Obwohl Bush mehr als 100 Milliarden Dollar einplant, fehlen Mittel vor Ort: Kosten für Irakeinsatz explodieren

Obwohl Bush mehr als 100 Milliarden Dollar einplant, fehlen Mittel vor Ort
Kosten für Irakeinsatz explodieren

Trotz gewaltiger Ausgaben für den Irakeinsatz gerät die US-Armee in Schwierigkeiten, die Versorgung ihrer Soldaten sicherzustellen. Dem obersten US-Militär im Irak, General George Casey, fehlen vier Mrd. Dollar (rund drei Mrd. Euro) für die Grundversorgung der über 150 000 US-Soldaten. Die Lücke ergebe sich, weil der Hauptvertragspartner Halliburton der Armee höhere Kosten in Rechnung stelle als erwartet, sagte Casey dem Wall Street Journal.

WASHINGTON/BAGDAD. Die Halliburton-Tochter Kellogg Brown & Root (KBR) versorgt im Auftrag der US-Regierung die US-Truppen - von KBR-eigenen Kantinen bis hin zu Telefonzentralen. Diese Dienstleistungen werden immer teurer, je länger der Irakeinsatz anhält - und je intensiver der Widerstand wird. Im Dezember legte KBR dem US-Verteidigungsministerium einen Kostenvoranschlag für ein weiteres Jahr ab 1. Mai 2005 vor. Demnach würde die Grundversorgung rund 10,5 Mrd. Dollar kosten. Die Armee hat nur 3,6 Mrd. eingeplant - somit fehlen dem US-Kommandeur sieben Mrd. Dollar. "Es wäre gelogen zu sagen, dass wir uns keine Sorgen machen würden", sagte Casey. Die Armee kritisiert Halliburton, die Kosten eskalieren zu lassen: "Da macht sich jemand falsche Vorstellungen und die Kosten explodieren", so Casey.

Gleichzeitig streitet das Pentagon mit Halliburton um Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung und Verbuchung diverser Leistungen. In einem Brief an die Budget-Verantwortlichen in der Armee bezeichnete Casey die Kalkulation Halliburtons für die logistische Unterstützung als "unbezahlbar". Der Ärger zwischen der Armee und dem Konzern zeigt, wie dramatisch die Lage auf der Kostenseite für das US-Verteidigungsministerium geworden ist. Gegenüber den Kalkulationen, die die US-Regierung vor der Invasion im März 2003 aufgestellt hatte, haben sich die Ausgaben längst verdoppelt.

Ursprünglich schätzte das Weiße Haus die Kosten für den Irakeinmarsch auf unter 100 Mrd. Dollar. Doch nun will Präsident George W. Bush dem US-Kongress einen weiteren Nachtrags-Haushalt von 80 Mrd. $ vorlegen - hauptsächlich zur Deckung der operativen Kosten im Irak. Dadurch wachsen die Ausgaben für den Irak allein im Haushaltsjahr 2005/06 auf über 100 Mrd. Dollar. Die Gesamtkosten für die Kriege in Afghanistan und Irak werden damit auf fast 300 Mrd. Dollar steigen.

Zudem kommt jetzt ein weiteres Problem auf das Pentagon zu: Finanzprüfer werfen dem Verteidigungsministerium vor, irakische Gelder schlecht verwaltet zu haben. Nach dem Bericht des Generalinspekteurs für den Wiederaufbau im Irak, Stuart Bowen, fehlen für neun Mrd. Dollar, die aus dem nationalen irakischen Haushalt stammten, ordnungsgemäße Belege. In der Kritik steht die Zivilverwaltung unter Leitung des Amerikaners Paul Bremer, die bis zur Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung im vergangenen Sommer den Irak kontrollierte. Bremer weist die Vorwürfe zurück.

Doch trotz der hohen Kosten ist Bush offenbar nicht bereit, an seiner Irakpolitik Abstriche zu machen - im Gegenteil: Im Etatentwurf, der kommende Woche im Kongress vorgestellt wird, schlage der Präsident vor, den Angehörigen von getöteten US-Soldaten 100 000 Dollar zu zahlen. Zurzeit liegt das Sterbegeld bei 12 420 Dollar.

Rumsfeld forciert Forschung zu Mini-Atombomben

bac WASHINGTON. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld will die Entwicklung von Mini-Atombomben erforschen, die vor der Explosion tief ins Erdreich eindringen. Mit den so genannten "Bunker Busters" plant das Pentagon die Zerstörung von Terror-Zielen, die in Bergmassiven verborgen sind. In einem Memo an Ex-Energieminister Spencer Abraham vom 10. Januar habe sich Rumsfeld für die Bereitstellung neuer Mittel für das Haushaltsjahr 2006 stark gemacht, berichtete gestern die "Washington Post". Nach Angaben des Energieministeriums sei zu erwarten, dass hierfür 10,3 Mill. Dollar reserviert würden.

Dem 2002 begonnenen Forschungsprogramm hatte der Kongress Ende 2004 die Gelder gestrichen. Die Parlamentskammer hatte sich dagegen gesträubt, dass die Regierung die Bomben bis 2009 nicht nur erforschen, sondern bereits produzieren wolle. Die Gesamtkosten sollten sich auf 500 Mill. Dollar belaufen. Kritiker monieren unter anderem, dass durch die "Bunker Buster" Tonnen von radioaktivem Müll in die Atmosphäre geschleudert würden.

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