OECD will Steuerschlupflöcher schließen: Kein Entkommen mehr für Amazon & Co

OECD will Steuerschlupflöcher schließen
Kein Entkommen mehr für Amazon & Co

Globale Steuertricksereien sind der Politik ein Dorn im Auge. Vor allem IT-Konzerne wie Facebook, Google, Apple und Amazon fallen mit besonders niedrigen Steuerquoten auf. Die OECD will das nun ändern.
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BerlinDass global tätige Unternehmen in aggressiver Weise Steuerschlupflöcher nutzen, darauf hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schon vor einiger Zeit hingewiesen. Nur hat sich bislang wenig getan. Es scheint, als sei der Kampf gegen Großkonzerne wie Amazon & Co. mehr als aussichtslos. Und das, obwohl deren Gebaren andere Unternehmen massiv benachteiligt. Das geht aus einer im Auftrag der G20 erstellten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor - die sich damit aber nicht abfinden will.

Die sogenannte Steuervermeidung steht auch auf der Agenda des G20-Finanzministertreffens am Wochenende in Moskau. Die OECD-Experten haben analysiert, wie multinationale Konzerne Steuerbemessungsgrundlagen aushöhlen und Gewinne verlagern und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis: Viele Steuersysteme ermöglichen es demnach international agierenden Unternehmen durch geschickte Kunstgriffe nur fünf Prozent Steuern zu zahlen, wo weniger große Firmen auf 30 Prozent kommen.

Dabei sind nach Darstellung der OECD viele der heute geltenden Regeln eigentlich dafür gedacht, multinationale Unternehmen vor einer Doppelbesteuerung zu bewahren. Doch, fügen die Experten hinzu: „Allzu oft zahlen diese Unternehmen dann aber gar keine Steuern.“ So blendeten die Gesetze viele Faktoren des modernen Wirtschaftsgeschehens aus, etwa die Verflechtungen über Grenzen hinweg, den Wert geistigen Eigentums oder neue Kommunikationstechnologien.

Die Folge sind Schlupflöcher, die es multinationalen Unternehmen ermöglicht, Steuern zu minimieren oder ganz zu vermeiden. „Darüber hinaus behindern diese Kniffe Investitionen, Wachstum und Beschäftigung und führen dazu, dass der Durchschnittsbürger die Hauptsteuerlast zu tragen hat“, heißt es in einer Mitteilung der OECD von heute.

Amazon ist deswegen bereits in Großbritannien ins Visier der Politik geraten. So setzte der Konzern dort im Jahr 2011 etwa 3,3 Milliarden Pfund (vier Milliarden Euro) um und zahlte  keinerlei Unternehmenssteuer. Detaillierte Stellungnahmen zu seinen deutschen Steuerzahlungen lehnt das Unternehmen ab. „Amazon zahlt alle anwendbaren Steuern in jedem der Länder, in denen das Unternehmen tätig ist“, teilt eine Sprecherin lediglich mit.

Ein weiteres Beispiel das Fragen aufwirft, sind die Einzelhandelsfilialen des Apple-Konzerns in Deutschland. Denn auch wenn die Kunden sich bei der Einführung neuer Produkte oder Eröffnung neuer Filialen in langen Warteschlangen die Beine in den Bauch stehen, schlägt sich das zumindest offiziell nicht in einem Überschuss wieder.

Die Apple Retail GmbH meldet für das Geschäftsjahr bis Ende September 2011 einen Verlust in Höhe von 3,5 Millionen Euro.

Kommentare zu " OECD will Steuerschlupflöcher schließen: Kein Entkommen mehr für Amazon & Co"

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  • Lustig finde ich es die genannten Unternehmen zu beschuldigen und zum Buhmann zu stempeln, wo doch Diletanz und Ignoranz der Gesetzgeber das Hauptproblem sind.
    Es ist unsinnig von wettbewerbsorientierten Unternehmen zu erwarten, das sie nicht alle legalen Möglichkeiten nutzen, das ist Gegenstand einer Marktstrategie. Besonders da der Staat ohnehin bei seien Steuergesetzen voraussetzt, das er nicht alles erfassen kann.
    Um so schlimmer die Empörung, die hier zum Ausdruck kommt, die an Naivität oder Heuchelei wohl kaum zu überbieten ist.
    Nur wei les Unternehmen trifft bei denen man das nicht stillschweigend dulden will.

    H.

  • ZITAT
    Wenn jemand zu blöd ist Steuergestze zu beschliessen ...

    Eben genau das ist gar nicht so einfach,
    weil das alles mittlerweile sehr komplex geworden ist.
    Es kommt ja nicht von ungefähr, dass sich mittlerweile ganze Heerscharen von Anwälten daran eine goldene Nase verdienen.
    Und diese Anwälte spezialisieren sich immer mehr !

  • ZITAT
    Die Gelder werden doch vom Staat eh nur zum Fenster rausgeworfen, ...

    Das passiert leider oft aber noch lange nicht immer.
    Ansonsten empfehle ich mal z.B. in Russland auf einer Landstraße zu fahren oder in den USA ernsthaft krank zu werden ...

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