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09.06.2008 
Nach dem Welternährungsgipfel

OECD fordert „weltweite Sozialhilfe“

von Peter Thelen

Die Kritik fällt scharf aus: Der Welternährungsgipfel in Rom sei enttäuschend und schwer erträglich, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Industrienationen täten viel zu wenig gegen die Nahrungsmittelkrise. Auch in Sachen Biosprit hat die OECD ein klare Position.

Bares Geld helfe am besten gegen die Hungerkrise, sagt die OECD. Foto: ReutersLupe

Bares Geld helfe am besten gegen die Hungerkrise, sagt die OECD. Foto: Reuters

BERLIN. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Ergebnisse des Welternährungsgipfels in Rom als völlig unzureichend und enttäuschend kritisiert: „Es ist schwer erträglich, dass die Staaten sich nicht einmal bei der Soforthilfe auf konkrete Zusagen verständigen konnten“, sagte der Direktor Handel und Landwirtschaft der OECD, Stefan Tangermann, dem Handelsblatt. Die Uno-Konferenz mit 180 Teilnehmerstaaten hatte sich nach dreitägigen Beratungen lediglich auf ein unverbindliches Abschlussdokument einigen können. Einige Teilnehmerländer und Institutionen sagten allerdings erste Finanzhilfen im Umfang von rund 6,5 Mrd. Euro zu.

Tangermann warnte die Industrienationen im Vorfeld der heute beginnenden Handelsblatt-Tagung „Agrarwirtschaft“ vor allem davor, mit Nahrungsmittellieferungen auf die Krise zu reagieren: „Es gibt keinen Mangel an Lebensmitteln. Das Problem ist vielmehr, dass die armen Bevölkerungsschichten das vorhandene Angebot wegen der hohen Preise nicht mehr bezahlen können.“ Deshalb sei die wichtigste Soforthilfe, den betroffenen Staaten „bares Geld“ in die Hand zu geben, um die Armen gezielt zu unterstützen.

Nahrungsmittelhilfen würden dagegen nur verhindern, dass die heimischen Agrarmärkte durch Ausweitung der Produktion auf das gestiegene Preisniveau reagieren können. Dies zeigten die leidvollen Erfahrungen mit solchen Unterstützungsaktionen aus der Vergangenheit.

Neben dieser internationalen „Sozialhilfe“ müssten Weltbank und Internationaler Währungsfonds den Ländern, die auf Nahrungsmittelimporte angewiesen seien, unter die Arme greifen. „Eine Reihe von Staaten haben, um das Preisniveau im Inland zu senken, Importzölle gesenkt. Sie sind dringend auf einen Ausgleich ihrer dadurch gesunkenen Staatseinnahmen angewiesen.“ Hilfe benötigten angesichts der stark gestiegenen Preise für Düngemittel auch die Bauern, um die nächste Ernte vorzubereiten. „Geschieht hier nichts, wird die Krise in einem Jahr größer sein als heute.“

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