Obasanjo beugt sich internationalem Druck
Liberias Ex-Präsident Taylor in Nigeria gefasst

Nach massivem internationalem Druck ist der in Nigeria untergetauchte mutmaßliche Kriegsverbrecher und Ex- Präsident von Liberia, Charles Taylor, kurze Zeit nach seinem Abtauchen festgenommen worden. Der ehemalige Rebellenführer und Präsident von Liberia wurde im Süden des Landes nahe der Grenze zu Kamerun festgenommen, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch mitteilte.

HB ABUJA/NAIROBI. Taylor habe versucht, am frühen Mittwochmorgen in einem goldfarbenen Geländewagen mit Diplomatenkennzeichen die Grenze nach Kamerun zu überqueren, berichtete Mohamed Bello, ein Einwanderungsbeamter in der Stadt Maiduguri im Nordosten Nigerias. Er sei zusammen mit seiner Frau festgenommen worden, sagte Bello. Als die Beamten ihn kontrollieren wollten, seien die Fahrer seiner Motorradeskorte geflohen. Taylor habe ein traditionelles weißes Gewand getragen.

Der Weltsicherheitsrat in New York hatte sich am Dienstag „besorgt“ über Taylors Verschwinden geäußert. Die USA hatten von Nigeria Auskunft über den Verbleib Taylors verlangt und die Forderung bekräftigt, ihn an das von den UN unterstützte Sondergericht für Sierra Leone zu überstellen. Nigerias Präsident Olusegun Obasanjo hielt sich am Mittwoch in den USA auf. Das Weiße Haus hatte am Dienstag nicht bestätigen wollen, dass es tatsächlich zu einem geplanten Treffen mit US-Präsident George W. Bush kommen würde.

Taylor hatte in Nigeria Zuflucht gesucht und hielt sich zuletzt in einem Haus in der Stadt Calabar auf. Dort lebte er seit 2003 im Exil. Unter internationalem Druck erklärte sich die Regierung von Präsident Obasanjo erst am Samstag bereit, Taylor an ein Tribunal der Vereinten Nationen in Sierra Leone auszuliefern, das ihm Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwirft. Auf der Fahrt zum Flugplatz von Port Harcourt stoppte der bewachte Konvoi, und Taylor wurde die Flucht ermöglicht.

Nach der Festnahme Taylors war zunächst unklar, wohin er gebracht werden sollte. Als Liberia seine Auslieferung aus dem Exil in Nigeria beantragte, bot das Land an, er könne von liberianischen Sicherheitskräften abgeholt werden. Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf lehnte dies wegen Sicherheitsbedenken ab. Sie sprach sich dafür aus, ihn an das Sondergericht für Sierra Leone auszuliefern.

Taylor hatte von 1991 bis 2001 eine maßgebliche Rolle im Bürgerkrieg von Sierra Leone. Dabei soll er auch den Einsatz von Kindersoldaten vorangetrieben haben. Danach nahm er am Bürgerkrieg in Liberia teil und übernahm zeitweise die Präsidentschaft dieses Staates. Er soll unter anderem die Rebellenbewegung RUF in Liberias Sierra Leone unterstützt haben, die dafür bekannt war, ihren Opfern beide Arme abzuschlagen oder die Lippen abzuschneiden. Die Rebellen wollten durch Terror ganze Landstriche entvölkern, in denen Diamantvorkommen vermutet wurden. Taylor soll sich am illegalen Handel mit so genannten Blutdiamanten massiv bereichert haben.

Der Bürgerkrieg in Liberia wurde 2003 mit einem Friedensabkommen beendet, das Taylor ein Asyl in Nigeria einräumte. Die neue liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf forderte jedoch die Auslieferung Taylors, um seinen Prozess vor dem internationalen Tribunal zu ermöglichen.

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