OECD warnt vor weltweiter Wachstumsschwäche: Globale Angst

OECD warnt vor weltweiter Wachstumsschwäche
Globale Angst

Bei Konjunkturexperten wächst die Sorge um die Weltwirtschaft. Die Industrieländer-Organisation OECD hat heute ihre Wachstumsprognose deutlich gesenkt. Vor allem zwei Länder sind massiv betroffen.

BerlinIm November waren die OECD-Konjunkturexperten noch verhalten positiv gestimmt: Ähnlich wie die Bundesregierung, die 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet, trauten sie Deutschland ein Plus von 1,8 Prozent zu. Die USA würden mit 2,5 Prozent zur Wachstumslokomotive der Weltkonjunktur. Über den Winter jedoch hat Tristesse in den Pariser OECD-Büros eingesetzt: Nur noch 1,3 Prozent Wachstum trauen die Ökonomen Deutschland noch zu, und den USA nur noch 2,0 Prozent.

Innerhalb von vier Monaten ist das eine erstaunlich deutliche Korrektur uns Negative. Die bekannten weltweiten Risiken – Ölpreisverfall, schwächelnde Schwellenländer, weniger Nachfrage aus China – bremsen in allen Industrieländern das Wachstum stärker als noch im Herbst erwartet.

Und als neues Risiko sind Finanzmarktturbulenzen hinzugekommen: Der Einbruch an den Weltaktienmärkten um neun Prozent in den ersten sechs Wochen des Jahres führten zu neuer Marktunsicherheit. Vor allem europäische Finanzinstitute seien geschwächt und würden im Fall eines sich noch weiter abkühlenden Wachstums zusätzlich unter Druck geraten.

Die Weltwirtschaft insgesamt wird demnach mit 3,0 Prozent genauso schwach wachsen wie im Jahr 2015, erwartet die OECD nun anstelle der im November prognostizierten 3,3 Prozent. „Diese Weltwachstumsrate ist die niedrigste in den vergangenen fünf Jahren, und sie liegt deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt“, so die Analyse. Und weil überall das Wachstum schwach ist, geht auch das Welthandelswachstum zurück auf zwei Prozent – die niedrigste Rate seit dem Rezessionsjahr 2009.

Von den Regierungen der größten 20 Industrie- und Schwellenländern verlangt die OECD, gemeinsam gegen die Weltwachstumsschwäche vorzugehen: Starke Volkswirtschaften – Deutschland wird zwar nicht genannt, ist aber mitgemeint – sollten die Niedrigzinsphase nutzen, um mit neuen Schulden Investitionen anzukurbeln.

In der Euro-Zone müsse der Juncker-Investitionsplan schneller umgesetzt werden. Gleichzeitig sollen Strukturreformen an den Arbeitsmärkten und in den Rentensystemen Europas und der Schwellenländer beherzt fortgesetzt werden: Der Elan dafür sei zu sehr geschwunden, mahnen die Ökonomen.

Gerade in Europa sei mehr Zusammenhalt gefragt, um externe Risiken, wie die Flüchtlingskrise und das Terrorismusrisiko besser in den Griff zu bekommen. Die Notenbanken sollten unbedingt die ultralockere Geldpolitik beibehalten. Denn schon jetzt belaste die Zinsanhebung der US-Notenbank FED die Schwellenländer, weil Kapital aus ihnen in die USA abgeflossen ist.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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