Obamas zweite Amtszeit: Von Mr. Change zu Mr. Basta

Obamas zweite Amtszeit
Von Mr. Change zu Mr. Basta

„Hope“ war gestern: In seiner zweiten Amtszeit ist ein neuer, kompromissloser Obama zu beobachten, der um sein Erbe kämpft. Doch will er als erfolgreicher Präsident in die Geschichte eingehen, wird ihm das nicht helfen.
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WashingtonFast hätte man es ja schon wieder vergessen. Doch die Heerscharen an Farbigen, die am Sonntag mit Bussen und Zügen nach Washington strömten, gut gelaunt mit ihren Obama-Mützen und Buttons und Plakaten mit Obama und Martin Luther King, sie erinnern daran, dass ihr Idol schon 2009 durch bloßes Handheben Geschichte geschrieben hat: An jenem Tag, als er als erster schwarzer Präsident der USA seinen Amtseid ablegte.

Wenn Obama nun an diesem Montag auf den Stufen des Kapitols seine zweite Amtszeit öffentlich einläutet, wird es um die Ergebnisse seiner Politik gehen, wie die Geschichtsbücher einmal über sie urteilen werden. Um dieses Erbe wird Obama in den kommenden vier Jahren kämpfen, so wie es seine Vorgänger in ihrer zweiten Amtszeit getan haben.

Was jetzt schon deutlich wird: Er will hart kämpfen um sein Erbe. Obama hat sich verändert, seit seiner Wiederwahl tritt er deutlich aggressiver auf, bestimmend, zuweilen selbstherrlich. Er scheint entschlossen, seine Politik durchzufechten und keine Rücksicht zu nehmen auf einen Kongress, in dem die gegnerischen Republikaner reflexartig jeden Vorschlag aus dem Weißen Haus ablehnen.

Obamas Versprechen, die politischen Lager zu versöhnen, seine Sehnsucht nach Kompromissen und der utopische Wunsch, Washington zu verändern – all das hat der Präsident im Laufe seiner ersten Amtszeit aufgegeben. An „Hope“ und „Change“ und „Yes, we can“ glaubt längst niemand mehr. „Basta“ könnte das Motto der kommenden vier Jahre werden.

Am deutlichsten zeigte Obama dies vergangene Woche, als er seine Reformen der Waffengesetze vorstellte. Nicht weniger als 23 Direktiven unterschrieb er da live vor einem Millionenpublikum, für die er keine Zustimmung des Kongresses benötigt. Die Waffengewalt im Land, so Obamas Botschaft, gehört nach dem Amoklauf von Newtown zu seinen Top-Prioritäten. Er versuchte erst gar nicht wirklich, bei den Gegnern für seine Vorstellungen zu werben, weil sie sie ohnehin ablehnen würden.

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