde bemühte sich derweil, den Zorn im Land zu dämpfen. „Unser Team bringt einige der Besten und Klügsten innerhalb und außerhalb der Regierung zusammen“, um das Problem zu lösen, hieß es in einer Mitteilung.

Die Pannen sind besonders peinlich, weil der wichtigste Teil des „Affordable Care Acts“ (zu deutsch etwa: „Erschwingliche-Gesundheitsversorgungs-Gesetz“) gerade erst mit großem Pomp angelaufen ist. Die Reform, die ab dem 1. Januar 2014 jeden Amerikaner verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen und damit auch den bis zu sieben Millionen Unversicherten Schutz geben soll, ist Obamas Vermächtnis, sein wichtigstes Projekt. Doch mit den Pannen mit der Webseite ist der Start ist gründlich misslungen.

Die Seite Healthcare.gov, die am 1. Oktober an den Start ging, ist der zentrale Anlaufpunkt für die Bürger, die von der Reform profitieren wollen. Sie ist eine Art Marktplatz: Jeder, der nach dem neuen Gesetz eine Krankenversicherung abschließen will, kann sich zunächst dort anmelden und muss dann unzählige Daten über sich eintragen. Auf dieser Grundlage erscheinen dann maßgeschneiderte Angebote von Versicherungen, die der Kunde kaufen kann. Die Assekuranzen, das ist eine der entscheidenden Neuerungen, müssen alle Versicherten aufnehmen, auch mit Vorerkrankungen.

Seite 1:

Obama verteidigt sein Pannen-Projekt

Seite 2:

„Ein politisches Geschenk, das uns weiter versorgt“

Kommentare zu " „Obamacare“-Webseite: Obama verteidigt sein Pannen-Projekt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%