Obamas Drohnenkrieg
Die Drohne als Wahlkampfhilfe

Wenn Barack Obama ja sagt, startet irgendwo auf der Welt eine Drohne und tötet mutmaßliche Terroristen. Der Friedensnobelpreisträger spricht wenig über diesen geheimen Krieg - doch die Erfolge kann er im Wahlkampf gut gebrauchen.  
  • 18

WashingtonWenn Barack Obama einmal nicht weiterwissen sollte, hilft ihm vielleicht ein Rat seines Vorgängers George W. Bush. Der Ex-Präsident war Anfang Juni ins Weiße Haus geladen, um ein Ölportrait von sich einzuweihen. „Wenn Sie durch diese Gänge laufen und mit harten Entscheidungen ringen“, sagte Bush väterlich zu Obama, können Sie dieses Porträt angucken und fragen: ,Was würde George tun`?“

Es war als Witz gemeint, aber nicht alle können darüber lachen. Viele Amerikaner, die 2008 einen friedensbewegten, auf Ausgleich bedachten Obama gewählt hatten, sind enttäuscht. Sie  sehen in ihrem einstigen Idol nicht mehr viel mehr als einen Wiedergänger des verhassten Kriegs-Präsidenten Bush. „Sie haben die tödliche Präsidentschaft erschaffen“, klagte der bekannte Journalist Tom Junod vor einigen Tagen in einem Aufsehen erregenden Artikel im US-Magazin „Esquire“ an.

Zwar hat der demokratische Hoffnungsträger den Irak-Krieg beendet und hält an seinem Plan fest, bis spätestens 2014 die Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen setzte Obama auch der Folter als Verhörmethode ein Ende und verfügte, die CIA-Geheimgefängnisse in aller Welt zu schließen. Dafür und für alles Weitere, was Obama anders machen wollte als Bush, erhielt er gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft den Friedensnobelpreis.

Doch bei seiner Dankesrede in Oslo stellte der Laureat ebenfalls klar, dass er kein Beschwichtiger sein will: „Das Böse existiert in dieser Welt“, sagte Obama. Hitler sei schließlich nicht gewaltlos zu stoppen gewesen, und Verhandlungen allein könnten Anführer der Al-Kaida nicht dazu bewegen, ihre Waffen niederzulegen. „Gewalt ist manchmal nötig“, so der Präsident.

Und so führt Obama Bushs Krieg gegen den Terror, wenn auch mit weniger grober Rhetorik („Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“), mit ebenso großer Härte weiter. So ist das Militärgefängnis Guantanamo noch immer in Betrieb, auch wenn keine neuen Gefangenen nachkommen. Statt dessen machen die USA mit Terrorverdächtigen nun direkt kurzen Prozess: CIA und US-Militär führen in Pakistan, Jemen oder Somalia einen blutigen Drohnenkrieg, und Obama ist der oberste Kriegsherr. 

Unter seiner Führung sind die unbemannten, von Militärbasen in den USA aus gesteuerten „Predators“ und „Reapers“ zu einem der wichtigsten Instrumente in dem asymmetrischen Krieg geworden. Allein in Pakistan gab es laut unabhängiger Statistiken mehr seit Obamas Amtsantritt mehr als 280 solcher Einsätze – mehr als sechs Mal so viele wie unter Bush.  Bis zu 3200 Tote soll es dabei gegeben haben, und Obama schreckte sogar nicht einmal davor zurück, US-Staatsbürger töten zu lassen. Das Ergebnis: Die halbe Führungsebene von Al-Kaida wurde von den USA unschädlich gemacht.  

Seite 1:

Die Drohne als Wahlkampfhilfe

Seite 2:

Obamas Bilanz bringt die Gegner zum Schweigen

Kommentare zu " Obamas Drohnenkrieg: Die Drohne als Wahlkampfhilfe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer sind "wir"? Terrorismus geht in den meisten Fällen von Einrichtungen eines Staates aus, was die Finanzierung, Logistik und Bewaffnung angeht. Saudiarabien und Pakistan sind die bekanntesten aber auch britische, französische und amerikanische Geheimdienste stecken tief drin. Terrorismus ist der neue Name für das, was früher Kleinkrieg hieß.

  • Sie sind ernsthaft der Meinung wir sollten von den Terroristen in Sachen, Recht, Gerechtigkeit und auch bei der Gewalt lernen und ihre Methoden adaptieren? Ich möchte sie gerne falsch verstanden haben. Was unterscheidet dann uns bzw. unseren Staat, bei Anwendung von Gewalt nach terroristischem Muster von eben dieser Bagage?

    Populismus? Wenn sie bittere Satire nicht von Populismus unterscheiden können, dann sind sie offenbar einer Propagandamaschine erlegen und da fehlt ein wenig Differenzierungsvermögen. Und wenn sie eines Tages in einer Diktatur wieder aufwachen, dann könnte ich mir vorstellen, dass auch sie von nichts gewusst haben wollen. Aber so ist das, des Menschen Wille ist sein Himmelreich, auch wenn er an der Nase ins falsche geführt wurde und von Dritten denken lässt.

    Nichts desto trotz wünsche ich Ihnen auch ihnen eine wirklich friedliche Zukunft und dass uns alle das Geschenk der Freiheit erhalten bleibt, welches ich inzwischen mehr von innen als von außen bedroht sehe.

  • "Das es Al Kaida gibt wird wohl keiner mehr bezweifeln wollen"

    Oh doch! Und durch die immer wiederkehrende Behauptung, daß Al Kaida hinter iregendetwas stecke (oder jemand, der Al Kaida nahesteht oder jemand, der jemanden kennt, dessen Bruder einen Hund hat, der schon mal an die Tülltonne eines ehemaligen Al Kaida Führers gepinkelt hat) wird das Märchen auch nicht wahrer. Genausowenig wie die lächerliche Geschichte von der angeblichen SEALS-Aktion gegen Osama bin Laden. Ich lache heute noch herzhaft darüber. Zum Zeitpunkt dieser "Aktion" war er bereits mehr als 10 Jahre tot. Ihn dann schleunigst im Meer zu versenken ("wie es der islamische Brauch vorschreibt" - jetzt lachen neben mir auch noch alle Moslems) war auch nicht besonders clever.

    So, jetzt habe ich keine Lust mehr, mich noch weiter mit Ihrer Propaganda zu befassen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%