OECD-Generalsekretär
Euroländer sind noch nicht über den Berg

Angel Gurria warnte am Mittwoch vor falschen Hoffnungen in der Euro-Krise. Spanien und Portugal könnten schon bald die nächsten Opfer der Finanzmärkte sein. Nur eine stärkere Brandmauer sende eine klare Botschaft.
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BerlinOECD-Generalsekretär Angel Gurria warnt nach der Rettung Griechenlands vor falschen Hoffnungen. „Die Euro-Länder sind noch längst nicht über den Berg“, sagte er in Interview mit der „Handelszeitung“ am Mittwoch. Spanien und Portugal könnten schon bald die nächsten Opfer der Finanzmärkte sein.

„Jetzt ist allen klar, dass die Finanzmärkte die schwachen Euro-Staaten angreifen.“ Deshalb gebe es für Gurria nur eine Lösung. „Wir müssen die Mutter aller Brandmauern bauen. Je dicker und eindrucksvoller sie ist, desto weniger wahrscheinlich werden wir sie brauchen.“

Laut dem OECD-Generalsekretär muss ein angemessener finanzieller Stabilisierungsfonds „mindestens eine Billion Euro schwer sein“. Die EU-Staaten dürften nicht mehr länger warten. Die Finanzmärkte nützten Zögerlichkeit und Unsicherheit aus. „Eine Brandmauer wäre aber ein Signal, eine klare Botschaft an die Finanzmärkte und die Welt. Und sie dämmt die Gefahr einer weiteren Ansteckung ein.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble stehen unter erheblichem internationalen Druck, die „Brandmauern“ für die Euro-Zone weiter aufzustocken. Die Euro-Finanzminister wollen Ende nächster Woche eine Entscheidung über die Kombination von EFSF und ESM treffen.

Daher muss die Regierung vorher ihre Position festlegen. Auf der IWF-Frühjahrstagung am 22. April soll dann über einen zusätzlichen Hilfsfonds auf IWF-Ebene entschieden werden, der im Notfall angeschlagenen Euro-Staaten helfen können soll. Dafür fordern IWF-Partner aber größere Anstrengungen der Euro-Länder.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es sind immer wieder die billigen Parolen der Politiker welche den Märkten die Schuld in die Schuhe schienen wollen. Dabei sind es genau die Typen welch uns das alles eingebrockt haben. Schulden machen um wieder gewählt zu werden, das ist deren Maxime. Und dass Schulden gemacht werden, daran sind natürlich die Märkte Schuld. Bedingt stimmt das sogar, denn wenn die Märkte, wer auch immer das sein soll, denen keinen Kredit mehr geben würden, dann würden sich diese Verbrecher das Geld anders beschaffen.

    Spanien und Portugal, zwei Länder die es gewohnt waren über Jahrhunderte ihr Kolonien auszubeuten haben noch nicht so ganz richtig verinnerlicht, dass das nicht mehr geht und dass sie jetzt selbst Hand anlegen müssen um leben zu können.

    Spanien hat aber immer noch so viel Geld, dass die Regierung Fussballvereinen die so wie der Staat überschuldet sind, mit Staatskrediten aushelfen muss. Das ist nicht akzeptabel und für so etwas ist der ESM bestimmt nicht gedacht.

  • Der ESM als "Brandmauer" hat allein die Funktion, die Zinsen überschuldeter Staaten marktumgehend niedrig zu halten. Da die Schulden im EURO Raum jährlich nur zunehmen werden, müssen zwangsläufig in der Folge die zu zahlenden Zinsbeträge steigen, allein auf Grund der hohen Schulden, egal, ob der Zinssatz hoch oder niedrig ist. Dadurch werden die Defizite nicht erheblich abgebaut werden können, und wenn das mit Steuererhöhungen oder Einsparungen im Haushalt versucht wird, wird es überall die gleichen, rezessiven Effekte haben wie in Griechenland und in Portugal. In der Folge kommt es zu Herabstufungen der Ratings, die das Problem noch weiter verstärken. Mit der Rezession und der Reduktion des BIP im Nenner steigen Schulden- und Defizitquoten und verstärken den Effekt zusätzlich. Welche Funktion dann eine "Brandmauer" erfüllen soll und wie in diesem Zusammenhang eine "Ansteckung" aussieht, entzieht sich jedem objektiv denkenden Betrachter mit gesundem Menschenverstand.
    Wenn der Öffentlich so ein Schwachsinn verkauft wird, müssen die tatsächlichen Probleme weitaus grösser sein, als bisher der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde.

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