OECD-Studie
Armut in Deutschland wächst rasant

Armut und Einkommensungleichheit haben in Deutschland in den vergangenen Jahren wesentlich schneller zugenommen als in allen anderen Ländern. Zu diesem Ergebnis einer am Dienstag in Paris vorgestellte Studie der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Vor allem Alleinerziehende und Kinder sind demnach besonders stark von sozialer Ungleichheit betroffen.

HB PARIS. Von 2000 bis 2005 lebten 10,5 bis 11 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsschwelle, heißt es in Der OECD-Studie. Anfang der 90er Jahre war die Armutsquote in Deutschland noch rund ein Viertel geringer als im OECD-Mittel, inzwischen ist sie über den Durchschnitt der 30 Mitgliedsstaaten gestiegen.

Die Studie "Mehr Ungleichheit trotz Wachstum?" belegt auch, das die Einkommensunterschiede, die lange Zeit im OECD-Vergleich eher gering waren, fast das OECD-Niveau erreicht haben. Vor allem durch einen starken Anstieg der höheren Einkommen seit der Jahrtausendwende ist die Einkommensschere auseinandergeklafft. "Dabei ist anders als vielfach behauptet die Spreizung der Einkommensschere nicht hilfreich für Wachstum. Sie macht es für talentierte und hart arbeitende Menschen schwerer, den Lohn zu erhalten, den sie verdienen", erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Diese mangelnde soziale Mobilität beeinträchtige die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit insgesamt.

Alleinerziehende und Kinder sind der Studie zufolge überdurchschnittlich, Rentner dagegen unterdurchschnittlich von Armut betroffen. In Bezug auf die Armutsrisiken spiele Erwerbslosigkeit eine große Rolle. Deutschland weise im OECD-Vergleich die höchste Rate an Haushalten ohne erwerbstätige Person auf.

Als von Armut bedroht gelten nach der OECD-Definition Menschen mit weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens im jeweiligen Land. Dabei wird nicht der Mittelwert aller Einkommen herangezogen, sondern der deutlich niedriger liegende Median, der die gesamte Bevölkerung genau in der Mitte in zwei gleich große Gruppen teilt.

In Frankreich, Spanien, Irland, Griechenland und der Türkei ist die Kluft zwischen Armen und Reichen von 1985 bis 2005 leicht zurückgegangen.

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