Obamas Waffengesetze
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Mit seinen Reformen zum Waffenrecht hat US-Präsident Obama einen Kulturkampf losgetreten. Trotz gewaltiger Widerstände scheint er entschlossen, das Gewaltproblem im Land endlich anzugehen. Nie waren die Chancen besser.
  • 16

New YorkDer Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten. Kaum hat US-Präsident Barack Obama seine Vorschläge zur Verschärfung des Waffenrechts vorgelegt, feuern konservative Politiker, Kommentatoren und Waffen-Lobbyisten aus allen Rohren. Obama, reden sie sich kollektiv in Rausch, habe nun sein wahres Gesicht gezeigt: Wie ein Diktator wolle er den Amerikanern die Grundrechte rauben und habe nun den ersten Schritt seines finsteren Masterplans getan – gesetzestreuen Bürgern ihre Waffen wegzunehmen.

Der Präsident hat am Mittwoch einen Kulturkampf losgetreten, und noch ist es völlig offen, ob er ihn gewinnen kann. Die Front der Gegner ist mächtig, und sie wird gestärkt von einflussreichen Lobbygruppen wie der National Rifle Organisation (NRA), die ihre Mitglieder schon zum „Kampf des Jahrhunderts“ gegen Obama aufgerufen hat. 

Für Außenstehende wirkt das hysterisch. Obamas Vorschläge, den Umgang mit Waffen in Amerika sicherer zu machen, sind ja in Wahrheit nur kleine Änderungen an geltenden Regeln. Den Zweiten Verfassungszusatz, der das Recht auf den Besitz von Pistolen und Gewehren garantiert, stellen sie gar nicht infrage.

Unter anderem will der Präsident den Kongress dazu bringen, die Hintergrundchecks bei Waffenverkäufen auszudehnen. Welcher gesetzestreue Hobbyschütze könnte etwas dagegen haben? Das Verbot von halbautomatischen Sturmgewehren soll erneuert werden. Wer braucht so eine Kriegswaffe? Schließlich plant Obama einen Bann für Magazine mit mehr als zehn Patronen. Reicht das nicht aus für die Jagd?

Das sind die Reformen, für die Obama nun eine Mehrheit im Kongress organisieren muss. Und dort wird er es schwer haben: Im von den Republikanern dominierten Repräsentantenhaus ohnehin, aber selbst im von Demokraten beherrschten Senat gibt es viele Parteifreunde, die aus Überzeugung oder Angst vor Abwahl jede Verschärfung des Waffenrechts ablehnen.  

Seite 1:

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Seite 2:

Obama scheint entschlossen zum Kulturkampf

Kommentare zu " Obamas Waffengesetze: Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zum Thema Waffenbesitz, gibt es auf der Seite http://jagdblut.de sehr interessante Artikel unter dem Menuepunkt: Waffen- und Jagdrecht.

  • Gut möglich, daß die ganzen Verbote etwas helfen. Aber war denn nicht auch zuvor schon verboten, daß nicht Volljährige wie der Lanza mit Halbautomaten Schulkinder erschießen?

    Bin gespannt, wie in einem Land, das sich auf Völkermord und Vertreibung gründet, die Bewaffnung verringert werden soll....

  • @HB redaktion
    Ein Lob auf Ihre Toleranz und Geduld, (...)Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%