OECD-Studie zu Arbeit und Familie
Kinderarmut – ein sehr deutsches Phänomen

Eine aktuelle OECD-Untersuchung belegt: Kinderarmut ist in Deutschland häufiger anzutreffen als in den meisten anderen Industriestaaten – obwohl nirgendwo so viel Geld in die Familienförderung fließt wie hierzulande.

HB BERLIN. In Deutschland leben mehr Kinder in ärmlichen Verhältnissen als in vielen anderen Industristaaten. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Donnerstag veröffentlichter Ländervergleich über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Laut der Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fehlt es hier zu Lande vor allem an Betreuungsmöglichkeiten, die die Eltern in die Lage versetzen würden, ihre finanzielle Situation selbst zu verbessern.

Dabei liegt Deutschland in Sachen Familienförderung durchaus auf einem Spitzenplatz: Laut der Studie werden drei Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hierfür aufgewendet - mehr als in den 24 OECD-Länder, für die Daten verfügbar sind und die im Schnitt 2,4 Prozent ausgeben. Allerdings investiere Deutschland überdurchschnittlich viel in Kindergeld und Steuererleichterungen. Für Dienstleistungen, etwa zur Kinderbetreuung, gibt Deutschland dagegen nur 0,77 Prozent des BIP aus, während es im OECD-Durchschnitt 0,9 Prozent sind.

Beruf und Familie nur schwer unter einen Hut zu bringen

Die geringen Aufwendungen schlagen sich auch im Angebot nieder: So stehen in Deutschland nur für neun Prozent der Kleinkinder bis drei Jahre Betreuungsplätze zur Verfügung. Im OECD-Mittel sind es 23 Prozent.

„Deutschland könnte durch mehr Betreuungsplätze die Arbeitsaufnahme von Frauen erleichtern und dadurch auch die wirtschaftliche und soziale Situation für Familien verbessern“, erklärte Willem Adema, Experte für Familienpolitik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Gerade Alleinerziehenden könne so geholfen werden. Ihre Beschäftigungsquote liegt bei 62 Prozent und damit deutlich unter dem OECD-Schnitt von 71 Prozent.

Adema bescheinigt Deutschland allerdings, dass die Reformen wie das neue Elterngeld und der Ausbau der Kinderbetreuung in die richtige Richtung gehen. So schaffe die verkürzte Bezugsdauer des Elterngeldes nun mehr Anreize, dass Eltern früher wieder in den Beruf zurückkehrten. So werde auch verhindert, dass vor allem Frauen zu lange aus dem Job seien und später Einbußen hinnehmen müssten. Wenn für eine Kinderpause zu lange Entschädigung gezahlt werde, seien die Effekte oft sehr negativ. Sie zerstörten die Anreize zur Arbeitsaufnahme und schreckten Arbeitgeber ab, Frauen einzustellen.

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