Obskure Abhebungen
Datenpiraten entern Sarkos Privatkonto

Die französischen Sparkassen - bisher der Hort der Solidität - haben im Zuge der Finanzkrise 600 Mio. Euro mit Derivaten verzockt. Prompt flog Sonntag der Vorstand raus. Und selbst die Konten des Staatspräsidenten scheinen heute nicht mehr sicher: Denn Trickbetrüger haben sich die privaten Kontendaten von Staatschef Nicolas Sarkozy ergaunert - und gingen damit auf Einkaufstour.

PARIS. Ungeheuerlich: Da stemmt sich Sarko auf der Weltbühne der Hochfinanz gegen den Finanzsturm, organisiert Krisengipfel und Rettungspläne - und hinter den Kulissen ziehen Betrüger klammheimlich Sarkozy virtuell das Geld aus der Tasche, ohne, dass er es merkt. Der Elysée-Palast teilt schmallippig mit, dass der Staatspräsident im September die Unregelmäßgkeiten auf seinem Privatkonto bemerkt hat und sofort Strafanzeige erstattete.

Zugegeben: Verglichen mit Frankreichs Rettungspaket für die heimischen Banken, das 360 Mrd. Euro umfasst, scheint das Volumen des präsidialen Konto-Betruges mit den berühmten "Peanuts" vergleichbar. Der "Figaro" zitiert Ermittlerkreise, die von mehreren kleineren Abhebungen sprechen, um Mobilfunkverträge abzuschließen.

Die Monstrosität der Tat jedoch begründet sich weniger auf die entwendeten Summen, sondern eher mit dem Opfer: Nicolas Sarkozy persönlich. Wenn schon der Staatspräsident vor solchen Datenpiraten nicht sicher ist, wie soll dann der gemeine Staatsbürger noch Vertrauen in die Sicherheit des französischen Bankensystems haben, das in diesen Tagen sowieso schon empfindlich erschüttert ist.

Immerhin: Frankreichs Staatschef scheint nicht Ziel einer genialen Hackerbande geworden zu sein; eher haben gewöhnliche Datendiebe rein zufällig Sarkozys Kontendaten in die Finger bekommen. Das erklären zumindest die Ermittler, die sagen, dass die Betrüger "wohl keine Ahnung davon hatten, dass es sich um die privaten Kontodaten des Präsidenten handelt."

Der präsidiale Datenklau lenkt damit die Aufmerksamkeit auf ein Phänomen, das keine Krise kennt. Denn laut französischem Innenministerium nimmt die Zahl solcher Daten-Betrugsfälle zu. Im vergangenen Jahr um stolze zehn Prozent. Schon beeilt sich Re-gierungssprecher Luc Chatel, der zugleich Minister für Verbraucherfragen ist, zu versprechen, mit den Banken über die Sicherheit von Kartendaten und Onlinetransaktionen sprechen zu wollen. Schwacher Trost für Sarko: Normalerweise müssen Banken bei solchen Datendiebstahl für den Schaden aufkommen.

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