OECD-Studie "Kindergarten-PISA"
Es mangelt an Betreungsmöglichkeiten für Kinder

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordert mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in Deutschland und eine Hochschulausbildung der Erzieherinnen.

HB BERLIN. In einer am Dienstag vorgelegte Studie bemängelt die OECD vor allem das Fehlen von Kindergartenplätzen in den alten Bundesländern und eine unzureichende Ausbildung der Erzieherinnen. Positiv hervorgehoben wurden das große Angebot an Kita-Plätzen in Ostdeutschland, die einheitliche Betrachtung von Betreuung und Bildung sowie die gute Ausstattung der Kindertagesstätten. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) wertete die Ergebnisse als eine Bestätigung der Politik der Bundesregierung, die auf einen Ausbau der frühkindlichen Betreuung abzielt. Für die Union ist es mit mehr Kita-Plätzen nicht getan.

Die in Anlehnung an die Pisa-Studie über das Schulwesen „Kindergarten-Pisa“ genannte Untersuchung kritisiert, dass in Westdeutschland nicht genug Kita-Plätze für Kleinkinder zur Verfügung stünden. Nur 2,7 % der unter Dreijährigen besuchten eine Kita. Das sei weit entfernt vom ostdeutschen Niveau von 37 %. Die OECD plädierte dafür, den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, den Kinder von drei Jahren an haben, stufenweise auf das Alter von zwölf Monaten auszuweiten. Auch das Angebot an Hortplätzen für Grundschüler müsse erweitert werden.

„Der Ausbau der Kinderbetreuung liegt in quantitativer und qualitativer Hinsicht im nationalen Interesse“, heißt es in der OECD-Studie. Die Experten empfehlen, dem Bund eine Führungsrolle bei der Festlegung von nationalen Standards und Rahmenbedingungen für die Betreuung zu geben. Die Ausbildung der Erzieherinnen sollte - wie in anderen OECD-Staaten auch - den Hochschulen übertragen werden.

„Das System hat Stärken, aber es muss verbessert werden“, sagte Familienministerin Schmidt zu der Studie. Auf der guten Ausstattung der Kindertagesstätten und dem Konsens, dass Betreuung und Bildung zusammengehörten, lasse sich aufbauen. Anders als in der Föderalismus-Kommission diskutiert sollte der Bund die Zuständigkeit für das Kinder- und Jugendhilferecht behalten. Die Union wies die Forderung Schmidts nach mehr Kindergartenplätzen als zu pauschal zurück. Quantität allein reiche nicht aus, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maria Böhmer. Notwendig sei die Verbesserung der vorschulischen Bildung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte die schrittweise Abschaffung der Kindergartengebühren. Für Investitionen in den Kindertagesstätten sollten die Vermögenssteuer wieder eingeführt, die Erbschaftsteuer reformiert und die Eigenheimzulage sowie das Ehegattensplitting abgeschafft werden.

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