0 Bewertungen
26.06.2008 
Urteil

Oberstes US-Gericht bestätigt Recht auf Waffenbesitz

von Markus Ziener

In einer historischen Entscheidung hat das Oberste Gericht der USA das Recht zum Tragen von Waffen gestärkt. Danach ist das Verbot von Handfeuerwaffen, wie es in der US-Hauptstadt seit Jahrzehnten gültig war, unzulässig.

Eine besondere Beziehung: US-Bürger und Waffen. Foto: apLupe

Eine besondere Beziehung: US-Bürger und Waffen. Foto: ap

WASHINGTON. Mit einer Stimme Mehrheit entschied das Gericht, dass diese Regelung nicht in Einklang mit dem zweiten Verfassungszusatz stehe. Dieser erlaubt weitgehend das Tragen von Waffen in den USA. Das Votum des Supreme Court hat Wirkung über Washington hinaus, da es nicht nur für die Hauptstadt gilt.

Die Verantwortlichen im Hauptstadtbezirk hatten in der Vergangenheit immer wieder damit argumentiert, dass die besonderen Sicherheitsanforderungen in Washington andere Maßnahmen erforderten. Umgekehrt hatten nun aber Bürger der Hauptstadt genau aus diesem Grund die Regelung angefochten. Sie glauben, dass sie sich vor Gewalt besser schützen können, wenn sie sich mit Pistolen und Revolvern ausrüsten können. Tatsächlich war es gerade in den vergangenen Wochen in Washington zu einer langen Mordserie gekommen. So wurden im Nordosten Washingtons allein in einer Nacht sieben Menschen Opfer von Gewalttaten. Die Polizei riegelte daraufhin ganze Stadtteile ab.

Insbesondere die Republikaner hatten dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama wiederholt vorgeworfen, die Freiheit des Waffentragens einschränken zu wollen. Für Obama war dies ein heikles Thema, da viele Amerikaner auf diesem Gebiet keine Begrenzungen dulden wollen.

Tatsächlich aber könnte das Urteil aber nun dafür sorgen, dass das Thema aus dem Wahlkampf verschwindet. Wenn das Oberste Gericht in der Sache so grundsätzlich entscheidet, dann hat der Präsident ohnehin so gut wie keine Handhabe zu Änderungen.

Das zentrale Argument der Befürworter der Freigabe von Handfeuerwaffen war, dass ein Verbot nicht automatisch zu weniger Todesfällen führe. So gab es 1976, im Jahr vor dem Verbot, in Washington 135 Morde, die auf den Einsatz von Waffen zurückgehen. In 2007 dagegen fielen trotz der Beschränkungen 143 Menschen Kugeln aus Handfeuerwaffen zum Opfer. Allerdings: Da geschätzt wird, dass in den USA insgesamt rund 250 Mill. Schusswaffen in Umlauf sind, würde es ohnehin viele Jahrzehnte dauern, bis deren Zahl spürbar zurückgeführt wäre.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Barak Obama und John McCain – diese Namen kennt mittlerweile jeder. Kein Wunder, denn nie war der Rummel um die US-Präsidentschaftswahl größer. Doch wissen Sie eigentlich, wer sich neben Obama und McCain noch um das höchste Amt der Vereinigten Staaten bewirbt? Bildergalerie 

  • Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahl...

    Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahlen

    Die Wahl des Kandidaten der Partei Die Linke, Peter Sodann, zum dreizehnten Bundespräsidenten ist unwahrscheinlich. Auch in der Vergangenheit gab es wenig aussichtsreiche Kandidaturen. Die Liste der Verlierer ist lang und beinhaltet namhafte Persönlichkeiten. Doch eini...Bildergalerie 

  • So will Deutschland die Banken retten

    So will Deutschland die Banken retten

    Eine Katastrophennachricht jagt die nächste und auch den Politikern in Deutschland ist inzwischen klar geworden, dass Versprechungen allein die Finanzkrise nicht aufhalten können. In einer Dringlichkeitssitzung beschloss das Bundeskabinett, der Finanzbranche mit fast e...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Im Auge des Hurrikans 

15.10.2008Global Reporting

Schon gerettet? Nicht alle glauben daran. Wir seien erst im Auge des Hurrikans, schrieb am Montag angesichts des Börsenfeuerwerks ein Kolumnist auf dem griechischen Wirtschafts-Portal reporter.gr – der Skeptiker dürfte Recht behalten. Inzwischen zeigt sich: das Feuerwerk war ein Strohfeuer. Blog


weiterMadagaskar

Vorbild für alle Blogger 

14.10.2008Madagaskar

Paul Krugman ist nicht nur der fundierteste Bush-Kritiker überhaupt und Nobelpreis-gekrönter Ökonom, sondern auch ein Blogger. Und ein bescheidener noch dazu - was eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Blog


Handelsblatt - Themen des Tages